Zwei ungleiche Brüder

Seit ihrer Kindheit spielen Christoph und Thomas Heiniger Badminton. Trotz der gemeinsamen Leidenschaft könnten die beiden Brüder und NLA-Spieler von St. Gallen-Appenzell unterschiedlicher nicht sein.

Raya Badraun
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Der 24jährige Thomas Heiniger ist Doppel-Spezialist. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Der 24jährige Thomas Heiniger ist Doppel-Spezialist. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

BADMINTON. Die Heiniger-Brüder müssen sich immer wieder die gleiche Frage gefallen lassen: «Wer ist nun der bessere? Thomas oder Christoph?» Aus der Luft gegriffen ist diese Frage nicht, immerhin spielten beide von Kindesbeinen an Badminton und gehören heute dem Nationalkader und der NLA-Mannschaft von St. Gallen-Appenzell an. «Es kommt darauf an», sagt Christoph Heiniger jedoch. Denn so einfach, wie es scheint, ist es nicht. Thomas Heiniger, der mit seinem kräftigen Körper an einen Kurzstreckenläufer erinnert, ist Doppel-Spezialist, sein grosser, schlaksiger Bruder hingegen ein ausdauernder Einzel-Spieler. So gewinnen beide den Zweikampf – in ihrem Fach. Zu Juniorenzeiten war dies noch anders. Thomas Heiniger legte damals seinen Fokus auf das Einzel. Dass seine Leistungen schwankten, nervte ihn jedoch. So setzte er mit 18 Jahren probehalber stärker auf das Doppel. «Von Anfang an hat es mir gefallen», sagt der 24-Jährige, der in Bern Französisch studiert.

Schwieriger Wechsel nach Bern

Beim 28jährigen Christoph Heiniger war es umgekehrt. Als Junior lagen seine Stärken beim Doppel und im Mixed. Nach der Matura zog er dann nach Bern, um sich im Nationalkader sportlich weiterzuentwickeln – ein schwieriger Schritt. In St. Gallen besuchte er das Training, um seine Freunde zu treffen, Spass zu haben. In Bern hingegen war Heiniger der Jüngste und kannte kaum jemanden. Weil somit ein geeigneter Partner fehlte und aufgrund seiner Statur wechselte der Physikstudent schliesslich zum Einzel. Mit den Jahren lebte sich Christoph Heiniger besser in der Hauptstadt ein. Und als sein jüngerer Bruder die Matura beendet hatte, zog auch dieser in die Berner Wohngemeinschaft. Obwohl sie unterschiedlich sind, funktionierte das gut. So wird Christoph Heiniger von seinem Bruder als strukturiert beschrieben. «Er kann ein Problem auch einmal aus der Distanz betrachten», sagt Thomas Heiniger, der eher auf sein Bauchgefühl hört.

«Ein Dankeschön»

Dafür teilen die beiden Heiniger-Brüder die Freude am Badminton und die Treue für die BV St. Gallen-Appenzell. Obwohl sie seit ihrem Wegzug kaum mehr in St. Gallen trainieren, kommt für sie ein Wechsel nicht in Frage. «St. Gallen-Appenzell hat mich gross gemacht», sagt Christoph Heiniger. «Dass ich noch immer dort spiele, ist auch ein Dankeschön.» Ähnlich sieht es der jüngere Bruder, der höchstens ein Engagement im Ausland in Betracht ziehen würde. «Gegen mein Team anzutreten, könnte ich mir hingegen nicht vorstellen.» Dass die Brüder nicht mit St. Gallen-Appenzell trainieren, sehen sie nicht als Nachteil. «Das Doppel wird immer nach den gleichen Regeln gespielt», sagt Thomas Heiniger. Dies nützt den Brüdern auch im Hinblick auf die Schweizer Meisterschaft, die vom 29. Januar bis zum 1. Februar in La Chaux-de-Fonds stattfindet. Dort treten sie für einmal zusammen im Doppel an. Thomas Heiniger wird dabei am Netz das Spiel aufbauen, während Christoph von hinten angreift. Wer über den Sieg entscheidet, steht für ihn bereits fest. «Ob wir gewinnen, hängt ganz von Thomas ab», witzelt er.

Sein älterer Bruder Christoph konzentriert sich auf das Einzel. (Bild: Urs Bucher/Ralph Ribi)

Sein älterer Bruder Christoph konzentriert sich auf das Einzel. (Bild: Urs Bucher/Ralph Ribi)