Zwei Junge wollen das Stadtpräsidium in Lichtensteig

Für das Stadtpräsidium von Lichtensteig bewerben sich zwei Kandidaten: Mathias Müller und Stefan Rosenblum. Im Interview nehmen sie Stellung zu aktuellen politischen Fragen im Städtli: Energie, Verkehr, Steuerfuss, Fusion mit Wattwil, Kulturförderung, Unterstützung des Gewerbes.

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Wie haben Sie den Wahlkampf bisher erlebt?

Stefan Rosenblum: Sehr positiv. Ich wurde fast überall mit offenen Armen empfangen und spürte eine Aufbruchstimmung bei meinen Gesprächen.

Gibt es zwischen Ihnen und Mathias Müller keinen Kampf?

Stefan Rosenblum: Einen Kampf hat es nicht gegeben. Das ist auch nicht das Ziel. Ich will nicht kämpfen, sondern mich positiv darstellen. Die Leute sollen uns beide kennen lernen und denjenigen wählen, welchen sie als geeigneter empfinden.

Wie empfindet Mathias Müller den bisherigen Wahlkampf?

Mathias Müller: Als sehr fair. Die Menschen in Lichtensteig sind sehr offen. Im Städtli kennen mich schon viele Menschen. Zudem habe ich mich allen Lichtensteigern in einem Brief vorgestellt und gehe in den Quartieren von Haus zu Haus und lerne so viele neue Menschen kennen.

Sie gehen also auf Klingeltour?

Mathias Müller: Genau. Ich gehe von Haus zu Haus und stelle mich den Personen vor.

Stefan Rosenblum: Haben die Leute dann nicht gesagt, da sei schon mal einer vorbei gekommen? Denn dasselbe mache ich auch seit zwei Monaten.

Wie reagieren die Leute auf solche spontanen Besuche?

Stefan Rosenblum: Sie sind überrascht, reagieren aber positiv. Solche Hausbesuche sind für einen Wahlkampf für ein Stadtpräsidium eher ungewöhnlich. Die Menschen schätzen das Interesse aber sehr.

Werden Sie dann zum Kaffee eingeladen?

Mathias Müller: Ja, das kommt immer wieder vor. Die meisten kennen mich ja bereits und fragen dann Konkretes zur Gemeindepolitik oder zu meiner Person, durchaus auch mal kritisch.

Was ist die kritischste Frage, die Ihnen gestellt worden ist?

Stefan Rosenblum: Wirklich kritische Fragen sind mir nicht gestellt worden. Es dominiert eine sehr positive Stimmung. Manchmal muss ich falsche Gerüchte über mich korrigieren.

Zum Beispiel?

Stefan Rosenblum: Es wird das Gerücht verbreitet, ich hätte mich auch für Stellen in der Toggenburger Privatwirtschaft beworben. Das stimmt aber nicht. Ich bewerbe mich nur für das Amt des Lichtensteiger Stadtpräsidenten. Immer wieder wird auch bei mir das Thema 40-Prozent-Pensum angesprochen. Einen zusätzlichen Job werde ich mir erst nach der Wahl suchen.

Was ist die kritischste Frage, die Mathias Müller gestellt worden ist?

Mathias Müller: Viele wollen wissen, was ich neben den 40 Prozent Stadtpräsidium machen werde. Da habe ich eine klare Antwort: Ich werde Verwaltungsaufgaben übernehmen. Das ist eine gute Kombination, denn so bin ich immer im Rathaus anwesend und ansprechbar. Hinzu kommt: Gerade bei kleineren Gemeinden sollte der Stadtpräsident auch bei Verwaltungsfragen eine Ahnung haben. Die Führung der Gemeinde wird dadurch wesentlich einfacher. Und wenn zum Beispiel ein Gemeindeangestellter die Stelle wechselt, geht so nicht allzu viel Wissen verloren. So gesehen habe ich gegenüber Stefan Rosenblum einen Vorteil, weil ich in praktisch allen Verwaltungsaufgaben sattelfest bin und helfen kann, Probleme zu lösen.

Diese Verwaltungserfahrung fehlt Stefan Rosenblum. Der Entscheid des Lichtensteiger Gemeinderates, das Pensum des Stadtpräsidenten auf 40 Prozent zu reduzieren, soll aber eine klare Trennung von Verwaltung und strategischer Führung herbeiführen. Kann man Stadtpräsident sein ohne vertiefte Kenntnisse der Verwaltung?

Stefan Rosenblum: Da spielt Lichtensteig sicher eine Vorreiterrolle. Ich komme aus der Privatwirtschaft, bringe viel Führungserfahrung mit und passe so gut in das Profil. Das Stadtpräsidium ist in Lichtensteig ausdrücklich nicht als Verwaltungsjob definiert, sondern als Aufgabe der politisch-strategischen Führung. Da bringe ich zehn Jahre Erfahrung mit, unter anderem sechs Jahre als Stadtparlamentarier in St. Gallen. Mit mir kauft man keine Katze im Sack. Und ich biete den Vorteil, dass ich dann nicht auch noch mein eigener Chef bin, wenn ich Stadtpräsident und Verwaltungsangestellter wäre.

Gehen wir in die Sachpolitik. Wann wird Lichtensteig mit Wattwil fusionieren?

Mathias Müller: Diese Frage wird man angehen, kann sie aber noch nicht beantworten. Die relevanten Fakten kennt man schlicht noch nicht. Die detaillierten Gespräche mit Wattwil wurden verschoben, weil in Lichtensteig ein Wechsel im Stadtpräsidium ansteht.

Sie sind doch schon seit acht Jahren in Lichtensteig und haben selbst noch keine klare Meinung?

Mathias Müller: Eine detaillierte Auslegeordnung gibt es einfach noch nicht. Es gibt ja auch nicht nur Fusion oder Nichtfusion, sondern auch andere Zusammenarbeitsformen, wie sie sich heute zum Beispiel bereits bei der Feuerwehr bewährt hat. Wichtig ist, dass ein solcher Zusammenschluss in der Bevölkerung gewachsen ist.

Kann man zuwarten mit der Fusion?

Stefan Rosenblum: Ich höre, dass Wattwil und Lichtensteig schon in einigen Bereichen zusammenarbeiten. Fusion ist bloss eine mögliche Organisationsform. Mir geht es nicht um eine Fusion um jeden Preis. Zuerst soll das Ziel klar sein. Wo macht eine Zusammenarbeit Sinn? Und erst nachher soll über das Mittel, sprich die Organisationsform, gesprochen werden. Die Fusion ist nur eine Möglichkeit. Die Aufgabe des neuen Stadtpräsidenten wird sein, diese Gespräche wieder aufzunehmen. Beim grössten Ausgabenposten, der Schule, hat es sich leider auseinander entwickelt, weil Lichtensteig die Einheitsgemeinde eingeführt hat, Wattwil hingegen nicht.

Fusionen bringen in aller Regel durch die Kantonsbeiträge und die Senkung der Verwaltungskosten einen niedrigeren Steuerfuss…

Mathias Müller: Verwaltungskosten können nicht den Ausschlag geben für den Entscheid für eine Fusion. Bedeutender ist zum Beispiel die Frage der Zonenpläne. Durch die Zusammenlegung von Industrie- und Gewerbezonen sowie Bauzonen kann man nämlich die Standortentwicklung einer fusionierten Gemeinde deutlich verbessern. Man darf nicht vergessen, dass Lichtensteig finanziell gut da steht. Es besteht also keine Dringlichkeit für eine schnelle Fusion. Wichtig ist hingegen, dass man die Finanzen im Griff hat und die Infrastruktur auf dem neusten Stand hat.

Kürzlich wurde wegen mangelndem Interesse bei Privaten das Scheitern des Lichtensteiger Fernwärmenetzes bekannt, was von der Thurcom und von den Behörden in Lichtensteig bedauert wurde. Kann man das Thema nachhaltige Energieversorgung fallen lassen?

Mathias Müller: Nein, das ist ein sehr wichtiges Thema, bei dem man Nachholbedarf hat. Das Fernwärmenetz ist zwar gescheitert, es gibt aber immer noch etliche Interessenten für Heizungserneuerungen. Nun muss man prüfen, inwiefern diese in kleinerem Rahmen ein Fernwärmenetz realisieren können. Die Gemeinde selbst hat ebenfalls ein Bedürfnis. Wir müssen die Heizungen im Schulareal, in der Krone, im Rathaus und im Polizeigebäude erneuern. Zudem will ich in den nächsten vier Jahren zusammen mit dem Energietal Toggenburg ein Energiekonzept für Lichtensteig erstellen, für die Abklärung des Potenzials.

Stefan Rosenblum: Die Antwort von Mathias Müller tönt so, dass zwar ein Projekt gescheitert ist, man jetzt aber ein kleineres, ähnliches Projekt erzwingen will.

Mathias Müller: Ich muss das korrigieren. Die politische Gemeinde will nichts erzwingen, es sind Bedürfnisse von Grundeigentümern, die an uns herangetragen wurden.

Stefan Rosenblum: Für das Fernwärmenetz hat sich fast nur die politische Gemeinde ausgesprochen. Nur wenige private Grundeigentümer haben Verträge unterschrieben. Da hat man entweder am Bürger vorbei geplant oder schlecht kommuniziert. Ich habe schon Kontakt mit Thomas Grob vom Energietal gehabt. Man muss erstmal auf Feld eins zurück gehen und schauen, wo man am sinnvollsten Energie einsparen kann.

Was soll Lichtensteig für erneuerbare Energie tun?

Mathias Müller: Man darf das Thema «erneuerbare Energie» nicht auf die Altstadt beschränken. In den Aussenquartieren ist noch Potenzial vorhanden. Man könnte zum Beispiel prüfen, wo Förderungen möglich sind. Zum Beispiel bei der Aktion «Heisswasser vom Dach.»

Stefan Rosenblum: Man muss prüfen, wo der Hebel am grössten ist. Das soll eine Studie des Energietals zeigen. Man könnte prüfen, wie man im Bereich Mobilität Spareffekte erzielt.

Mathias Müller: Man könnte prüfen, ob die Gemeinde am Bahnhof Lichtensteig, der weit vom Städtli weg ist, E-Bikes zur Verfügung stellen kann, oder zumindest eine Ladestation installiert wird.

Demnächst wird ein Städtlimanager für zwei Jahre gewählt. Eine Chance oder Geldverschwendung?

Stefan Rosenblum: Eine Riesenchance. Der Städtlimanager soll die Vernetzung im Städtli fördern, die Erneuerung bestehender Angebote fördern, neue Anlässe auf die Beine stellen und so mehr Besucher nach Lichtensteig holen.

Mathias Müller: Das Projekt Städtlimanager ist tatsächlich eine riesige Chance. Die Idee ist schon lange in den Köpfen der Kulturanbieter. Der Städtlimanager soll Gesamtpakete schnüren. Gruppen, die ein Museum besuchen, sollen möglichst noch andere Kulturangebote nutzen, Apéros oder Mittagessen gehören dazu, vielleicht noch eine Führung in der Spezialitätenkäserei. Insgesamt soll ein Mehrwert erzeugt werden. Es geht um die Kultur, aber vor allem auch um das Gewerbe.

Stefan Rosenblum: In den zwei Jahren muss der Städtlimanager beweisen, dass er diesen Mehrwert generiert. Er muss deshalb im Marketing Aufbauarbeit leisten. Telefonate für Buchungen kann dann auch die Gemeindeverwaltung erledigen.

Mathias Müller: Die Gemeindeverwaltung macht jetzt schon einiges: So führt sie zum Beispiel die Buchhaltung der Städtli-Bibliothek und erleichtert so deren Arbeit.

Wie kann der Steuerfuss dauerhaft tief gehalten werden?

Stefan Rosenblum: Die Gemeinde soll sich auf die Kernkompetenz konzentrieren.

Macht die Gemeinde jetzt zu viel?

Stefan Rosenblum: Man muss prüfen, ob die Gemeinde Liegenschaften halten soll. Ich bin zwar nicht für den Ausverkauf der Gemeinde. Beim Postgebäude hätte man aber bessere Kostentransparenz bieten müssen. Denn dort stimmt die Ertragsseite nicht.

Mathias Müller: Die Sanierung des Postgebäudes war zwar keine Kernaufgabe der Gemeinde, aber ein Bürgerentscheid. Es ging einfach mal darum, das Gebäude zu sanieren. Lange waren dort nicht vermietbare Wohnungen drin, in denen Sozialhilfebezüger und Asylbewerber untergebracht wurden. Die Gemeinde muss ein Stück weit Vorbild sein und ihre Liegenschaften auf Vordermann bringen.

Wie hält man den Steuerfuss tief?

Mathias Müller: Lichtensteig ist eine attraktive und finanziell gesunde Gemeinde. Man muss erstens das tun, was die Bürger wollen. Zweitens eine effiziente und kostengünstige Verwaltung führen, das machen wir jetzt schon. Und man muss eine solide Planung für den Erhalt der Infrastruktur machen.

Stefan Rosenblum: Als Stadtpräsident muss man vorausschauen. Weltwirtschaftlich gesehen wird man sich eher aufs Sparen einstellen. Man muss Investitionen immer kritisch anschauen.

Sind die Verkehrsfragen in Lichtensteig gelöst?

Mathias Müller: Das muss man frühzeitig mit der Bevölkerung diskutieren. Es ist ja nicht so, dass alle Verkehrsfragen gelöst wären. Man darf sich nicht nur auf die Altstadt konzentrieren. So wird in der Stegrüti demnächst eine neue Erschliessung realisiert, die vor allem dem Quartier in der Oberplatten zugute kommt. Wenn in den Quartieren Bedürfnisse zum Beispiel nach Verkehrsberuhigungen, Trottoirs, Fussgängerstreifen angemeldet werden, kann man diese natürlich aufnehmen. Es geht auch um Strassenraumgestaltung. Zum Beispiel wird der Goldene Boden bald zum Thema.

Haben Sie eine Idee für den Goldenen Boden, Herr Rosenblum?

Stefan Rosenblum: Meines Erachtens sind in Lichtensteig drei Verkehrsbereiche anzuschauen. Erstens der Verkehr in den Wohnquartieren.

Braucht es dort Tempo 30?

Stefan Rosenblum: Nicht zwingend. Meistens funktioniert es von selbst, weil die Strassen Sackgassen sind und die Anwohner Rücksicht nehmen. Ein zweiter Bereich ist die Kernzone der Altstadt. Diese soll belebt werden, möglichst verkehrsberuhigt. Auf den Goldenen Boden komme ich gleich. Dritter Bereich ist die Anbindung an den übergeordneten Verkehr. Dieser ist über die Jahre verbessert worden. Zum Thema wird sicher der Fussgängersteg über die Bahnbrücke. Dort soll man mit Fahrräder oder E-Bikes gut fahren können.

Mathias Müller: Für diesen Steg laufen die Planungen bereits, inklusive Rampe zur Steigstrasse.

Der Goldene Boden ist ein ewiges Thema. Was soll dort realisiert werden?

Stefan Rosenblum: Es ist ein anspruchsvolles Projekt. Denn einerseits ist er der einzige grössere Platz im Städtli, den man entsprechend nutzen soll, zum Beispiel die Jazztage. Die Infrastruktur müsste dort verbessert werden. Mindestens eine öffentliche Toilette und eventuell Wasser- und Stromanschlüsse müsste es auf dem Goldenen Boden geben. Ich könnte mir temporäre Überdachungen vorstellen, mobiles Mobiliar oder auch Bäume, die man temporär in grossen Töpfen hinstellt.

Mathias Müller: Der Goldene Boden ist eine grosse Chance und ein Projekt, das ich zusammen mit den Bewohnern und den Vereinen angehen werde. Der Interessenkonflikt liegt auf der Hand. Zum einen ist der Goldene Boden ein Wohnquartier, anderseits ein öffentlicher Platz, der für Veranstaltungen benutzt werden soll. Ich sehe auch vor allem mobile Einrichtungen und Gestaltungen auf dem Goldenen Boden. Von Bewohnerseite gibt es die gute Idee, den Anbau des Rathauses zurück zu bauen und dort die öffentlichen Toiletten zu realisieren.

Werden Sie die Tradition der Quartiergespräche weiterführen?

Mathias Müller: Diese Rundgänge in den Quartieren sind eine sehr gute Sache. Sie haben sich bewährt. Der Gemeinderat kommt so in direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern, die Gelegenheit haben, ihre Anliegen vorzubringen. So entstehen interessante Sachen, auch kleinere Dinge wie eine zusätzliche Strassenlampe. Manchmal haben die Leute eine Hemmschwelle, um mit diesen Anliegen ins Rathaus zu kommen. Ich werde diese Gespräche in irgend einer Form weiterführen und solche Gespräche auch mit dem Gewerbe aufnehmen. Das hat bisher noch gefehlt.

Stefan Rosenblum: Es ist wichtig, dass Gespräche zwischen den Bürgern und dem Gemeinderat stattfinden. Ich glaube, dass es in erster Linie eine Einstellungssache von Seiten des Gemeinderates und des Stadtpräsidenten ist. Wenn der Bürger den Eindruck hat, dass die Mauern zu hoch sind, wird er nicht ins Rathaus kommen. Wenn der Stadtpräsident ein offenes Ohr hat und auf die Leute zugeht, dann sprudeln die Informationen auch so. Ob die Quartiergespräche weiter geführt werden, entscheidet der Gemeinderat.

Wie kann der Stadtpräsident das Gewerbe fördern?

Mathias Müller: Wichtig ist, dass die Dienstleistungen der Verwaltung stimmen.

Zum Beispiel?

Mathias Müller: Ein kleines Beispiel ist der Sonntagsverkauf. Da verzichtet die Gemeindeverwaltung im Sinne einer Förderung des Gewerbes auf eine Bearbeitungsgebühr. Es geht aber auch im Grösseren um die Belebung des Städtlis. Man muss Anlässe in Lichtensteig, die Kultur und den Tourismus fördern. Das Gewerbe und die Detaillisten profitieren sehr stark von unseren Kulturanlässen.

Stefan Rosenblum: Ich setze den Hebel an, wo es am meisten bringt. Bewilligungsverfahren müssen schnell und liberal sein. Ich will den Gewerblern keine Steine in den Weg legen.

Wird das denn jetzt in Lichtensteig gemacht?

Stefan Rosenblum: Ja. Dass man Ladenbesitzern auf dem öffentlichen Boden bestimmte Möblierung für Gartenbeizen oder beim Verkauf auf der Gasse verbietet, finde ich peinlich.

Mathias Müller, falls Sie die Wahl verlieren, bleiben Sie dann trotzdem in Lichtensteig?

Mathias Müller: Ich habe mich in den letzten zehn Jahren mit vielen Ausbildungen und praktischer Erfahrung auf eine Führungsaufgabe in der Gemeinde vorbereitet. Derzeit leite ich die Lichtensteiger Gemeindeverwaltung und die Gemeindebetriebe und schliesse an der Hochschule Luzern mein Studium im Bereich Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung ab. Für mich ist die Zeit reif für den Schritt von der Verwaltung in die Führungsfunktion einer Gemeinde.

Das kann auch in einer anderen Gemeinde sein?

Mathias Müller: Ich will Stadtpräsident von Lichtensteig werden. Diese Gemeinde kenne ich gut, sie hat viel Potenzial und liegt mir sehr am Herzen.

Und wenn Stefan Rosenblum Stadtpräsident werden sollte, werden Sie in Lichtensteig bleiben?

Mathias Müller: Das entscheide ich nach der Wahl.

Frage umgekehrt an Stefan Rosenblum: Falls Sie Stadtpräsident werden sollten, möchten Sie Mathias Müller behalten?

Stefan Rosenblum: Auf jeden Fall. Diese Frage habe ich mir schon lange gestellt. Ich habe Mathias Müller kennen und schätzen gelernt. Ich würde mich freuen, mit Mathias Müller als Verwaltungschef ein Team zu bilden.

Wie findet Stefan Rosenblum mit der CVP wieder ins Gespräch?

Stefan Rosenblum: Von meiner Seite aus habe ich das Gespräch nicht abgebrochen und bin auf die Partei zugegangen. Ich werde von einer breiten Basis der CVP unterstützt. Nach der Wahl werde ich mit allen konstruktiven Gruppen in der Gemeinde das Gespräch suchen.

Was ist Ihr politischer Rückhalt in Lichtensteig?

Mathias Müller: Ich bin sehr gut in der Bevölkerung von Lichtensteig verankert. Das ist mein Rückhalt. Ich bleibe allerdings parteilos.

Ist die parteipolitische Abstützung nicht wichtig?

Mathias Müller: Auf der Gemeindeebene geht es um die Sachebene. Für den Stadtpräsidenten ist es wichtig, regelmässige Kontakte zu allen Parteien zu pflegen, damit man die Projekte austauscht und sie sich auch an der Umsetzung beteiligen. Dann spielt die eigene Parteizugehörigkeit keine Rolle mehr.

Stefan Rosenblum: Ich habe mir politisch einen Namen gemacht. Sonst wäre ich nie für dieses Amt angefragt worden. Ich bin zwar CVP-Mitglied, bin aber von einem überparteilichen Komitee in einem Auswahlverfahren nominiert worden. Das spricht sicher für mich. Ich werde nicht wie Mathias Müller nur von einer Partei unterstützt.

Mathias Müller: Die Unterstützung durch die CVP ist mir viel Wert. Aber ich betone, dass meine Kandidatur eine Einzelkandidatur ist. Auch mein Wahlkomitee ist parteipolitisch sehr breit abgestützt.

Interview: Hansruedi Kugler