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Arbon kämpft für Schnellzug

Der Bund prüft eine viertelstündige Bahnverbindung nach St. Gallen. Arbon ist begeistert und treibt das Projekt mit Lobbying voran. Die Thurgauer Nationalrätin Edith Graf-Litscher gibt der neuen Strecke aber nicht allzu grosse Chancen.
Tanja von Arx

ARBON. In zwölf Minuten von Arbon nach St. Gallen: Diese Vision könnte in ein paar Jahren Wirklichkeit werden. Im Auftrag des Agglomerationsprogramms St. Gallen-Bodensee hat die Eidgenössisch Technische Hochschule Zürich (ETH) vor einiger Zeit eine Studie durchgeführt, gemäss derer es machbar ist, einen Schnellzug in die Gallusstadt zu realisieren.

Nun macht sich Arbon für das Vorhaben stark. Andreas Balg, Stadtpräsident von Arbon und im Lenkungsausschuss des Agglomerationsprogramms, sieht darin nicht nur Chancen für die Stadt. Auch die Region würde profitieren. «Je besser die Infrastruktur im Oberthurgau und je stärker der Einzelne, desto besser für alle.» Der FDP-Politiker fügt an: «Es würde das nachgeholt, was Rorschach, Gossau und Herisau schon seit Jahrzehnten haben.»

Ergänzt S-Bahn oder Schnellzug

Laut der ETH-Studie sind drei Varianten für das Bahnangebot denkbar. Sie sehen einen Neubau im Anschluss an die S-Bahn oder an den Schnellzug St. Gallen–Konstanz vor. Eine Route würde über Roggwil-Berg führen, eine die Linie ab Wittenbach verlängern und eine weitere auf Höhe von Mörschwil abzweigen (siehe Grafik).

Nach Prüfung durch die zuständigen Stellen gingen Ende 2014 zwei Angebotskonzepte beim Bund ein. Dieser befasst sich derzeit mit einer halbstündlichen Verbindung auf den Strecken Arbon–Steinach–Wittenbach–St. Gallen und Arbon–Steinach–Mörschwil–St. Gallen. Sie könnten im zweiten Ausbauschritt des sogenannten strategischen Entwicklungsprogramms gebaut werden.

Im vergangenen Jahr beauftragte der Bund die Südostbahn (SOB) mit Infrastrukturanalysen und Kostenschätzungen. Die entsprechende Studie ist derzeit bei den Kantonen Thurgau und St. Gallen in Vernehmlassung. Für eine Realisierung müsste das Parlament die Finanzierung bewilligen, was 2018 der Fall wäre. Geht alles gut, würden 2025 die Bagger auffahren, und 2030 wäre die neue Bahnlinie Arbon–St. Gallen gebaut.

Kosten: 100 Millionen Franken

Bis dahin müsste das Projekt aber noch einige Hürden nehmen. In der öffentlichen Diskussion beschäftigen vor allem die Kosten: Der Neubau beläuft sich auf rund 80 bis 100 Millionen Franken. Die Thurgauer Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP), die das Gesamtpaket des zweiten Ausbauschritts dereinst berät, hegt deshalb Zweifel. «Da wir zukünftig die Mittel zuerst für den Unterhalt der bestehenden Strecken einsetzen müssen und dieser Finanzbedarf aufgrund der starken Nutzung steigen wird, gehe ich davon aus, dass neue Linien nur noch sehr beschränkt realisiert werden.» Darüber hinaus kann sich der Kanton St. Gallen eher wenig für das Projekt erwärmen. «Bei uns hat der Ausbau und die Verbesserung des Korridors St. Gallen–Zürich Priorität», sagte Andreas Bieniok, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr, vor kurzem. Im weiteren hat der Bund der Steuerzahler Schweiz Widerstand angekündigt.

«Wir müssen kooperativ sein»

Stadtpräsident Andreas Balg zeigt sich dennoch optimistisch. Vertreter der SOB seien dem Vorhaben nicht abgeneigt, und Vertreter von Stadt und Region würden sich im Lenkungsausschuss der sogenannten Agglomerationskonferenz dafür stark machen. «Weil zur Prüfung beim Bund, liegt das Projekt zwar nicht mehr in den Händen der Ostschweiz. Aber die Ostschweiz kann kooperativ kämpfen und erfolgreiches Lobbying betreiben.» Bei der ersten Etappe des Bahn-Y hätte auch niemand gedacht, dass der Doppelspurausbau Buchs–Sargans einbezogen werden könnte. Aber das gute Lobbying der nationalen Parlamentarier im Zusammenspiel mit einem Window-of-Opportunity habe gewirkt. «Das ist auch bei Arbon–St. Gallen möglich.»

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