Arbeiten am 1. Mai: Thurgauer Gewerkschaftsbund gibt seinen Segen

Eigentlich ist der 1. Mai im Kanton Thurgau ein gesetzlicher Ruhetag, an dem die Arbeit ruhen sollte. Doch mit Corona ist auch hier alles anders.

Christian Kamm
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Nationalrätin Edith Graf-Litscher präsidiert auch den Thurgauer Gewerkschaftsbund.

Nationalrätin Edith Graf-Litscher präsidiert auch den Thurgauer Gewerkschaftsbund.

Reto Martin

So hat der Kanton beschlossen, dass jene Betriebe, die ab dem 27. April wieder geöffnet sind, im Thurgau auch am «Arbeitersonntag» 1. Mai offen haben dürfen. Auf Nachfrage zeigt sich: Mit dem Segen des Thurgauer Gewerkschaftsbunds (TGGB).

«Das wäre schon etwas speziell»

Sie habe Verständnis für den Schritt, sagt TGGB-Präsidentin und SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. «Wir werden dem keine Steine in den Weg legen.» Schliesslich handle es sich um eine ausserordentliche Lage. Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns seien für viele Betriebe brutal. Und die Ausfälle zu kompensieren, sei alles andere als einfach. «Man kann jetzt nicht einfach drei Mal zum Coiffeur gehen.»

So gesehen mache es Sinn, dass Geschäfte, die in der nächsten Woche nach langer Durststrecke wieder öffnen könnten, dann in der gleichen Woche am 1. Mai nicht gleich wieder für einen Tag schliessen müssten. «Das wäre schon etwas speziell», zeigt Graf-Litscher Verständnis für die Massnahme des Kantons. Dazu komme ein grosses Bedürfnis in der Bevölkerung: «Die Leute waren jetzt dauernd daheim, die wollen jetzt auch wieder mal rausgehen.»

Vom Kanton konsultiert worden

Entscheidend für die Haltung des Gewerkschaftsbunds dürfte auch sein, dass er vorher vom Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) konsultiert worden ist. «Das Amt hat unser Sekretariat kontaktiert», sagt die Präsidentin. Für eine Telefonkonferenz des Vorstandes hat die Zeit dann allerdings nicht mehr gereicht. Die wird laut Graf-Litscher erst nächste Woche stattfinden.

Inhaltlich hätte allerdings eine Blockadehaltung der Gewerkschaften gegen die Lockerung des «Arbeitersonntags» sowieso nichts mehr ändern können. So kann gegen die entsprechende Verfügung des Kantons, die diese Woche im Amtsblatt publiziert wird, zwar innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Einer allfälligen Beschwerde wurde aber bereits präventiv die aufschiebende Wirkung entzogen.

Doch dieser Schritt ist für die Gewerkschaften wie gesagt kein Thema. Man habe es hier nicht mit einem Freipass für den gesamten Verkauf zu tun, argumentiert Graf-Litscher, sondern mit einer «Goodwill-Aktion» für jene, die immer geschlossen haben mussten und jetzt wieder Einnahmen erzielen könnten. Weiter betont sie:

«Das hilft auch, Arbeitsplätze zu sichern.»

Zieht der Kanton Zürich nach?

Und es könnte vielleicht sogar Schule machen. So fordert der Zürcher Gewerbeverband unterdessen, es am 1. Mai im Kanton Zürich dem Thurgau gleichzutun und das Arbeitsverbot entsprechend zu lockern.