ZWISCHENBILANZ: «Ich wünsche mir zufriedene Gäste»

In den ersten 100 Tagen als Tourismusdirektor ging es Christian Gressbach darum, sein Team kennen zu lernen und mit Leistungsträgern zu sprechen. Zudem hat er einiges aufgegleist.

Sabine Schmid
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Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch

Der Toggenburger Christian Gressbach ist seit dem 1. Juli Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus. Er sei von seinem Team, dem Vorstand und den Leistungsträgern gut aufgenommen worden, sagt er. Die Job-Kombination als Tourismusdirektor und Dozent für Dienstleistungs- und Tourismusmarketing an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur sei herausfordernd, aber bis anhin problemlos zu bewältigen.

Christian Gressbach, Sie sind seit rund 100 Tagen im Amt als Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus. Wie haben Sie sich eingelebt?

Ich bin vom Team sehr nett empfangen worden, und ich fühle mich wohl. Das ist für mich sehr wichtig. Auch mit den Leistungsträgern, mit denen ich schon in Kontakt stand, habe ich gute Gespräche geführt. Meine 100 Tage im Amt sind relativ, weil ich wegen des Pensums erst etwas mehr als 40 Tage am Wirken bin. Darum hatte ich noch nicht die Zeit, um mit allen touristischen Leistungsträgern in Kontakt zu kommen.

Sie arbeiten zu 40 Prozent bei Toggenburg Tourismus und sind mit einem 60-Prozent-Pensum Dozent an der HTW in Chur. Passt das zusammen?

Ja. Die ersten Tage haben gezeigt, dass es mich fordert, aber sehr gut passt. Ich habe nicht an einem Ort viel zu viel und am anderen zu wenig gearbeitet. Die zwei Tage, die ich in Wildhaus arbeite, konnte ich gut einhalten. Aber das Semester an der HTW hat gerade erst begonnen und der Rhythmus könnte sich deshalb leicht ändern.

Was haben Sie bei Toggenburg Tourismus zuerst angepackt?

Wie gesagt, mir ist das Team sehr wichtig. Darum habe ich mit allen Einzelgespräche geführt, um herauszufinden, was sie machen, wo ihre Kompetenzen liegen und welche Vorstellungen sie haben. Zusammen mit dem Vorstand war ich an einem zweitägigen Strategieworkshop. Dabei habe ich den Vorstand und dessen Ideen kennen gelernt. Im Gegenzug konnte ich dort meine Ideen präsentieren. Dazu habe ich einige Leistungsträger besucht und mich mit dem Alltagsgeschäft vertraut gemacht.

Sie sind ein «Rückkehrer», haben von 2008 bis 2012 bereits bei Toggenburg Tourismus gearbeitet. Was hat sich seit Ihrem Weggang geändert?

Das Team hat sich verändert, es sind noch zwei Mitarbeiterinnen da, die bereits damals bei Toggenburg Tourismus gearbeitet haben. Eine hohe Personalfluktuation ist im Tourismus aber nichts Aussergewöhnliches. Vom Aufgabenbereich und bezüglich der Strategie hat sich nicht viel geändert. Wir bauen auf den drei Werten Echtheit, Natürlichkeit und heile Welt auf und haben die strategischen Geschäftsfelder Klang, Naturerlebnis und Wintererlebnis definiert. Familien, Gruppen und Incentive-Reisende, also solche, die Erlebnisse in ihrer Freizeit suchen, stehen bei uns im Fokus. Fünf dieser sechs Elemente waren bereits vor fünf Jahren im Spiel. Verändert hat sich das Umfeld mit den Kommunikationsmitteln. Heute läuft mehr im digitalen Bereich und in den Social Media. Dies hatte auch Auswirkungen auf den Bereich Marketing.

Sehen Sie diesbezüglich Veränderungspotenzial?

Ja, wir wollen nicht nur als Marketingorganisation wahrgenommen werden, sondern vermehrt eine Supportfunktion haben und ein Impulsgeber gegenüber den Leistungsträgern sein. Gerade in der Kommunikation und bei den Social Media haben einige Leistungsträger Nachholbedarf, denn die Hoteliers sind oft vom Tagesgeschäft so absorbiert, dass sie sich nicht vertieft mit der rasenden Entwicklung in diesen Bereichen auseinandersetzen können. Hier versuchen wir künftig, mit unseren Kompetenzen unsere Leistungsträger zu unterstützen. Wir gehen nicht mehr vom Giesskannenprinzip aus und versuchen, allen gleich viel zu geben. Vielmehr wollen wir als Impulsgeber auf Anfrage der Leistungsträger wirken. Sie verfolgen ihre eigene Strategie, und wir helfen punktuell mit einem Leistungsportfolio, in dem wir stark sind.

Sind bereits weitere konkrete Schritte geplant?

Am 31. Oktober organisieren wir erstmals wieder ein Forum, die «Tourismus Plattform Toggenburg», um die Leistungsträger zu informieren und zu einem gewissen Thema zu sensibilisieren. Unser Thema diesmal ist Gästeverblüffung. Wir versuchen durch Referate und einen Workshop aufzuzeigen, wie man einen Gast nicht nur befriedigen kann, sondern seine Erwartungen übertreffen kann, damit er sich wohlfühlt und wieder kommt.

In den letzten Monaten waren auch die Bergbahnen im Obertoggenburg immer wieder in den Medien. Inwiefern wird dies aus Ihrer Sicht touristische Folgen haben?

Zu den Bergbahnen kann und will ich im Moment nicht viel sagen. Es werden zurzeit Gespräche unter der Leitung der Gemeinde Wildhaus Alt St. Johann und Toggenburg Tourismus geführt, dazu wurde aber Stillschweigen vereinbart. Ich denke, der Gast von aussen nimmt das Thema nicht so sehr wahr, solange es ein gemeinsames Ticket gibt. Das ist noch in diesem und im nächsten Winter gesichert. Darum wird jetzt eine Lösung gesucht.

Sie werden nicht mit Anfragen von Gästen überhäuft?

Es gibt Anfragen bezüglich der Zukunft des gemeinsamen Wintertickets. Wenn wir sagen, dass dieses sicher noch zwei Winter lang gesichert ist, sind sie beruhigt.

Der Winter steht vor der Türe, was wünschen Sie sich dabei?

Ich wünsche mir weisse Weihnachten und viele zufriedene Gäste. In den vergangenen Jahren kam der Schnee schon im November und ging dann wieder, so dass es in der Hochsaison keinen oder wenig Schnee hatte. Wenn der Winter über Weihnachten und Neujahr da wäre, wäre das sehr schön, und es käme das richtige Feeling auf.

Inzwischen ist das Toggenburg ja touristisch gewappnet und bietet über die Endjahrestage auch Angebote ohne Schnee.

In den Köpfen sind Weihnachten und Neujahr noch immer mit Schnee verbunden. Im Toggenburg gibt es einige Angebote, wenn es keinen Schnee hat. Aber ich sehe an Weihnachten die Gäste lieber auf der Eisbahn als auf dem Bike. Noch schöner wäre es, wenn sie ebenfalls auf der Skipiste wären.

Was ist aus touristischer Sicht das Highlight dieses Winters?

Es gibt wiederum diverse Winterevents am Berg, wobei ich die neue Veranstaltung «Alles fahrt Schii» am 11. Februar 2018 beim Berggasthaus Oberdorf speziell erwähnen möchte. Dies ist ein Familientag mit einer interaktiven Geschichte und Kinderkonzerten, welcher auch an anderen Orten in der Schweiz stattfindet. Ebenfalls ein stetiges Highlight ist ein Besuch des Gipfelrestaurants Chäserrugg mit seinem Winter-Charme und den eindrücklichen Aussichten.