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Zwölf Uhr mittags im Züritram

Brosmete
Patrik Kobler

Tram fahren ist bekanntlich mein neues Hobby. Busse mag ich hingegen weniger. Ausser vielleicht an Heimspielen des FC St. Gallen, wo es ziemlich praktisch ist, bis vors Stadion transportiert zu werden. Ansonsten gehe ich lieber zu Fuss. Immer wieder staune ich über Leute, die am Obstmarkt zehn Minuten warten, nur damit sie bis zum Bahnhof Heris­au fahren können. Selbstverständlich mag es andere Gründe als Bequemlichkeit dafür geben. Manchmal nehme aber auch ich den Bus – um ins Tagblatt-Hauptquartier an der Fürstenlandstrasse zu gelangen etwa. Allerdings lande ich dann immer in der Pampa zwischen Säntispark und Shopping-Arena, weil es mit den Umsteigezeiten nicht klappt. ­Immerhin bleibt dadurch Zeit, ­einen Ort kennen zu lernen, an dem man mit dem Auto achtlos vorbei – fahren würde – freilich nicht ganz zu Unrecht.

Tram fahren in der Stadt ist da spannender. Für ein Landei ist vor allem die Billettkontrolle beeindruckend bzw. furchteinflössend. Das Tram wird an einer Haltestelle gestoppt, draussen wartet ein Heer von Polizisten, und im Innern arbeitet sich eine Armada von Kontrolleuren durch den Wagen. Ich glaube, die Polizeikorps der beiden Appenzell zusammen haben nicht so viele Mitarbeiter wie das Aufgebot bei der Kontrolle in der Stadt Zürich. Man ist direkt froh, ein Billett gelöst zu haben. Etwas bibbern musste ich trotzdem, hatte ich das Ticket doch elektronisch auf mein Smartphone geladen. Blöderweise war der Akku fast leer. Hätte ich den schwarzen Bildschirm präsentiert, hätte der Kontrolleur wohl nur verächtlich gelacht und die Polizisten mich hinter schwedische Gardinen gebracht. Freilich waren sie mehr auf mein Gegenüber fixiert. Man könnte ihn als Junkietyp bezeichnen. So «abgefuckt», dass man vermuten konnte, dass er ohne Billett im Sack unterwegs war. Tatsächlich kramte er höchst umständlich im Portemonnaie. Und alle im Wagen erwarteten den grossen Showdown. Schliesslich zückte er aber einen zerknüllten Fetzen hervor. Gary Cooper quittierte es mit einem «Danke» und zog weiter. Als die Kontrolle vorbei war, sagte der Junkietyp für alle hörbar: «Schon verrückt, immer die Leute, von denen man erwarten würde, dass sie sich ein Billett leisten können, fahren schwarz.» Die Moral der Geschichte erübrigt sich.

Patrik Kobler

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