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Rote Bälle als Handgranaten: Offiziersgesellschaft Rorschach bietet umstrittenes Kinderprogramm an – Arzt kritisiert: «Absolut unpassend»

An ihrem Jubiläumsanlass vom kommenden Samstag bietet die Offiziersgesellschaft Rorschach ein Kinderprogramm mit Handgranatenwerfen und Sturmgewehr-Zielschiessen an. Der Herisauer Kinderarzt Slavko Mirjanic rät dringend von diesen Bezeichnungen ab.
Valentina Thurnherr
Spielzeugwaffen sind zwar beliebt bei Kindern, können jedoch Aggressionen auslösen. (Symbolbild: Imago)

Spielzeugwaffen sind zwar beliebt bei Kindern, können jedoch Aggressionen auslösen. (Symbolbild: Imago)

75 Jahre wird die Offiziersgesellschaft (OG) Rorschach in diesem Jahr. Deshalb organisieren die Offiziere einen Grossanlass, der am Samstag entlang des Bodenseeufers stattfindet. Für den Anlass, den sie unter das Oberthema Sicherheit stellt, hat sich die OG einiges einfallen lassen, auch für die kleinen Besucher. Die geplanten Kinderaktivitäten lauten:

  • «Schutzwesten anprobieren»
  • «Tarnen mit Tarnstift»
  • «Handgranatenwerfen»
  • «Sturmgewehr-Zielübungen»

Fast scheint es, als wolle die Schweizer Armee nun schon bei den Kleinsten mit den Rekrutierungsversuchen anfangen – und erste Vorstellungen von Kriegshandlungen vermitteln. «Das ist absolut nicht der Fall», sagt Cornel Fürer, Vize-Präsident der OG Rorschach. Bei diesem Angebot solle es nicht um den Kampf oder explizit um das Militär gehen.

«Wir wollen einfach eine sportliche, spielerische Alternative für die Kinder anbieten.»

Das Thema Sicherheit steht im Vordergrund

Den Verantwortlichen der Jubiläumsfeier sei zudem im Vorfeld schon bewusst gewesen, dass es Leute gäbe, die negativ auf den Anlass reagieren könnten. «Aus diesem Grund haben wir versucht, das Thema Militär so weit es geht abzuschwächen und als Thema die Sicherheit gewählt», sagt Fürer. Dazu seien Organisationen wie die Feuerwehr Rorschach-Rorschacherberg, der Rettungsdienst St.Gallen, die Kantonspolizei St.Gallen und die Rega eingeladen worden.

Die Namen der Spiele seien nicht wörtlich zu nehmen, sagt Fürer. «Die Handgranaten sind lediglich rote Bälle, welche die Kinder in einen Eimer werfen sollen.» Die Sturmgewehre seien mit Lasern ausgestattet und geben keine Schussgeräusche ab. «Man zielt auf eine Scheibe und erhält am Ende einen Ausdruck auf Papier, auf dem die Treffer angezeigt werden», erklärt Fürer.

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Spielzeugwaffen können Aggressionen auslösen

Dennoch bezeichnet die OG Rorschach die roten Bälle als Handgranaten und die Laserwaffen als Sturmgewehre. «In diesem Kontext ist das absolut unpassend für Kinder», sagt der Herisauer Kinderarzt Slavko Mirjanic. Seit 37 Jahren praktiziert er und beobachtet bei vielen Kindern dasselbe Verhalten:

«Sobald sie vermehrt mit
Spielzeugpistolen oder Plastikmessern spielen, kann das Aggressionen wecken
und zu Gewaltausbrüchen führen.»

Entsprechend negativ würden diese Kinder in der Folge auf ihr Umfeld und besonders auf andere Kinder reagieren. «Ich rate daher aus persönlicher Erfahrung davon ab, diese militärischen Bezeichnungen zu verwenden», sagt Mirjanic. Auch im späteren Leben könnten solche Kinder Probleme beispielsweise in Sachen Konfliktbewältigung bekommen und würden zu Verhaltensauffälligkeiten neigen.

Veranstalter reagieren auf die Kritik

«Wir wollen natürlich niemanden vor den Kopf stossen», sagt Cornel Fürer, angesprochen auf die Bedenken des Kinderarztes. In Rücksprache mit den Verantwortlichen der Jubiläumsfeier und als Reaktion auf die Aussagen von Kinderarzt Slavko Mirjanic ändert die OG Rorschach nun auch kurzfristig die Regeln für die Kinderaktivitäten. «Das Programm und den dazugehörigen Wettbewerb werden wir so beibehalten, jedoch müssen Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten sein, um daran teilnehmen zu können.» So liege die Teilnahme in der Verantwortung der Eltern – genauso wie das Kaufen von Spielzeugwaffen.

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