Zwei Künstler namens Grässli

WERDENBERG. In der Galerie L33 fand kürzlich die Vernissage zur Ausstellung zweier Künstler statt, die beide Grässli heissen, Vater und Sohn, und doch unterschiedlich sind – sich jedoch in ihrem Schaffen ergänzen.

Heidy Beyeler
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Die Stimmung auf sich wirken lassen und den Alltag beiseite schieben, das drängt sich an der Ausstellung von Walter und Michael Grässli auf. (Bild: Heidy Beyeler)

Die Stimmung auf sich wirken lassen und den Alltag beiseite schieben, das drängt sich an der Ausstellung von Walter und Michael Grässli auf. (Bild: Heidy Beyeler)

Derzeit können die Exponate von Michael und Walter Grässli jeweils nachmittags in der Galerie L33 in Werdenberg bewundert werden. Eigentlich sollte man gar nicht viele Worte vergeuden, um über die Ausstellung etwas zu sagen. Es gibt in diesem Fall einen Satz: «Gehe hin und lass die Werke auf dich einwirken.» Beim Eintreten in den Raum der Ausstellung scheint es, als ob dieser Raum einst für diese Ausstellung geschaffen wurde.

Unterschiede als Ergänzung

Aber dennoch gibt es über die beiden Grässlis etwas zu sagen bzw. zu schreiben. Walter, der Vater, ist Werdenberger und lebt in Wattwil, wo sein Sohn Michael aufgewachsen ist – in einem Haus der Künste. Walter wird häufig als Farbmagier bezeichnet. Farben waren schon immer sein Thema. Angefangen hat er als Flachmaler. Farben haben ihn geprägt, und die Kunst hat ihn wohl getrieben. Der Weg zum Kunstmaler verlief auf Umwegen. Sein Traum, an der Ecole des Beaux Arts zu studieren, ging in Erfüllung. Später lehrte er an der Kantonsschule Wattwil.

Michael Grässli, der Sohn, profitierte von den Erfahrungen und dem Wissen seines Vaters. «Ich habe eine sehr gute Grundlagenausbildung in Sachen Malen von meinem Vater vermittelt bekommen», sagte er gegenüber der Zeitung anlässlich der Vernissage.

Unbestritten ist, dass Michael im Künstlerhause Grässli eine gut fundierte Ausbildung bekommen hat, aber seinen eigenen Weg beschreiten konnte – hin zu seiner eigenen Ausdrucksform.

Die Exponate der beiden Künstler sind unterschiedlich – ergänzen sich aber auf eindrückliche Weise. Das kommt vor allem in den Räumlichkeiten der Galerie L33 sehr stark zum Tragen.

Werke erzeugen Spannung

Die farbigen Bilder, die Walter Grässli Punkt für Punkt erarbeitet, und die dynamischen Kompositionen von Michaels grossformatigen Bildern strahlen eine energiegeladene Atmosphäre aus, die fasziniert. Die Bilder lassen bei den Besuchern eine gewisse Ruhe und Harmonie aufkommen, die zum Verweilen verführen. Da sein, die Stimmung auf sich einwirken lassen und den Alltag für eine Weile beiseite schieben, das ist während der Grässli-Ausstellung möglich, die bis zum 1. November in der Galerie L33 dauert. Die Vernissage am vergangenen Wochenende war für alle Beteiligten ein Erfolg. Die Besucher erfuhren etwas mehr über den Werdegang der beiden Künstler Walter und Michael Grässli.

Nicht ohne Schlenker

Nina Grässli, Tochter von Walter und Schwester von Michael, ist ebenfalls künstlerisch tätig im Bereich «tragbare coole Mode im Strickdesign kreieren». Sie plauderte anlässlich ihrer Laudatio aus dem familiären Nähkästchen. Dabei erfuhren die Vernissagegäste, dass der Weg für beide nicht ohne Schlenker verlaufen ist, und gerade das hat sie bestimmt in der künstlerischen Entwicklung entsprechend geprägt.

Als erfolgreich darf man die Ausstellungseröffnung deshalb bezeichnen, weil an diesem einen Sonntagmittag gleich sieben oder acht Bilder einen neuen Besitzer gefunden haben.