Zwei Kaufinteressenten für Elektra

Der Vorstand der Elektra Hemberg informierte seine Genossenschafter über den möglichen Verkauf des regionalen Elektrizitätswerks. Zwei Kaufinteressenten sind die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) und die Thurwerke AG.

Urs M. Hemm
Drucken
Teilen
Auch der externe Berater Romano Zgraggen empfiehlt den Genossenschaftern unter den gegebenen Umständen den Verkauf der Elektra Hemberg. (Bilder: Urs M. Hemm)

Auch der externe Berater Romano Zgraggen empfiehlt den Genossenschaftern unter den gegebenen Umständen den Verkauf der Elektra Hemberg. (Bilder: Urs M. Hemm)

HEMBERG. An der diesjährigen Hauptversammlung der Elektra Hemberg hatten die Genossenschafter ihrem Vorstand den Auftrag erteilt, Möglichkeiten zu prüfen, wie sich die Elektra künftigen Herausforderungen – insbesondere der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 2018 – stellen will. «Wir sind zum Schluss gekommen», sagte Vizepräsident David Sourlier, «dass der Verkauf der Elektra Hemberg zum Wohle unserer Kunden die beste Lösung unter den derzeitigen Voraussetzungen ist.» Zwei potenzielle Käufer sind an der Elektra Hemberg interessiert: die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) und die Thurwerke AG, Wattwil. Vertreter dieser beiden Stromanbieter erhielten an einer Informationsveranstaltung vom Mittwochabend die Gelegenheit, den rund 20 anwesenden Genossenschaftern ihre Offerten zu präsentieren. Der Entscheid über einen allfälligen Verkauf und somit über die Auflösung der Genossenschaft wird am 23. September an einer ausserordentlichen Generalversammlung gefällt. Falls dem Verkauf zugestimmt wird, haben die Genossenschafter zudem zu entscheiden, an welchen der beiden Interessenten die Elektra Hemberg gehen soll.

Nicht mehr konkurrenzfähig

Zuvor jedoch legte David Sourlier den Genossenschaftern die Gründe dar, die den Vorstand zum Verkaufsentscheid bewogen hatten. Zunehmende regulatorische Anforderungen, sich rasant entwickelnde Technologien und veränderte Anforderungen der Stromkunden würden es für kleine Elektrizitätswerke immer schwieriger machen, ihren Aufgaben mit vertretbarem Aufwand gerecht zu werden, sagte er. «Bereits jetzt ist die Elektra Hemberg im Vergleich zu den anderen Anbietern um 15 bis 20 Prozent teurer», rechnete Sourlier vor. In Anbetracht dieser Entwicklungen und angesichts der Tatsache, dass die Elektra im Milizsystem geführt werde, müssten immer mehr Aufgaben extern vergeben werden, was automatisch zu höheren Kosten und somit zu geringerem Profit führen würde. «Des Weiteren erwarten wir auf das Jahr 2018 die vollständige Liberalisierung des Strommarktes, was die Konkurrenzfähigkeit der Elektra zusätzlich in Frage stellt.» Zudem werde es immer schwieriger, Vorstandsmitglieder zu finden, die sich dieser komplexen und zeitintensiven Aufgabe annehmen würden. Für einen Verkauf spreche ausserdem der Zeitpunkt. «Der erzielbare Verkaufserlös für die Elektra wird unter anderem wegen tieferer Margen in Zukunft eher sinken», sagte David Sourlier. Zudem sei anzunehmen, dass sich kleinere Kraftwerke vermehrt auch zu einem solchen Schritt entscheiden würden, was den Preis zusätzlich drücken würde.

Unter diesen Voraussetzungen hätten sie vier Varianten geprüft: den Status quo, ein Fremd-EW mit der operativen Betriebsführung zu beauftragen, den Verkauf zum maximalen Preis, beispielsweise an eine Pensionskasse oder den Verkauf an ein Nachbar-EW – die Variante, welche der Vorstand favorisiere, erläuterte David Sourlier.

Verkauf ja, aber an wen?

Romano Zgraggen von der gleichnamigen Consultingfirma beurteilte als externer Berater ebenfalls die Situation der Elektra Hemberg und kam zum selben Schluss wie deren Vorstand. Unterstützung beim Verkaufsentscheid bekommt der Elektra-Vorstand zudem von der Politischen Gemeinde Hemberg, wie Gemeindepräsident Walter Fischbacher ausführte.

Schliesslich stellten Alex Hollenstein, Geschäftsführer der Thurwerke AG, und Vitus Müller, Leiter Regionalnetze und Betrieb SAK, jeweils unter Ausschluss des anderen Interessenten ihre Betriebe vor und unterbreiteten ihre Angebote. Beide Repräsentanten hoben ihre regionale Verankerung und die Möglichkeit, Synergien zu nutzen, hervor. Ebenfalls betonten sie den guten Zustand der Anlagen und Leitungen des Netzes der Elektra Hemberg. Die Höhe der Angebote bewegt sich sowohl bei der SAK wie auch bei der Thurwerke AG im unteren, siebenstelligen Bereich.

Mit dem Verkaufserlös möchte der Vorstand der Elektra bestehende Schulden zurückzahlen und mit dem übrigen Betrag allenfalls einen Fonds äufnen, der die Nutzung alternativer Energien unterstützt. An einer spontan durchgeführten Konsultativabstimmung sprachen sich alle anwesenden Genossenschafter für den Verkauf der Elektra Hemberg aus. Über einen Favoriten bezüglich des Verkaufs wurde nicht befunden.

Alex Hollenstein Geschäftsführer Thurwerke AG, Wattwil

Alex Hollenstein Geschäftsführer Thurwerke AG, Wattwil

Vitus Müller, Leiter Regionalnetze und Betrieb St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke (SAK)

Vitus Müller, Leiter Regionalnetze und Betrieb St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke (SAK)

David Sourlier Vizepräsident, Genossenschaft Elektra Hemberg

David Sourlier Vizepräsident, Genossenschaft Elektra Hemberg