Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kommentar

Arbeitswelt: Es droht die digitale Klassengesellschaft

Die Digitalisierung am Arbeitsplatz weckt hier Hoffnungen, dort Ängste. Sollen die neuen Technologien die Arbeit wirklich erleichtern, lohnt sich der Dialog mit den Skeptikern.
Kaspar Enz

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Kaspar Enz. (Bild: Ralph Ribi)

Kaspar Enz. (Bild: Ralph Ribi)

Ist die Firma einmal richtig mit der Welt vernetzt und das Büro mit Robotern bevölkert, arbeitet es sich ganz unbeschwert: Die menschlichen Mitarbeiter können die langweiligen Fleissaufgaben den Robotern und künstlichen Intelligenzen überlassen. Übrig bleibt mehr Zeit für Kreativität, für Kunden und Kollegen. Die man sich gerne auch im Home-Office in der Karibik nimmt, von wo aus man sich per Videokonferenz ins Büro schaltet. Ein Traum, der bald wahr sein wird, versprechen sich die Botschafter der «New Work», der neuen digitalisierten Arbeitswelt. Nicht mehr als ein Traum, sagen viele der rund 1500 Mitarbeitenden, welche die Fachhochschule St. Gallen in ihrer neuen Studie zum Thema befragt hat.

Zwar setzen immer noch einige Arbeitnehmer grosse Hoffnungen in die neuen Technologien. Für viele aber heisst Digitalisierung nicht kreative Arbeit im Liegestuhl, sondern mehr Leistungsdruck, starre Regeln, vielleicht sogar drohender Jobverlust. Ernüchternd ist das Ergebnis auch deswegen, weil sich Klüfte auftun. Die eine Kluft besteht zwischen den Altersgruppen: Hier die Jungen, die mit Smartphones aufgewachsen sind, dort die Älteren, für die die immer schnellere Einführung neuer Technologien immer mehr Stress bedeutet. Eine Kluft besteht aber auch zwischen den Hochschulabsolventen in den Büros der IT- oder Finanzindustrie, die zu Recht auf mehr Freiräume hoffen, und den weniger gut ausgebildeten Mitarbeitern in der Produktion. Oder denjenigen, die ältere und kranke Menschen oder solche mit Behinderungen pflegen und begleiten. Von orts- und zeitunabhängiger Arbeit können sie kaum profitieren. Stattdessen befürchten sie, bald nur noch den unerbittlichen Zeit­plänen folgen zu müssen, die effizienzgetriebene Computersysteme vorgeben. Dass das nicht nur eine düstere Zukunftsvision ist, lassen die ­Antworten auf die Frage vermuten, wie sich die Unternehmen mit der Digitalisierung verändern: Mehr Effizienzdenken sei eingekehrt, sagen weit mehr als die Hälfte der Befragten. Mehr Zeit und Raum für Menschlichkeit entsteht scheinbar nur für zwölf Prozent.

Mag sein, dass Menschlichkeit allein das nächste Quartalsergebnis nicht verbessert. Trotzdem täten die Unternehmen gut daran, ihren skeptischen Mitarbeitern zuzuhören. Nicht jedes System, das mehr Effizienz verspricht, hält sein Versprechen, gerade wenn man bei der Schulung der Angestellten spart. Statt den Mitarbeitern bei der Arbeit zu helfen, steht manche neue Technologie ihnen dabei nur im Weg. Gut möglich, dass der langjährige Produktionsmitarbeiter den Haken erkennt, bevor der Informatikchef die teure Software gekauft hat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.