Zwei Spielplätze – zwei Wege

Die öffentlichen Spielplätze in St. Peterzell und Brunnadern weisen Sicherheitsmängel auf. Nun gilt es, die Finanzierung einer Neugestaltung zu sichern. Dafür ist in St. Peterzell die Stimmbürgerschaft gefragt, in Brunnadern benötigt man Sponsorengelder.

Nadine Rydzyk
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NECKERTAL. Die Spielplätze stehen im Eigentum der jeweiligen Schulgemeinden. Bei beiden Anlagen wurden nach einer Sicherheitsüberprüfung durch die Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu grössere Sicherheitsmängel aufgezeigt. In St. Peterzell entsprechen die meisten Spielgeräte nicht mehr den aktuellen Standards und mussten entfernt oder gesperrt werden. Die Gefahrenkarte verlangt zudem Schutzmassnahmen und mehr Abstand zum durchfliessenden Dorfbach. Der für den Spielplatz zuständige Schulrat hat deshalb eine Arbeitsgruppe zur Projektausarbeitung ins Leben gerufen. «Diese nimmt ihre Arbeit demnächst auf. Es ist geplant, dass Kinder, Eltern, Lehrpersonen und die Bevölkerung die Möglichkeit erhalten, an der Gestaltung mitzuwirken. Als Berater wollen wir einen erfahrenen Spielplatzbauer engagieren, der naturnahe Spielplätze realisiert», erläutert Werner Raschle, Präsident der Schule Oberes Neckertal.

Finanzierungsfragen

In die Jahre gekommen ist analog auch der beim Kindergarten gelegene Spielplatz in Brunnadern. Hier ergab eine Kontrolle der bfu im Herbst 2012 ebenfalls, dass die meisten Spielgeräte aus Sicherheitsgründen ersetzt werden müssen. Eine als gefährlich eingestufte Rutschbahn wurde daraufhin ersatzlos entfernt. Eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger um Claudia Scherrer und Eveline Spirig hat daraufhin im vergangenen Jahr eine ehrenamtliche IG Spielplatz Brunnadern gegründet. Der neue Spielplatz soll Raum für Bewegung und Kreativität bieten. Als Treffpunkt für die Eltern und zum Essen soll es eine Tisch-Bank-Kombination geben.

Die IG umfasst mittlerweile 14 Mitglieder und holte eine entsprechende Offerte zur Neugestaltung des Spielplatzes ein, die Kosten von 55 000 Franken ergab. Schul- und Politische Gemeinde werden sich mit insgesamt 30 500 Franken daran beteiligen, sofern die IG den Restbetrag zusammenbringt. Nachdem diese mehrere Stiftungen und Unternehmen angeschrieben hat, können bereits erste positive Rückmeldungen verbucht und für über ein Drittel der verbleibenden 25 000 Franken Zusagen erwirkt werden, wie sich Eveline Spirig freuen darf. Mit dem kalkulierten Betrag von 55 000 Franken bewegt man sich am unteren Ende der Möglichkeiten.

Dies bestätigt auch die Kosteneinschätzung von Werner Raschle für den Spielplatz in St. Peterzell: «Gemäss den Erfahrungen aus vergleichbaren Anlagen muss mit 140 000 Franken gerechnet werden. Wir amortisieren diesen Betrag über zehn Jahre, so dass jährlich 14 000 Franken in die Rechnung fallen», rechnet er vor.

Spielplatz als Standortfaktor

Auch in Brunnadern ist die Finanzierungshürde trotz geringerer Kosten zunächst zu nehmen, damit der Spielplatz überhaupt neu gestaltet werden kann. «Wir würden uns freuen, wenn sich auch noch einige lokale Unternehmen finanziell engagieren und somit auch auf der Sponsorentafel erscheinen würden», so Eveline Spirig. «Zu einem attraktiven Dorf gehört schliesslich auch ein öffentlicher Spielplatz.» Die IG Spielplatz Brunnadern hat es sich zum Ziel gesetzt, mit dem Bau des Spielplatzes in diesem Frühling zu beginnen. Davon geht man auch seitens des Schulrates aus, wie Christian Roth vom Schulrat Neckertal erklärt. Denn das zugesprochene Geld von der Schulgemeinde, wie auch von der Politischen Gemeinde, ist an das Konzept gebunden, welches die IG vorgelegt hat. Da man aber einen Spielplatz für durchaus wichtig hält, wäre es auch denkbar, wenn eine schlankere Version des geplanten Projektes umgesetzt würde, so Christian Roth. Die Politische Gemeinde hat bereits im November 2013 im Rahmen des Budgets über den Finanzbeitrag entschieden, «und die Mehrheit der Bevölkerung steht hinter dem Projekt», erklärt Gemeindepräsidentin Vreni Wild. «Ein Spielplatz ist für uns als Gemeinde nicht zuletzt auch ein positiver Standortfaktor.»

Für das weitere Vorgehen beim Spielplatz in St. Peterzell werden die Entscheide der Schulbürgerversammlung vom 27. März entscheidend sein, wenn über einen entsprechenden Kredit abgestimmt werden wird. «Sofern die Bürgerschaft den Kredit bewilligt, ist der Planungsstart nach den Frühlingsferien. Vor den Sommerferien soll die Planung abgeschlossen sein, so dass im Herbst gebaut werden kann», fasst Werner Raschle zusammen. Bis alles im neuen und vor allem sicherheitskonformen Glanz erstrahlt, müssen die Kinder in St. Peterzell aber nicht auf den Spielplatz verzichten. Dieser ist weiterhin zugänglich und benutzbar. «Wir haben einfach sämtliche unzumutbaren Spielgeräte abmontiert», erklärt Werner Raschle. Zudem bietet die Natur noch zahlreiche Spielmöglichkeiten, wie Raschle weiss: «Die Natur ist der grösste Spielplatz, den wir besonders im Neckertal noch haben.» Doch ebenso ist ihm bewusst: «Unser Projekt ist dennoch nötig, weil die Kinder auf dem Schulareal einen Spielplatz benötigen und dieser auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt ist. Zudem kommt es schlecht an, wenn wir uns als familienfreundliche Gegend präsentieren wollen, trotzdem aber keinen Spielplatz finanzieren würden. Unser Schulrat bekennt sich dazu, die Attraktivität unserer Region dort zu fördern, wo er mit den gegebenen Rahmenbedingungen in einem sinnvollen Rahmen die Möglichkeiten dazu hat.» Diese Meinung teilen auch Claudia Scherrer und Eveline Spirig: «Das ist genau der Grund, wieso wir uns in einer IG engagieren.»