Zweiklassengesellschaft in der Oberstufe unerwünscht

LICHTENSTEIG. In Lichtensteig wurden bei einer Podiumsdiskussion Vor- und Nachteile der Initiative zur freien Schulwahl auf der Oberstufe gegeneinander abgewogen. Zwei Positionen waren besonders umstritten: Die Finanzierung und gleich lange Spiesse für staatliche und private Schulen.

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Diskutierten angeregt: Donat Ledergerber, Schulleiter Oberstufe Kirchberg; Karin Mettler, Leiterin SPD Lichtensteig; Norbert Stieger, Schulratspräsident Wattwil; Moderator Andreas Rhyner; Elisabeth Anderegg, Steiner Schulen St. Gallen; Bruno Sutter, Präsident CVP Lichtensteig; Yvonne Gilli, Nationalrätin Grüne (von links). (Bild: es)

Diskutierten angeregt: Donat Ledergerber, Schulleiter Oberstufe Kirchberg; Karin Mettler, Leiterin SPD Lichtensteig; Norbert Stieger, Schulratspräsident Wattwil; Moderator Andreas Rhyner; Elisabeth Anderegg, Steiner Schulen St. Gallen; Bruno Sutter, Präsident CVP Lichtensteig; Yvonne Gilli, Nationalrätin Grüne (von links). (Bild: es)

Im Saal der reformierten Kirche diskutierten am Mittwochabend unter der Leitung des Sozialpädagogen Andreas Rhyner Elisabeth Ander-egg, Leiterin Rudolf Steiner Schulen St. Gallen, Yvonne Gilli, Nationalrätin Grüne, Bruno Sutter, Präsident CVP Lichtensteig, auf der Befürworterseite. Karin Mettler, Schulpsychologischer Dienst Lichtensteig, Donat Ledergerber, Schulleiter Oberstufe Kirchberg, und Norbert Stieger, Schulratspräsident Wattwil, vertraten die Gegenargumente. Eingeladen zu dieser öffentlichen Podiumsveranstaltung hatte die Elternlobby.

Angebot soll sich entwickeln

Yvonne Gilli erinnerte daran, dass heute ein anderes Bildungsverständnis vorherrsche als noch vor ein paar Jahren. Aus langjähriger Erfahrung sei sie überzeugt, dass es unterschiedliche Projekte brauche und dass es sinnvoll sei, wenn die Eltern wählen könnten. Sie wünscht sich mehr Meinungsvielfalt und Offenheit für Veränderungen und weniger negative Sichtweisen.

Bruno Sutter brachte den Gedanken des Wettbewerbs ein und seine Überzeugung, dass allein die Möglichkeit zum Wechseln zur Entspannung beitragen würde. Weniger Angst vor Freiheit wäre nach ihm wünschenswert.

Auch Elisabeth Anderegg ist überzeugt, dass es in der freien Schweiz unterschiedliche Systeme geben muss. Sie sieht die Möglichkeit, dass auch Privatschulen frei gewählt werden können, als Ergänzung und als Entlastung für die staatlichen Schulen.

Finanziell nicht tragbar

Die Diskussionsgegner argumentierten, dass die Schulwahl auch mit der Annahme der Initiative nicht frei werde. Norbert Stieger meinte, allein die Struktur des Kantons lasse gleiche Chancen gar nicht zu. In die Diskussion mit einbezogen werden müssten auch die finanzielle Mehrbelastung und die personelle Situation.

Karin Mettler befürchtet, dass durch die freie Schulwahl eine Zweiklassengesellschaft entstehen könnte. Sie wünscht sich eine Schule für alle Kinder.

Donat Ledergerber fand es eigenartig, dass im Kanton St. Gallen die freie Schulwahl nur für die Oberstufe gelten soll. Er gehe davon aus, dass den Initianten von vornherein klar gewesen sei, dass eine generell freie Schulwahl nicht mehrheitsfähig sei. Bezüglich zusätzlichem Wettbewerb meinte er, Wettbewerb erzeuge immer auch Verlierer. Aus bildungspolitischer Sicht attestiert er bei Annahme der Vorlage verminderte Chancengleichheit. Eindeutig am meisten erregte die Diskussion über gleich lange Spiesse zwischen staatlichen und privaten Schulen die Gemüter der Anwesenden. Die Abstimmung über die kantonale Vorlage zur freien Schulwahl auf der Oberstufe findet am 13. Februar statt. (es)

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