Zwischen Wünschen und Wischen

Der Walzenhauser Marco Comolli hatte eine zündende Idee. Nun setzt er sie um – zusammen mit Jörg Stiel. Mit dem Wish Chart wollen sie gemeinsam Seminarräume, Schulen, Hochschulen und Sitzungszimmer erobern.

Guido Berlinger-Bolt
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Jörg Stiel und Marco Comolli auf der Terrasse ihres Geschäftssitzes in Walzenhausen. (Bild: gbe)

Jörg Stiel und Marco Comolli auf der Terrasse ihres Geschäftssitzes in Walzenhausen. (Bild: gbe)

Walzenhausen. In praktisch jedem Schulzimmer, in jedem Seminarraum, in jedem Sitzungszimmer gibt es sie: die Flip-Chart-Tafeln. Marco Comolli kennt sich damit aus: Er hält Vorträge etwa an Lehrerfortbildungskursen. Und auch Jörg Stiel, ehemaliger Nati-Torhüter und lange beim FC St. Gallen und bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag, sagt: «Flip Charts stehen in jeder Kabine: Mannschaftsaufstellungen, den Gegner kennenlernen, Taktik – im Fussball wird sehr viel Theorie darauf demonstriert.

» Sein Geschäftspartner Marco Comolli sagt: «Mich hat es zunehmend gestresst, dass man mit diesem System so viel Papier verbraucht.» In der Tat: Ein Fehler und die ganze Skizze, die ganze Stichwortliste landet im Eimer. Jörg Stiel ergänzt: «Alle dachten, irgendwann werde es eine Alternative auf dem Markt geben – aber das dauert jetzt schon so lange.»

Alle Vorteile vereint

Eine (schlechte) Alternative zum Flip Chart heisst Whiteboard: Eine – wie es der Name schon sagt – weisse Tafel, die mit Filzstiften beschrieben und wie eine Wandtafel mit einem Lappen geputzt werden kann. Eine schlechte Alternative ist das Whiteboard deshalb, weil es für einen Transport in der Regel zu gross ist, Whiteboards müssen fest installiert sein; darüber hinaus seien sie sehr teuer, wie Marco Comolli anfügt.

Ihm ist es nun gelungen, je die Vorteile von Whiteboard und Flip Chart in einem neuen Produkt zu vereinen; er erfand das Wish Chart. Gemeinsam mit Jörg Stiel hat er eine Firma mit gleichem Namen gegründet und die Idee weiterentwickelt. Kürzlich präsentierten sie nun das Resultat. Wish Chart sind weisse Blätter im Format und mit der Stanzung von Flip Chart – sie können also in die herkömmlichen Rahmen eingespannt werden.

Die Innovation von Wish Chart besteht nun in einer speziellen Beschichtung der einzelnen Blätter; die Schrift darauf kann ausradiert werden; so können die Blätter immer wieder beschrieben werden. Mehr noch: Sie können mit einem Laserdrucker teilweise bedruckt werden, etwa mit Firmenlogos oder anderen grafischen Elementen. Die Handschrift mit Whiteboard-Marker kann ausradiert werden, der Laserdruck darauf hingegen ist beständig.

Schluss der Vergeudung

Bisher hätten Referenten bei Sitzungen, Vorträgen oder Weiterbildungen viel Papierausschuss produziert, so Comolli. Und Geld weggeworfen. Jörg Stiel: «Über die Menge der verbrauchten Papierbögen und über die Jahre kommt da einiges zusammen – Geld, das ja nicht einfach so auf der Strasse liegt.» Wenn es nach dem Willen von Jörg Stiel und Marco Comolli geht, werden wir bald Zeuge einer nicht kleinen Umwälzung in den Sitzungs- und Schulzimmern; die Vorteile

von Wish Chart liegen auf der Hand: Es ist mehrfach beschreibbar und steht damit für eine grössere Verantwortung im Umgang mit den natürlichen Ressourcen, es bietet mehr Effizienz in Meetings und Präsentationen und ist leicht transportierbar. Nur eines hat das Wish-Chart-Blatt mit den herkömmlichen Flip-Chart-Blättern gemeinsam: Beide können im Altpapier entsorgt werden. «Fachleute haben uns das grosse Potenzial dieser Erfindung mehrfach bestätigt», sagt Jörg Stiel.

Und Marco Comolli berichtet von den Erfahrungen der ersten Kundinnen und Kunden und sagt am Ende halb zum Scherz: «Eigentlich hält das Blatt fast zu lange.» Und dann im Ernst: «Das Wish Chart ist dem Flip Chart also nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht überlegen.» Stiel und Comolli wagen nun den Schritt auf den Markt: Zurzeit laufen verschiedene Gespräche mit nationalen und internationalen Papeterie-Vertriebsfirmen.

Bereits heute international

Ihr Projekt hat indessen bereits heute internationale Dimensionen angenommen: Hergestellt wird das Papier in Deutschland, in Thal wird es weiterverarbeitet, zugeschnitten, gestanzt und verpackt. Dabei gehe es gar nicht um die Herstellungskosten; Marco Comolli betont, sozial verantwortlich produzieren und handeln zu wollen. Aber: «Es gibt nur wenige Firmen, die in der Lage sind, die einzelnen Schritte auszuführen.»

Jörg Stiels und Marco Comollis Wish Chart GmbH liefert zehn Blatt beschichtetes Papier für 99 Franken. Ob das nicht zu teuer sei? – «Nein», antwortet Stiel. «Bereits wenn ein Blatt zehnmal beschrieben worden ist, hat es sich gelohnt.» Der speziellen Oberfläche der Wish-Chart-Blätter sei Dank. «Wünschen und Wischen», bringt es Marco Comolli zum Schluss auf den Punkt.

www.wishchart.com