Zweite Bahn auf Chäserrugg

UNTERWASSER. Seit rund einer Woche können Wintersportler nicht nur mit der Luftseilbahn auf über 2000 Meter über Meer fahren. Die Gondelbahn vom Espel über Stöfeli auf den Rücken ist nun offen.

Sabine Schmid
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Auf der elfminütigen Fahrt vom Espel über das Stöfeli auf den Chäserrugg scheinen die Passagiere in den 10er-Gondeln zu schweben. (Bild: Sabine Schmid)

Auf der elfminütigen Fahrt vom Espel über das Stöfeli auf den Chäserrugg scheinen die Passagiere in den 10er-Gondeln zu schweben. (Bild: Sabine Schmid)

Oftmals haben sich Wintersportler geärgert, weil sie an schönen Wintertagen lange warten mussten, um mit der Luftseilbahn auf den Chäserrugg zu fahren. Dies ist nun passé: Vom Espel führt eine 10er-Gondelbahn über das Stöfeli auf den Chäserrugg. «Wir hoffen, damit das Nadelöhr Iltios behoben zu haben und dass der Winterbetrieb flüssiger wird», sagt Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen AG gestern anlässlich der offiziellen Einweihung.

Hülle für die Bahn

Beim Bau der Gondelbahn haben die Verantwortlichen viel Rücksicht auf die Natur genommen. Die Stationen wurden ins bestehende Terrain eingebettet und so klein als möglich dimensioniert. Die Stationsgebäude, welche vom Architekturbüro Herzog & de Meuron geplant wurden, sind bewusst schlicht gehalten. «Wir haben die Formen und Farben von den Alpgebäuden in der Nähe übernommen», erklärt Christine Binswanger, Senior Partner bei Herzog & de Meuron. Die Stationen aus Eternit sind eine Hülle für die Bahn und schützen die technische Anlage gegen Wind und Wetter. Die Kommandohäuschen sind aus Holz gebaut. Sie dienen dem Anlagepersonal als Arbeitsplatz.

Herausragende Bergstation

In der Mittelstation Stöfeli ist die Garage für die 78 Gondeln integriert. Diese ist im Fels eingelassen, damit auch hier nur so viel Platz wie nötig beansprucht wird. «Von oben gesehen erinnert die Station an eine Strassengalerie», sagt Christine Binswanger. In der Mittelstation sind die Toiletten für die Bahnbenutzer und Wintersportler untergebracht. Die ganze Anlage ist übrigens hindernisfrei und kann auch mit einem Rollstuhl benutzt werden. Die Bergstation ist so gelegen, dass die Wintersportler über die Piste den Schlepplift auf den Chäserrugg nutzen können. «Wir haben den Standort der Bergstation so gelegt, dass die Anlage auch bei stärkerem Wind noch geöffnet sein kann», erklärt Mélanie Eppenberger. Mit dem Wind in dieser exponierten Lage erklärt sie auch die kleinere Einfahrtsöffnung, die an die Bergstation der Luftseilbahn erinnert. Bewusst ist der «Fussabdruck» des Gebäudes klein gehalten. Darum ragt das Gebäude aus dem Erdreich und der Raum unter der Bodenplatte kann als Garage für Pistenfahrzeuge genutzt werden.

Filigrane Kabinen

Die Gondeln entsprechen einem Standardtyp, sie sind ebenso in rot gestrichen wie die Standseilbahn und die Luftseilbahn. Auffallend ist, dass keine Werbung auf den Gondeln angebracht ist. «Wir wollen den Gast von permanenten optischen Störungen befreien», sagt Mélanie Eppenberger. Durch die grossen Scheiben erhalten die Passagiere einen schönen Ausblick auf die Natur, in welcher sich oft auch Gemsen aufhalten. Zudem, findet Christine Binswanger, bekomme man das Gefühl, als schwebe man durch die Lüfte.

Die Toggenburg Bergbahn AG hat sich mit dem Bau der Stöfeli-Bahn auch Gedanken zu einer Nutzung im Sommer gemacht. Es sei vorstellbar, diese auch für Wandertouristen zu öffnen. Weil die Sektionen Espel-Stöfeli und Stöfeli-Chäserrugg unabhängig voneinander betrieben werden können, wäre es auch möglich, im Sommer nur eine Sektion zu betreiben. Auf jeden Fall wird die Bahn als zweite richtungsweisende Etappe auf dem Weg zur Neupositionierung des Unternehmens am Markt für gepflegten, natur- und kulturnahen Tourismus gesehen.

Stehen hinter der neuen Bahn (von links): Michael Fischer, Christine Binswanger, Mélanie Eppenberger und Philipp Schaefle.

Stehen hinter der neuen Bahn (von links): Michael Fischer, Christine Binswanger, Mélanie Eppenberger und Philipp Schaefle.

Die Bergstation auf dem Chäserrugg steht windexponiert, darum lassen sich die Türen einfach schliessen.

Die Bergstation auf dem Chäserrugg steht windexponiert, darum lassen sich die Türen einfach schliessen.