Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Zwischen Plausch und Pflicht

Für die Totalrevision der Kantonsverfassung suchte der Regierungsrat Freiwillige. Diese sollen die Bevölkerung möglichst breit repräsentieren. Gefunden hat er sie schliesslich. Doch was ist deren Motivation?
Astrid Zysset
Der Kanton Appenzell Ausserrhoden erhält eine neue Verfassung. (Bild: Bilder: PD)

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden erhält eine neue Verfassung. (Bild: Bilder: PD)

An der Ausarbeitung der Totalrevision der Kantonsverfassung sind die Gemeinden, die Parteien sowie verschiedene Bevölkerungsgruppen beteiligt. Für letztere war der Kanton auf der Suche nach Freiwilligen. Diese sollten aus unterschiedlichen Bereichen des Lebens stammen. Zwölf Personen wurden schliesslich ausgewählt.

Eine davon ist Verena Studer aus Rehetobel. Ohne lange zu zögern, reichte sie ihre Bewerbung ein. Sie habe es einfach gemacht, sagt sie lächelnd. Es sei schliesslich ein spezielles Projekt. «Es interessiert mich, wie eine Verfassung zustande kommt, was, auf welche Art einfliesst. Und dass die Bürgerinnen und Bürger direkt mitreden können, finde ich bemerkenswert.» Alles, was den Kanton betrifft, habe sie schon immer fasziniert. Ausser zwölf Lehr- und Wanderjahre verbrachte sie ihr ganzes Leben in Ausserrhoden, fühlt sich hier zu Hause. Studer ist künstlerisch tätig, hauptberuflich arbeitet sie als Psychotherapeutin. Politisch ist sie noch kaum in Erscheinung getreten. Als Mitglied des Frauenforums Rehetobel habe sie Kandidatinnen für Gemeinderatswahlen portiert. Mehr jedoch nicht. Die Mitarbeit an der Verfassungsrevision sei daher etwas vollkommen anderes als ihr übliches Betätigungsfeld. «Ich bin pensioniert und habe Zeit und Kapazität. Ich freue mich darauf, etwas zu machen, was ich noch nie getan habe, und dass ich mich bei diesem spannenden Projekt einbringen kann.» Wird sie sich auf ihre Aufgabe vorbereiten? «Ich wüsste nicht, wie das gehen sollte. Aber vielleicht kommt mir ja noch eine Idee.»

Kurzerhand zur Teilnahme entschlossen

Einer, der schon zum zweiten Mal Mitglied einer Verfassungskommission wird, ist Werner Frischknecht aus Herisau. In den Jahren 1991 bis 1995 wirkte er an der damaligen Revision mit. Jene Arbeit habe er «in bester Erinnerung», sagt er. «Es wird spannend für mich, zu sehen, wo sich meine Sicht auf die Welt – jetzt, wo ich älter geworden bin – verändert hat.» Er zähle sich zwar noch nicht zum alten Eisen, das sich resigniert zeigt. «Aber mein Blick umspannt durch die Erfahrung heute einen grösseren Bogen, als es früher der Fall war.» Werner Frischknecht arbeitete viele Jahre als Geometer und als Lehrer, ist heute in verschiedenen Engagements von Freiwilligenarbeit und als Präsident der Stiftung Dorfbild Herisau aktiv. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden liege ihm am Herzen. «Es hat mich immerzu interessiert, was hier läuft.» Lange überlegen, ob er an der anstehenden Revision mitarbeiten möchte, musste er darum nicht. Der Entscheid sei spontan gefallen. Allerdings liess er ihn noch eine Woche «ruhen», bevor er sich tatsächlich anmeldete. Auf die Diskussionen innerhalb der Gruppe freue er sich. Insbesondere auf die «Aufbruchstimmung», die um sich greifen werde, wenn sich alle einbringen. «Mal schauen, bei welchem Thema es mich am meisten packt», sagt Frischknecht und lächelt.

Zulema Rickenbacher arbeitet als Gerichtsschreiberin am Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. «Für mich als Juristin ist die Revision spannend. Die Gelegenheit, an einer Verfassung, dem Grundstein unseres Rechtssystems mitzuwirken, erhält man schliesslich nicht alle Tage.» Darum war für sie auch schnell klar, dass sie sich um die Mitarbeit bewerben würde, obwohl die veranschlagten zwei Tage im Monat eine erhebliche zeitliche Belastung für die dreifache Mutter darstellen. Sie will das in Kauf nehmen. Und die Trognerin freut sich auch schon sehr auf die kommende Aufgabe. «Ich bin gespannt, wie alles ablaufen und wie die Zusammenarbeit mit den anderen werden wird.» Als Vorbereitung liest Rickenbacher derzeit die aktuelle Verfassung, vergleicht sie mit solchen aus Nachbarkantonen. Gewissenhaft will sie feststellen, wo Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten auftauchen. Denn: «Die Mitarbeit an der Revision ist für mich nicht einfach nur Plausch. Man arbeitet an einer Sache, die alle Mitbürgerinnen und Mitbürger betrifft.»

Die Mitarbeit an der Verfassungsrevision oder generell ein Engagement zu Gunsten des Gemeinwesens erachtet Jacqueline Bruderer aus Bühler als Pflicht jeder Bürgerin und jedes Bürgers. «Wir müssen doch dankbar sein, dass wir in einem demokratischen System leben dürfen», sagt sie. Bruderer arbeitet als Kirchenratsschreiberin bei der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell. Und dort hat sie es just ebenfalls mit einer Verfassungsrevision zu tun. Eine solche führt demnächst die Landeskirche durch. «Für mich wird es spannend, Vergleiche anzustellen. Auch Lösungsansätze und Argumentationen sind vielleicht dieselben.» Auf die Mitarbeit an beiden Revisionen freut sie sich sehr. Derzeit absolviert die Bühlerin zusätzlich noch einen Lehrgang zur Rechtsfachfrau. «Für mich ist die Verfassung unglaublich spannend. Sie beinhaltet alles, was direkt aus dem Leben gegriffen ist.» Bruderer schmökere in ihrer Freizeit häufig darin. Auch Wissenssendungen beispielsweise über das Majorz- und Proporzverfahren schaue sie sich regelmässig an, um sich ausreichend Vorkenntnisse anzueignen. Gespannt sei sie aber vor allem auf die Diskussionen rund um die Finanzen und die Strukturen. «Dabei geht es einerseits um die Fragen, was denn gerecht ist, oder wie das Zusammenwirken innerhalb der Gemeinden erörtert wird. Das wiederum eröffnet vielleicht neue Horizonte.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.