Zwei Appenzeller Talente schnuppern Olympialuft

Ein Eishockeyaner aus Herisau und eine Freeskierin aus Gais starten an den Youth Olympic Games Lausanne 2020.

Jesko Calderara, Nadine Küng,
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Nach nur einjähriger Erfahrung darf Anouk Andraska bereits gross träumen – vom Europacup, der Weltspitze und Olympia.

Nach nur einjähriger Erfahrung darf Anouk Andraska bereits gross träumen – vom Europacup, der Weltspitze und Olympia.

Bild: PD

Mit dem Eishockeyspieler Rodwin Dionicio und der Freeskiierien Anouk Andraska nehmen zwei Sportler aus dem Appenzellerland an den Youth Olympic Games teil. Diese wurden am Donnerstagabend in Lausanne eröffnet und dauern bis zum 22. Januar.

Bester Verteidiger des Turniers

Dionicio war in den vergangenen Wochen viel unterwegs. So stand das 15-jährige Nachwuchstalent für seinen Verein SC Bern im Einsatz, war mit der U16-Nationalmanschaft in der Slowakei unterwegs, wo er zum besten Verteidiger des Turniers gewählt wurde, und bereitete sich mit dem Team in Romanshorn auf den anstehenden Wettkampf in der Westschweiz vor.

Rodwin Dionicio.

Rodwin Dionicio.

Bild: Erich Brassel

Die Vorfreude auf die Olympischen Jugend-Winterspiele ist bei Dionicio gross. Die Spiele gegen klingende Namen des Welteishockeys wie USA und Finnland sieht er als «grosse Herausforderung». Ein spezielles Erlebnis werde bestimmt die Atmosphäre bei der Schlusszeremonie werden.

Der Tagesablauf ist minutiös taktiert

Dionicio hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Im Sommer 2019 wechselte er zur U17-Elitemannschaft des SC Bern. Zuvor spielte er für den SC Herisau und zuletzt mit einer B-Lizenz für Rapperswil-Jona Lakers. Zudem gehört Dionicio zu den Absolventen der Sportlerschule Appenzellerland. Als die Anfrage aus der Bundesstadt kam, zögerte er nicht. Der Wechsel zum SCB bedeutete für den Teenager Auszug aus dem Elternhaus. In Bern lebt der Sohn dominikanischer Eltern bei einer Gastfamilie. Danebst besucht er die Oberstufe einer Sportschule. Dionicio beabsichtigt, im Sommer eine kaufmännische Ausbildung zu beginnen. Parallel zur Schule absolviert das Nachwuchstalent wöchentlich bis zu acht Trainingseinheiten auf dem Eis und im Kraftraum. Dadurch ist sein Tagesablauf minutiös taktiert.

Von jedem Verein profitiert

Weil der SCB finanzkräftiger ist als die Lakers, sind die Strukturen der Nachwuchsabteilung entsprechend einen Tick professioneller. So beschäftigt Bern mehrere vollamtliche Trainer und Betreuer für die Jugendteams. Trotzdem möchte Dionicio die Zeit am Zürichsee nicht missen. «Ohne die Lakers wäre der Schritt nach Bern nicht möglich gewesen», betont er. Letztlich hätten alle bisherigen Vereine einen grossen Anteil an seinen Erfolgen. Beim SC Bern möchte sich der junge Herisauer sportlich und persönlich entwickeln. Als weitere Ziele nennt er den Schweizermeister Titel und den Sprung in die U17-Nationalmannschaft.

Newcomerin startet durch

Anouk Andraska.

Anouk Andraska.

Bild: PD

Erst vor etwas mehr als einem Jahr hat Anouk Andraska aus Gais das Freeskiing für sich entdeckt. Ihr älterer Bruder, der den Sport als Hobby ausübt, habe sie überzeugt, es einmal zu probieren. Sie sei sofort begeistert gewesen. Im vergangenen Februar hat sie an ersten Wettkämpfen teilgenommen. Sie war von Anfang an erfolgreich und belegte mehrere Podestplätze. An den Schweizer Meisterschaften wurde sie im Slopestyle Zweite, im Big Air holte sie sich gar den Sieg.

Seit Sommer am Sportgymnasium

Seit dem Sommer besucht Andraska das Sportgymnasium in Engelberg im Kanton Obwalden. Das System dort komme ihr entgegen: «Ich profitiere davon, dass die Trainer direkt an der Schule sind. Ausserdem verbringe ich viel Zeit mit anderen Lernenden, die dasselbe machen wie ich.» Jeweils halbtags findet Unterricht statt. Die restliche Zeit wird fürs Training genutzt. In Engelberg lebt Andraska im Internat. «Dass ich nicht mehr bei meiner Familie wohne, war eine grosse Umstellung», sagt sie. Doch habe sie sich gut eingelebt und sei froh, sich für diese Schule entschieden zu haben.

Nun startet die 15-Jährige an den Olympischen Jugend-Winterspielen. Es sei eine grosse Chance für sie, dort ihr Können unter Beweis zu stellen.

«Ich freue mich darauf, neue Erfahrungen im Contestbereich zu sammeln. Für mich ist es eine Ehre, dass ich Teil dieses Grossanlasses sein darf»

sagt die Gaiserin. Besonders schön sei auch, dass die diesjährigen Spiele «zu Hause» stattfinden. «Natürlich ist mein Ziel, zu gewinnen. Mir ist aber wichtig, dass der Erfolg nicht im Vordergrund steht», so Andraska. Viel mehr bedeute es ihr, Freude an ihrem Sport zu haben.

Traum vom Weltcup und den X-Games

Anouk Andraska konzentriert sich in erster Linie auf den Augenblick, strebt in Zukunft aber auch höhere Ziele an: «Ich möchte möglichst bald regelmässig im Europacup starten, dort erfolgreich sein und mich entwickeln.» Längerfristig erhofft sie sich gute Resultate im Weltcup und träumt von Medaillen an den X-Games oder Olympischen Spielen. Sie wünscht sich, dass das Freeskiing an Popularität gewinnt. «Die relativ neue Sportart ist noch ziemlich unbekannt, vor allem bei den Frauen. Das finde ich schade, denn sie ist spannend anzusehen und bereitet viel Spass.

Die Qualifikation und die Finalläufe im Slopestyle der Frauen werden am 18. Januar ausgetragen. Die Wettkämpfe in der Halfpipe finden am 20. Januar statt. Wettkampfstätte ist Leysin. Das Eishockeynationalteam trifft am 19. Januar in der Lausanne Skating Aréna auf die USA und tags darauf auf Finnland. Die Halbfinals sind am 21. Januar und die Medaillenspiele am Schlusstag.