Zwei «Urtoggenburger» vereinen

Das Toggenburg ist die Heimat der Schafenbirne. Einst wurden für den Schlorzifladen gedörrte Schafenbirnen verwendet. Heute gibt es nur noch wenige Bäume davon. Der Trägerverein Culinarium möchte dies ändern und erhält dabei Unterstützung von Bauern aus Bazenheid und Umgebung.

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Region/Bazenheid. Die Toggenburger sind stolz auf ihren Schlorzifladen. Er gilt als typische Spezialität der Churfirstenregion. Einst griffen die Hausfrauen für die Zubereitung der Schlorzi auf Birnen zurück, die in der Umgebung gewachsen sind und es ist anzunehmen, dass es meist Schafenbirnen waren. Das war einmal, denn heute stammen die Birnen längst nicht mehr aus dem Toggenburg und nur im besten Fall noch aus der Ostschweiz. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt darin, dass es hier kaum mehr Schafenbirnbäume gibt.

Einzig im unteren Toggenburg sind noch vereinzelte davon zu finden.

Genmaterial erhalten

Der Trägerverein Culinarium, der sich für Regionalität und Saisonalität in der Ernährung einsetzt, möchte den Rückgang dieser alten Obstsorte nicht hinnehmen, zumal es sich bei der Schafenbirne um eine äusserst schmackhafte Birne handelt. Sie mundet frisch ab Baum ebenso hervorragend, wie gedörrt. Beliebt ist auch der daraus gewonnene sortenreine Saft oder Edelbrand.

Um die Toggenburger Schafenbirne – und damit auch ihr Genmaterial erhalten zu können, wurde eine Gruppe von Bauern der Region Bazenheid an einer Informationsveranstaltung im März zum Anbau von Jungbäumen aufgerufen. Die Aktion, die neben dem Trägerverein Culinarium auch vom landwirtschaftlichen Zentrum des Kantons St. Gallen und von Slow Food unterstützt wird, stiess auf offene Ohren: Fünf Landwirte liessen sich zum Mitmachen motivieren und auch das landwirtschaftliche Zentrum wird am Standort Flawil Schafenbirnbäume anpflanzen.

Insgesamt wurden 50 Jungbäume (Hoch- und Niederstamm) bestellt. Mitte April konnten die ersten Bäumchen gesetzt werden, allerdings nur drei, da in den Baumschulen der Umgebung keine weiteren Jungbäume vorrätig waren. Die restlichen Bäume werden im kommenden Herbst geliefert. Die Ehre, den Startschuss zur Aktion «Wiederanbau der Schafenbirne» zu geben, kam Ernst Kamm zuteil. Stolz plazierte er die drei Jungbäume auf der Wiese unterhalb seiner Scheune an der Chrobüelstrasse.

Unterstützt wurde er von Martin Bolt, der für die Koordination unter den Produzenten verantwortlich ist. Auch er ist Landwirt, hat auf seinem Land zwei alte Schafenbirnbäume stehen und will diese im Herbst um fünf Jungbäume ergänzen.

Ziel «Premium»-Schlorzifladen

Ziel des Trägervereins Culinarium ist es einerseits, die Toggenburger Schafenbirne mit der Pflanzaktion in ihrem Ursprungsgebiet wieder heimisch zu machen. Anderseits soll die Schafenbirne aber auch für die Herstellung des Schlorzifladens genutzt werden.

Das Projekt «Schafenbirne und Schlorzifladen» – die Vereinigung von zwei «Urtoggenburgern» – steht allerdings erst am Anfang. Vorausgesetzt, die noch vorhandenen Bäume bringen auch eine entsprechende Ernte, soll im Herbst ein «Premium»-Schlorzifladen aus gedörrten Schafenbirnen produziert werden. Sowohl Ernst Kamm als auch Martin Bolt liegt der Erhalt der Schafenbirne am Herzen. «Es wäre jammerschade, wenn diese alte Obstsorte aussterben würde», sind sie sich einig.

In diesem Sinne hoffen beide, dass die Jungbäume im Chrobüel auch starke und gesunde Wurzeln schlagen werden. Auf dass die Toggenburger Schafenbirnen, wie einst unseren Grossmüttern, auch der kommenden Generationen als Grundlage für den Schlorzifladen dienen. (pd)