ZWILLINGSLEHRERINNEN IN MOSNANG: Die doppelte Frau Blumer

Im Schulhaus Dreien besteht Verwechslungsgefahr. Zwei Lehrerinnen unterrichten hier im Job-Sharing – es sind Zwillinge. Die Kinder haben sich schnell an diese nicht alltägliche Situation gewöhnt.

Martina Signer
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Zwillinge, die im Job-Sharing unterrichten, sind wahrscheinlich eher die Seltenheit. Nicole Blumer Gisler (links) und Sandra Blumer Keller beim Unterricht im Schulhaus Dreien, welches zur Schulgemeinde Mosnang gehört.

Zwillinge, die im Job-Sharing unterrichten, sind wahrscheinlich eher die Seltenheit. Nicole Blumer Gisler (links) und Sandra Blumer Keller beim Unterricht im Schulhaus Dreien, welches zur Schulgemeinde Mosnang gehört.

Frau N. Blumer und Frau S. Blumer sitzen in der Pause im Lehrerzimmer. So werden die Zwillingsschwestern von ihren Schülerinnen und Schüler genannt. Die beiden sind fast gleich und unterscheiden sich dennoch im Detail. Sie unterrichten seit dem Sommer die Kinder im Schulhaus Dreien.
 

Das sich die Zwillingslehrerinnen unterscheiden, haben auch die Kinder gemerkt, die zu Anfang des neuen Schuljahres schon etwas verblüfft waren ob der Ähnlichkeit der beiden. «Einen Schüler haben wir schon vor Schuljahresbeginn im Dorfladen getroffen», sagt Nicole Blumer Gisler und schmunzelt. Die Mutter des Jungen stellte ihm seine neue Lehrerin vor. Es war Sandra Blumer Keller. Als gleich darauf Nicole Blumer Gisler um die Ecke bog, wusste der Schüler gar nicht mehr, wohin er schauen sollte.
 

Wenn die richtige Frisur zur falschen Schwester gehört

Doch so einfach lassen sich die Kinder nun nicht mehr verwirren. Mit Adleraugen, so scheint es, haben sie die Schwestern unter die Lupe genommen. So sagt zum Beispiel Seraina: «Man sieht es an der Brille und an den Finken.» Stimmt, bei genauerem Hinschauen fällt auf, dass zwar beide eine Brille tragen, die eine aber schwarz und die andere türkis ist. Nicole sagt: «Frau S. Blumer hat ein Muttermal oberhalb des Auges.» Und Silvan fiel auf: «Die Ohrringe sind nicht gleich gross.»

Tamara nennt den offensichtlichsten Unterschied: Die Frisur. Eine trägt die Haare offen, die andere zückt jeden morgen das Haargummi für einen Pferdeschwanz. «Unter uns gesagt, es ist schon etwas langweilig, wenn ich jeden Tag mit der gleichen Frisur rumlaufen muss», gibt Sandra Blumer Keller zu. Einmal erlaubte sie sich deshalb einen Pferdeschwanz, der eigentlich ihre Schwester kennzeichnet. Im Hochsommer. Es sei einfach zu heiss gewesen, um die Locken offen zu tragen. «Doch den Kindern ist das sofort aufgefallen.»
 

Zur Schule gingen sie fast immer in getrennte Klassen

Und worin unterscheiden sich die Persönlichkeiten der beiden? «In vielen Bereichen denken wir ähnlich, unsere Wertvorstellung ist gleich. Das Wichtigste ist: Wir ergänzen uns im Alltag, das vereinfacht und verschönert unsere Zusammenarbeit. Sicherlich gibt es Unterschiede, diese sehen auch Menschen, welche uns sehr gut kennen. Auf jeden Fall wird man als Zwilling sehr stark von seinem Umfeld – zum Beispiel von der Familie – geprägt. Die Zwillinge teilen sich im Dreien den Unterricht bei den Unterstufenschülern. Die Kinder ihrer Klassen sind zwischen sechs und neun Jahren alt. Die eigenen sind schon älter. Beide haben drei Kinder. Im selben Alter: 18, 15 und 11.

Wie sah eigentlich die Schulzeit der Zwillinge aus? Haben sie ihre Lehrer ausgetrickst? Wurden sie häufig verwechselt? «Nein, eigentlich gar nicht. Denn wir gingen nur einige Monate in die gleiche Klasse», sagt Nicole Blumer Gisler. Die beiden haben einen Teil ihrer Schulzeit in Amerika verbracht. Dort wollte man die beiden nicht in der gleichen Klasse unterrichten. Zurück in der Schweiz, in Nieder- uzwil, versuchten es die Lehrer eine Zeit lang. Doch die Schule hat sich dazu entschlossen, keine Zwillinge in derselben Klasse zu führen.

Doch richtig getrennt, das sind die beiden eigentlich nie. Es gab nur zwei Perioden in ihrem Leben, in denen sie sich bewusst dazu entschieden haben, eine Zeit lang keinen Kontakt zu pflegen. «Das Leben als Zwilling ist zwar schön, aber nicht immer einfach. Man muss lernen, sich abzugrenzen. Die Probleme seiner Schwester nicht als eigene anzusehen», erklären die beiden ihren Entscheid. Das sei ihnen gelungen und heute seien sie froh, diesen Weg gewählt zu haben. «Wir sind uns immer noch ähnlich, doch unser privates Umfeld hat uns auch geprägt.» In der frühen Kindheit der beiden gab es für die Schwestern übrigens ein Hobby, das sie wohl an den Ort gebracht hat, wo sie heute sind. «Wir konnten stundenlang ‹Schülerlis› spielen.» Nie habe es einen anderen Berufswunsch als Lehrerin gegeben.

Und vor einiger Zeit kam der Wunsch auf, gemeinsam zu unterrichten. «Unseren 40. Geburtstag haben wir vor sechs Jahren in Mosnang, in der Taamühle gefeiert. Schon damals wussten wir, dass wir uns an diesem Ort wohl fühlen», sagt Nicole Blumer Gisler und ihre Schwester ergänzt, «Wir sind so glücklich hier. Die Kinder sind aufgestellt und bodenständig und die Eltern haben uns herzlich willkommen geheissen.»