Zweisitziger Kompaktschutzraum

Mit «Loriot – neu entdeckt» bot die Taff-Theaterproduktion am Freitag im Zeltainer eine Vorpremiere ihres neuen Programms. Die exklusive Möglichkeit nutzten zahlreiche Zuschauende von hüben wie drüben.

Michael Hug
Merken
Drucken
Teilen
Thomas Hassler und Ute Hoffmann gelang in «Loriot – neu entdeckt» eine geschickte Umsetzung von ausgesuchten Klassikern des Humoristen. (Bild: Michael Hug)

Thomas Hassler und Ute Hoffmann gelang in «Loriot – neu entdeckt» eine geschickte Umsetzung von ausgesuchten Klassikern des Humoristen. (Bild: Michael Hug)

UNTERWASSER. «Ich sitze hier, weil es mir Spass macht!» Doch dann eskaliert der Dialog, die Frau wirft ihrem sitzenden Gatten vor, sie anzuschreien – aber gerade darum schreit er. Es sind Szenen einer Ehe, wie sie so oder ähnlich tagtäglich vorkommen können. Das hat auch Vicco von Bülow alias Loriot einst schon scharf beobachtet und in Bühnenstücken, am Fernsehen oder in seinen berühmten Comic-Strips in Szene gesetzt.

«Der Feierabend», «Das Frühstücksei» – man hat sie noch gut im Gedächtnis, die «Szenen einer Ehe», wie sie im Übertitel hiessen: Rollenbilder aus dem Ehealltag von eingefahrenen Beziehungen, überspitzt in Szene gesetzt mit ausgewählten Dialogen, die nicht aus der Feder eines Drehbuchschreibers stammen, sondern aus dem realen Leben. An Loriots «Szenen einer Ehe» und weitere längst zum Kult gewordenen Sketche aus dem Fundus des gnadenlosen Beobachters wagte sich nun auch die Taff-Theaterproduktion von Ute Hoffmann aus Bad Ragaz.

Mit Wiedererkennungseffekt

Ein schwieriges Unterfangen, denn man kann Loriot nicht einfach kopieren, ohne in Gefahr zu laufen, ihn nachzuäffen. Hoffmann und ihr Bühnenpartner aus früheren Stücken, Thomas Hassler, verlegten sich denn auch auf die inhaltliche Umsetzung der Vorgaben des 2011 verstorbenen Satirikers. Zumal damit der Wiedererkennungseffekt gegeben war, denn wohl niemand unter den Zuschauenden im Zeltainer hat in den Achtzigerjahren nicht schon mal eine oder mehrere der Szenen am Fernsehen gesehen. Das Markenzeichen «Loriot» war dann wohl auch der Grund, warum ausnehmend viele Humortheaterfans aus dem Obertoggenburg und dem Rheintal diese Vorstellung nicht verpassen wollten. In der Erwartung des Publikums sollte «Loriot» drin sein, wenn «Loriot» draufsteht. Spielt es da eine Rolle, wer den Loriot aus der Verpackung holt? Sehr wohl lag der Erfolg der beinahe ausverkauften Vorpremiere (die Premiere zwei Tage später in Mels wird es bestimmt gewesen sein) auch daran, dass die Szenen von Ute Hoffmann und Thomas Hassler gespielt wurden. Zwei Schauspielende, deren Fähigkeiten man kennt, aus «Alte Liebe» oder «Gut gegen Nordwind». Unter der Regie von René Schnoz gelang den beiden eine geschickte Adaption der längst zu Klassikern gewordenen Gesellschaftsanalysen des norddeutschen Humoristen.

Nicht allzu viel ändern

Ebenso wie schon von Bülow seine Sketche für das Fernsehen inszeniert hat, mit wenig Stilmitteln und Kulissen, aber mit scharfem Fokus auf die Dialoge, setzten auch Hassler und Hofmann die Vorgaben um. Viele Kulissen kann man nicht schieben, wenn man zehn Kurzstücke aneinander hängt und zu einer Produktion macht. Da bieten sich Loriots Ehe- und andere Szenen geradezu an. Der «Kompaktschutzraum» wird innert Sekunden zum Zoofachgeschäft, das Fernsehstudio zur guten Stube. Der Ort des Spiels wird zur Nebensache, denn was zählt und trifft, sind die Inhalte, die Vicco von Bülow mit messerscharfer Beobachtungsgabe überspitzt geschrieben hat.