Zwischen Politik und Tresen

Der Herisauer Ralf Menet hat sich einen langgehegten Traum erfüllt: Seit drei Wochen führt er seinen eigenen Gastronomiebetrieb. Abseits des Tresens engagiert Menet sich in der Politik, als SVP-Präsident und im Einwohnerrat.

Julia Nehmiz
Drucken
Teilen
Herausforderung und Eigenverantwortung – Ralf Menet in seiner Bar Lounge Zarafa. (Bild: miz)

Herausforderung und Eigenverantwortung – Ralf Menet in seiner Bar Lounge Zarafa. (Bild: miz)

HERISAU. Draussen zeigt sich der Sommer wieder einmal von seiner unfreundlichen Seite. Der Regen prasselt auf den Asphalt, trotz Schirm wird man nass. Doch drinnen im «Zarafa» erwartet einen ein gemütlicher Montagmorgen. Freundliche Musik, warmes Licht und ein aufgestellter Gastgeber: Ralf Menet. Am Eingang fasst der zum Schirmständer umfunktionierte Munitionskorb den nassen Regenschutz, ein Korb mit Gipfeli steht bereit, schwarze Ledersofas im hinteren Loungeteil der Bar laden zum Fläzen ein.

Vor drei Wochen hat sich Ralf Menet seinen Traum erfüllt: Der Herisauer führt seine eigene Bar, ist sein eigener Chef. «Der Start war sehr gut», sagt Menet, «jetzt sind wir in der Anlaufphase». An einer Wand im vorderen Teil soll noch eine Installation angebracht werden, mit einem Architekten zusammen will Menet überlegen, was man gegen den Hall unternehmen könne. Er habe bewusst nicht alles im Detail schlüsselfertig geplant, sagt Menet. Er wollte eröffnen und dann schauen, was es noch brauchen könnte.

Die Giraffe von Paris

Im neugebauten Metrohmpark im Zentrum von Herisau hat der 30-Jährige die passenden Räumlichkeiten für seine Bar Lounge gefunden. Am 1. Mai zügelte er von Zermatt nach Herisau, am 17. Mai war Eröffnung des «Zarafa». Wieso eigentlich «Zarafa»? Menet lacht, er habe im Internet nach «Sarafa» gegoogelt und wurde gefragt, «Meinten Sie <Zarafa>?». Er klickte das an und las «die zauberhafte Geschichte von der Giraffe Zarafa», die 1827 nach Paris gebracht wurde und dort 18 Jahre in den Jardins des Plantes lebte. «Ich habe die Geschichte einfach cool gefunden», sagt Menet.

14 Jahre quer durch die Schweiz

Ein eigenes Lokal ist ein Risiko. Doch Menet wollte es wagen. «Ich habe mir einen Ruck gegeben und gesagt, hei, jetzt probierst du's.»

Ralf Menet freut sich auf die Eigenverantwortung, die er nun trägt. Und auf die Herausforderung. Der gelernte Hotelier war 14 Jahre durch die Schweiz gezogen, hatte nach der Ausbildung an der Gastgewerblichen Fachschule in Chur in Flims, Laax, Arosa, Andeer, Interlaken, auf dem Bürgenstock, am Walensee, in Bern und auf dem Gornergrat gearbeitet. «Als Hotelier lebt man aus dem Koffer», sagt er. Nun freut er sich, wieder zu Hause zu sein. Noch wohnt er bei den Eltern, doch eine eigene Bleibe ist im Entstehen.

Pilot oder Bundesrat

Menet erzählt, dass er als 14-Jähriger in einer Schularbeit schrieb, er wolle Hotelier werden oder Pilot oder Bundesrat. «Vom Pilotendasein habe ich mich verabschiedet», sagt er lachend. Mittlerweile wende er sich wieder mehr der Politik zu. Mit 14 sei er in die SVP eingetreten, habe gerne am Freitag Abend «Arena» im Fernsehen geschaut.

Inzwischen ist er Präsident der Herisauer SVP, Mitglied des Herisauer Einwohnerrats und SVP-Fraktionspräsident im Herisauer Parlament. Möchte er denn noch Bundesrat werden? Menet lacht. «Eine politische Karriere ist nicht planbar», findet er. Politischer Erfolg sei von vielen Faktoren abhängig. «Ich mache das, solange es mir Spass macht.»

Zarafa, Oberdorfstrasse 64, Herisau geöffnet Mo–Fr, 9–24 Uhr, Sa 16–24 Uhr, So 9–12 Uhr

Bild: JULIA NEHMIZ

Bild: JULIA NEHMIZ

Aktuelle Nachrichten