Arbon
«Hier herrscht eine tolle Ambiance»: Die Arboner Literaturtage locken zahlreiche Gäste

Vom 26. Juni bis zum 4. Juli finden im berühmten blauen Haus Max Burkhardt die Arboner Literaturtage statt. Das Motto ist «Nachbarschaft». Beginnend mit einem Glockengeläut lesen verschiedene Autorinnen und Autoren aus ihren Werken.

Theepan Ratneswaran
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Unter dem Zeltdach finden in geselliger Runde die Arboner Literaturtage statt. Im Hintergrund das Haus Max Burkhardt.

Unter dem Zeltdach finden in geselliger Runde die Arboner Literaturtage statt. Im Hintergrund das Haus Max Burkhardt.

Bild: Theepan Ratneswaran

Die Glocken läuten. Ununterbrochen, 15 Minuten lang. Als würde die Evangelische Kirche in Arbon den kürzlich verstorbenen St.Galler Lyriker Fred Kurer imposant verabschieden. Die Anwesenden hören gespannt zu. Um 17.15 Uhr eröffnet Kuratorin Ruth Erat schliesslich die Literaturtage.

Am Samstag herrscht angenehmes Wetter. Nicht zu heiss, nicht zu kalt und nicht regnerisch - nicht wie letztes Jahr. Auf Liegestühlen oder im Gras sitzend lauschen zirka fünfzig Literaturbegeisterte den Gedichten von Fred Kurer. Eine Hommage. Vorgetragen von Literaturgrössen, unter anderem von den Ostschweizern Ivo Ledergerber oder Jürg Rechsteiner.

Eine Kür, keine Pflicht

Die Arboner Literaturtage stehen unter dem Motto «Nachbarschaft». Sieben Autorinnen und Autoren aus der Region lesen ihre lyrischen Werke und ihre Kurzprosa zum vorgegebenen Thema. Die St.Galler Autorin Erica Engeler sagt verschmitzt, sie habe nicht so gerne «Hausaufgaben». Das Publikum lacht. Bei den Gedichten von Lyrikerin Monika Schnyder amüsieren sich alle prächtig.

Oona Magri freut sich über den kulturellen Austausch.

Oona Magri freut sich über den kulturellen Austausch.

Bild: Theepan Ratneswaran

An diesem Eröffnungssamstag mutet vieles wie eine Kür an, nicht wie eine Pflicht. Nach monatelangem coronabedingtem Rückzug ist Erleichterung zu spüren. Man ist wieder unter Leuten. Die 32-jährige Oona Magri kann ein Lied davon singen. Magri liebt das Lesen und die Ruhe und Entspannung, die mitunter damit einhergehe. Die Mörschwilerin hat jedoch sehnlichst wieder einmal kulturellen Austausch gebraucht.

«Die Literaturtage inspirieren mich und bringen mich zum Nachdenken.»

Weiteres Programm der Arboner Literaturtage

Die Kuratorinnen der Arboner Literaturtage setzen auf eine Vielfalt an Formaten – von der klassischen Lesung über die szenische Variante «Books on Stage» bis hin zur fast privaten Form der Sofalesung. Am Mittwoch bringen Kathrin Becker und Hans Rudolf Spühler den Bestseller «Unsere Seelen bei Nacht» von Kent Haruf auf die Lesebühne. Am Donnerstag liest die Vorarlberger Bestsellerautorin Monika Helfer aus ihrem neuen Roman «Vati». Am Freitag ist Franz Hohler mit seiner Erzählung «Die neue Nachbarin» zu Gast. Zum Abschluss wird Samira El-Maawi am 4. Juli aus ihrem Roman «In der Heimat meines Vaters riecht die Erde wie der Himmel» lesen. 

Nach den Lesungen können Besucherinnen und Besucher die Bücher von den Autorinnen und Autoren kaufen.

Nach den Lesungen können Besucherinnen und Besucher die Bücher von den Autorinnen und Autoren kaufen.

Bild: Theepan Ratneswaran

Bei Suppe, Brot und Wein

Er habe früher selbst Gedichte geschrieben. «Das ist aber schon lange her», sagt Robert Wenk aus dem ausserrhodischen Wald. Er lese jetzt einfach nur noch sehr gerne, auch die Bücher von Monika Schnyder. Der 61-Jährige kennt die Lyrikerin persönlich. Die St.Gallerin habe ihn schliesslich auf die Literaturtagen angesprochen und ihn eingeladen, so Wenk.

Wenk ist zum ersten Mal am Arboner Literaturevent. Es gefällt ihm sehr gut.

Robert Wenk aus Wald AR ist zum ersten Mal an den Arboner Literaturtagen.

Robert Wenk aus Wald AR ist zum ersten Mal an den Arboner Literaturtagen.

Bild: Theepan Ratneswaran
«Hier herrscht eine tolle Ambiance.»

Auch am Sonntag ist die Atmosphäre elektrisierend. Bei sommerlichen 27 Grad könnte es blitzen und donnern. Am zweiten Literaturtag ist die Schweizerisch-deutsche Schriftstellerin Ulrike Ulrich zu Gast. Sie liest aus ihrem Roman «Während wir feiern». In ihrem Buch zeichnet Ulrike Ulrich ein Bild des Lebens in Europa.

Gefeiert wird dieser Tage auch in Arbon. Auch wenn Social Distancing noch präsent ist und hier und da Masken hervorblitzen. Eine Rückkehr zur Normalität ist nach den Lockdowns deutlich zu spüren. Eine Leichtigkeit bei inspirierenden Lesungen und spannenden Gesprächen. Bei Suppe, Brot und Wein. Unter Nachbarn.

Arboner Literaturtage vom 26.6.- 4.7: Programm unter www.hausmaxburkhardt.ch; beschränkte Platzzahl, Anmeldung per Mail unter rutherat@hotmail.ch.