Après Corona und vor der Saison – «alle grösseren Après-Ski-Events mit Tanz- und Musikeinlage in der Ostschweiz auf Eis gelegt»

«Über den Wolken wird die Freiheit wohl grenzenlos sein», tönt es seit Jahren auf fast jeder Après-Ski-Party. Doch die Freiheit ist seit der Coronapandemie eingeschränkt, was nun auch für das Après-Ski gilt.

Saskia Ellinger
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Das bisher bekannte Après-Ski-Vergnügen wird sich verändern.

Das bisher bekannte Après-Ski-Vergnügen wird sich verändern.

Bild: Getty

Nachdem Österreich, genauer gesagt der Skiort Ischgl, in diesem Frühjahr von Medien und Politik als das Coronanest Europas bezeichnet wurde, sichert sich das Nachbarland für die kommende Wintersaison mit verstärkten Schutzmassnahmen ab. So äusserte Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am 24. September bei einer Pressekonferenz:

«Skivergnügen ja, aber ohne Après-Ski.»

Wie Kurz später präzisierte, werde das Après-Ski zwar stattfinden, jedoch mit neuen Massnahmen und Regelungen, berichtet der «Kurier».

Konkret bedeutet dies: Getränke und Speisen dürfen überall nur noch im Sitzen konsumiert werden, der Mindestabstand zwischen Gästen muss mindestens einen Meter betragen und die Öffnungszeiten sind vorerst bis 22 Uhr beschränkt. Zudem sollen regelmässige präventive Tests für Mitarbeitende in der Gastronomie eingeführt werden.

Die Devise heisst «Abstand nehmen»

In der Schweiz wurden bisher noch keine bundesweiten Vorgaben bezüglich der Après-Ski-Situation veröffentlicht. Hier gelten bis jetzt die Vorgaben der Gasto Suisse sowie die Richtlinien des jeweiligen Kantons.

Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahnen Wildhaus

Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahnen Wildhaus

Bild: Urs Bucher

Derzeit feilen die Ostschweizer Skigebiete noch an ihren Schutzkonzepten. Es ist jedoch klar, dass das Après-Ski nicht so stattfinden wird wie in den Vorjahren. Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahnen Wildhaus, sagt:

«Das Sommer-Schutzkonzept hat sich in der Gastronomie und im Seilbahnbetrieb bis dato bewährt, daher blicken wir zuversichtlich auf die Wintersaison.»

Dementsprechend werde dieses Schutzkonzept fortgeführt und auf die Bedingungen des Skitourismus und des Après-Ski-Vergnügens angepasst.

Flumerserberg, Pizol und Wildhaus tüfteln an Regelungen

Katja Wildhaber, Leiterin Marketing, Partner und Events der Bergbahnen Flumserberg

Katja Wildhaber, Leiterin Marketing, Partner und Events der Bergbahnen Flumserberg

Bild: PD

«In den sechs Après-Ski-Lokalitäten, die von den Bergbahnen Flumserberg betrieben werden, sind alle grösseren Après-Ski-Events mit Tanz- und Musikeinlage auf Eis gelegt», sagt Katja Wildhaber, Leiterin Marketing, Partner und Events der Bergbahnen Flumserberg. Zudem setze man auf Tischtrenner aus Plexiglas, Selbstbedienungsstationen im Aussenbereich und separierte Holz-Chalets. Um die Ansteckungsgefahr weiter zu mindern, habe man auch den Betrieb in einzelne Sektoren aufgeteilt.

Klaus Nussbaumer, CEO der Pizolbahnen AG

Klaus Nussbaumer, CEO der Pizolbahnen AG

Bild: PD

Wildhaus und Pizol sind von dieser Diskussion über das Après-Ski weniger betroffen. Laut Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahnen Wildhaus, mache das Après-Ski hier nur einen sehr kleinen Teil des Tourismus aus. Aktuell gebe es nur eine Schirmbar an der Talstation. «Après-Ski war hier nie von grosser Wichtigkeit. Es wurde schon immer auf tiefer Flamme gehalten, nun ist es auf Sparflamme», sagt Gantenbein. Dasselbe gilt für den Pizol. So sagt Klaus Nussbaumer, CEO der Pizolbahnen:

«Der Pizol ist kein klassischer Après-Ski-Berg. Genuss, Aussicht und sportliche Betätigung stehen im Vordergrund.»

Corona beeinflusst auch den Bergbahnbetrieb

«Bezüglich dem Betrieb von Skiliften und Bergbahnen warten wir aktuell noch auf die Vorgaben des Seilbahnverbandes der Schweiz», sagt Geschäftsleiter Gantenbein, «erst dann können genauere Angaben zu Sicherheitsabstand oder anderen Regelungen des Bahnverkehrs gemacht werden». Es sei bis jetzt ziemlich sicher, dass es keine Maskenpflicht im Skigebiet Wildhaus geben werde, da es keine geschlossenen Bahnen gebe.

Maskenpflicht und Sicherheitsabstand beim Skifahren am Flumserberg

Maskenpflicht und Sicherheitsabstand beim Skifahren am Flumserberg

Bild: Benjamin Manser

Dies gilt nicht für den Flumserberg, wo es neben Sesselbahnen auch Gondelbahnen gibt. Allerdings habe man sich laut der Leiterin für Marketing, Partner und Event hierauf schon vorbereitet, indem Halstücher mit integrierter Schutzmaske verkauft werden. Wie es sich mit dem Sicherheitsabstand beim Anstehen, bei der Schulung und dem Schutz der Mitarbeiter und ähnlichem verhalte, könne sie noch nicht sagen.

«Coronaversicherung» für Saisonabonnements

Schon jetzt ist sicher: Die drei Skigebiete Flumserberg, Pizol und Wildhaus werden für ihre Saisonabonnements eine Art «Coronaversicherung» anbieten. Laut den Medienverantwortlichen soll eine Entschädigung angeboten werden, falls es zu einer behördlichen Schliessung der Skigebiete kommen sollte. Wie genau diese aussieht, würden die Skigebiete in nächster Zeit kommunizieren.

Österreich gibt Auflagen für Skischulen vor

Die Schweizer Skischulen haben aktuell keine Vorgaben bezüglich Schutzmassnahmen. Österreich hat hier bereits Empfehlungen bezüglich Gruppengrösse, Durchmischung der Gruppen und Tests der Lehrpersonen abgegeben. Eine bundesweite Regelung des Schneesport Verbandes befindet sich aktuell in Ausarbeitung.

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