ARBON ENERGIE: Nur eine Verschnaufpause

Einstellung des Strafverfahrens zu ungetreuer Geschäftsbesorgung: Die Arbon Energie AG ficht den Entscheid der Thurgauer Staatsanwaltschaft an.

Tanja von Arx
Drucken
Teilen
Sitz der Arbon Energie AG in Salwiesen. (Bild: Max Eichenberger)

Sitz der Arbon Energie AG in Salwiesen. (Bild: Max Eichenberger)

Tanja von Arx

Max Eichenberger

ostschweiz@tagblatt.ch

Es ist noch nicht ausgestanden. Nachdem die Staatsanwaltschaft Thurgau das Strafverfahren gegen drei ehemalige Organe der Arbon Energie AG betreffend ungetreuer Geschäftsbesorgung eingestellt hatte, atmeten die Beschuldigten auf. Nun aber hat der Verwaltungsrat des städtischen Stromversorgers beschlossen, rechtlich gegen den Entscheid vorzugehen.

«Wir werden gegen die Einstellungsverfügung Einsprache beim Obergericht erheben», heisst es in der gestrigen Mitteilung. «Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine detaillierteren Angaben machen», sagt Hansueli Bircher, Verwaltungsratspräsident der Arbon Energie AG. «Der weitere Verlauf des Verfahrens ist abzuwarten.» Andreas Balg, Stadtpräsident von Arbon und von Amtes wegen im Verwaltungsrat, sagt ebenfalls: «Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich nicht mehr dazu sagen.» In seiner Funktion als Eigner der Arbon Energie AG werde der Stadtrat am Montag über das weitere Vorgehen beraten.

Alfred Näf ist «masslos erstaunt»

«Masslos erstaunt» zeigt sich der ehemalige Verwaltungsratspräsident Alfred Näf über das Ansinnen der aufgelaufenen Kläger, den Einstellungsentscheid anzufechten. Er sei optimistisch, dass das Obergericht die Sachlage genauso beurteilen werde wie die Staatsanwaltschaft. Sie habe sehr fundierte Abklärungen vorgenommen und sei bei immer neuen Eingaben stets zum selben Schluss gekommen: Dass die geleisteten Vergütungen und Entschädigungen gerechtfertigt und ausgewiesen waren. Es sei bedauerlich, dass die Angelegenheit nicht ruhen könne. Das werde nur die Steuerzahler und die Konsumenten weiter unnötig Geld kosten.

Würde die Beschwerde gutgeheissen, kann das Obergericht einen neuen Entscheid fällen oder den Fall an die Staatsanwaltschaft zurückweisen mit möglicher Anleitung für den weiteren Gang des Verfahrens. Der Entscheid des Obergerichts ist nicht endgültig. Er kann bis ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Keinen kriminellen Akt ausgemacht

Die Arbon Energie AG erstattete am 5. August 2015 Anzeige gegen den früheren Geschäftsführer Jürgen Knaak und den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Alfred Näf. Man warf ihnen vor, sie hätten zwischen 2010 und 2014 unrechtmässig Geld in Form von Prämien bezogen. Dadurch sei dem Unternehmen ein Schaden von 220000 Franken entstanden. Die Staatsanwaltschaft Thurgau dehnte den Untersuchungszeitraum aus und ermittelte auch gegen den ehemaligen Vizepräsidenten des Verwaltungsrates Hans Lienhard. Es ging nun um einen Betrag von 356000 Franken, der als Honorare und Überstundenentgelt an Mitglieder des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung floss. Nach Einvernahmen, Hausdurchsuchungen und Prüfung der Bücher schlussfolgerte die Staatsanwaltschaft, dass kein krimineller Akt vorgelegen habe. Anfang Monat stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.