Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Arbeitslose wittern ihre Chancen mit dem «Inländervorrang light»

Seit zwei Monaten gilt der «Inländervorrang light». Die Ostschweizer Arbeitsämter sind zufrieden. Dank der Meldepflicht erfahren sie von deutlich mehr Stellen – auch für gering qualifizierte Stellensuchende.
Kaspar Enz
Freie Stellen im Baugewerbe oder in Lagern: Viele Jobs wurden bisher ohne RAV-Meldung vermittelt. (Bild: Luca Linder (St.Gallen))

Freie Stellen im Baugewerbe oder in Lagern: Viele Jobs wurden bisher ohne RAV-Meldung vermittelt. (Bild: Luca Linder (St.Gallen))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Ein Bürokratiemonster befürchteten Wirtschaftsverbände im Vorfeld: Der «Inländervorrang light» mache den Unternehmen Aufwand, ohne viel zu nützen, mahnten vor allem Vertreter des Gast- und Baugewerbes.

Nun ist das Bürokratiemonster seit zwei Monaten in Kraft. Und zumindest die Ostschweizer Arbeitsämter sind mit den ersten Erfahrungen zufrieden. «Wir bekommen drei Mal so viele Meldungen von offenen Stellen wie früher», sagt Daniel Wessner, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Das zeigt sich in den ersten Zahlen. Die Gesamtzahl der offenen Stellen hat sich schweizweit von Juni auf Juli beinahe verdoppelt. Auch in den Ostschweizer Kantonen wurden deutlich mehr offene Stellen gemeldet. «Darunter auch solche, die nicht meldepflichtig sind.» Ein Tool des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) soll die Meldung möglichst einfach gestalten. «Die Rückmeldungen der Arbeitgeber sind positiv», sagt Wessner. Für kleine Betriebe sei es zwar ein Aufwand. «Aber für grössere Firmen ist es unproblematisch.»

Ähnlich tönt es in St. Gallen. «Gemessen an der Aufgabe verlief die Einführung ohne nennenswerte Schwierigkeiten», sagt Adrian Schumacher vom St. Galler Amt für Wirtschaft und Arbeit. Wie im Thurgau habe man auch hier im Vorfeld breit ­informiert. «Das hat sich bezahlt gemacht», heisst es in St.Gallen. Im Thurgau stieg die Zahl der offenen Stellen insbesondere in der Gastronomie schon seit dem Frühling. Die frühe Information habe wohl dazu geführt, dass viele Betriebe bereits vorher begonnen hätten, offene Stellen zu ­melden, sagt Daniel Wessner – ausserdem habe wohl auch die gute Wirtschaftslage für mehr ­offene Stellen gesorgt.

Anzahl gemeldete Stellen in St.Gallen

Bau
Gastro
Übrige
0100200300Jul 17Jun 18Jul 18

Anzahl gemeldete Stellen im Thurgau

Bau
Gastro
Übrige
050100150Juli 17Juni 18Juli 18

Anzahl gemeldete Stellen in der Schweiz

Bau
Gastro
Übrige
02000400060008000Juli 17Juni 18Juli 18

Unternehmen müssen auf Vorschläge warten

Mit der Meldepflicht soll die Masseneinwanderungs-Initiative umgesetzt werden: Bevor sie eine Stelle öffentlich ausschreiben, müssen Arbeitgeber Vorschläge der Arbeitsämter abwarten. So sollen inländische Stellensuchende einen Vorsprung gegenüber ausländischen Bewerbern erhalten. Zu einigen Vermittlungen sei es so bereits gekommen, sagt Wessner. «Wie viele es sind, geben wir erst nach sechs Monaten bekannt.» Erst dann lägen aussagekräftige Zahlen vor. «Erste Erfolge sind da. Die Zahl der Vermittlungen hat zugenommen», sagt auch Adrian Schumacher vom St.Galler AWA.

Verpflichtend sind die Vorschläge der RAV nicht. Trotzdem zielt die Meldepflicht in die richtige Richtung: Gering qualifizierte Arbeitslose seien trotz guter Wirtschaftslage schwer zu vermitteln, sagt Daniel Wessner. Viele einfache Arbeiten oder Hilfsfunktionen seien während der Frankenkrise abgebaut worden. Doch auch dank der Meldepflicht wird klar: Es gibt sie noch. In den letzten zwei Monaten trudelten Stellen für Hilfsköche und Servicepersonal, Gerüstbauer und Hilfsgipser ein. Die Zahl der offenen Stellen stieg gerade auf dem Bau und im Gastgewerbe, wo viele Berufe meldepflichtig sind.

Noch stärker stieg in der Ostschweiz die Zahl der Stellen in der bunten Kategorie «Verschiedene be- und verarbeitende Berufe». Stellen für Lageristen und einfache Produktionsmitarbeiter seien darunter, sagt Wessner. «Im Thurgau haben wir viel Produktion, auch in der Lebensmittelindustrie.» Meldepflichtig sind auch Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft. «Wir schlagen den Landwirten oft Flüchtlinge vor», sagt Wessner. Mit noch mässigem Erfolg.

Stellenmeldepflicht

Lange dauerte der Streit darum, wie die Masseneinwanderungs-Initiative umgesetzt werden sollte. Am Ende entschied man sich für den «Inländervorrang light»: In Berufsgruppen, in denen die Arbeitslosigkeit über acht Prozent liegt, müssen offene Stellen den RAV gemeldet werden. Diese schlagen den Arbeitgebern innert drei Tagen geeignete Kandidaten vor. Die Arbeitgeber müssen diese Vorschläge abwarten, annehmen müssen sie sie aber nicht. Die meldepflichtigen Stellen fallen ins Gewicht: Im Thurgau wurden im Juli 643 offene Stellen neu erfasst, 383 davon waren meldepflichtig. (ken)

Die Erntehelfer kommen für gewöhnlich aus Osteuropa oder Portugal. «Die Landwirte haben eigene Kanäle, um zu Arbeitskräften zu kommen.» Zum Teil vermitteln die Verbände Helfer aus dem Ausland, oder die Arbeiter bringen in der nächsten Saison Verwandte oder Freunde aus der Heimat mit. Auf ähnliche Weise würden oft auch Hilfsarbeiter in anderen Branchen gesucht, sagt Wessner.

Ausgesteuerte wittern Chancen

Das kann die Meldepflicht nicht verhindern. Der europäische Arbeitsmarkt bleibt offen. «Aber wir können ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man zuerst in der Nähe nach Mitarbeitern suchen könnte», hofft Wessner.

Der inländische Arbeitsmarkt werde nämlich ebenfalls grösser, meint er. Trotz guter Wirtschaftslage ist die Arbeitslosigkeit im Juli leicht gestiegen. «Ausgesteuerte und andere, die die Stellensuche schon aufgegeben haben, melden sich wieder beim RAV», beobachtet Wessner. «Aber mit der Meldepflicht wittern sie wieder eine Chance.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.