Zwei Herzen mit Liebe zum Sport

NESSLAU. Nicole Frei und Janick Lieberherr versuchen, in unterschiedlichen Sportarten gemeinsam an die internationale Spitze zu kommen. Die bisherigen Erfolge lassen beide Toggenburger auf einen nächsten Karrierenschritt hoffen.

Urs Huwyler
Drucken
Teilen
Gehen privat und sportlich den gleichen Weg: Die momentan verletzte Nicole Frei und Janick Lieberherr. (Bild: Urs Huwyler)

Gehen privat und sportlich den gleichen Weg: Die momentan verletzte Nicole Frei und Janick Lieberherr. (Bild: Urs Huwyler)

Seit Sommer 2012 leben die Krummenauerin Nicole Frei und Janick Lieberherr aus Ebnat-Kappel partnerschaftlich zusammen in Nesslau. Theoretisch könnte es sich dabei um eine Interessen-Wohngemeinschaft handeln, weil beide sportliche Ambitionen hegen. Doch praktisch spielen die Alpin-Ski und das Downhill-Bike im Duett die zweite Geige.

Kennengelernt haben sich die beiden Turtel-Sportler vor Jahren als Zuschauer am Wildhauser Saugumpe. Janick Lieberherr gehörte schon damals zu den hoffnungsvollsten zweirädrigen Sommer-Abfahrern. Junioren-WM, Weltcup, Siege und Podestplätze an internationalen und nationalen Rennen, der inzwischen 22jährige Automechaniker gab von seinem Vater Köbi gecoacht ohne Rücksicht auf Verluste abwärts immer Vollgas.

Frau gegen Frau

Gleichzeitig carvte und kurvte die ein Jahr jüngere Nicole Frei beim SC Krummenau und der TG Wolzen als Alpine um die Slalom-Stangen und durch blaue und rote Riesenslalom-Tore. Doch irgendwann hatte die Kundenberaterin einer regionalen Bank genug und zog eine Rennpause ein. Zwar bestritt sie im – noch nicht ganz zu Ende gegangenen Winter – einige OSSV-Rennen, aber die neue sportliche Liebe gehörte in der Saison 2012/13 dem Ski-Cross.

Mit dem Sieg in der Gesamtwertung der Audi Skicross-Tour von Swiss Ski setzte Nicole Frei als Quereinsteigerin einen ersten Eckpfeiler. Künftig versucht sie sich über den Europacup weiter nach oben zu kämpfen. In den einzelnen sogenannten «Heats» (Läufen) rasen nach der Qualifikation (System Einzelzeitfahren) jeweils vier Konkurrentinnen «Frau gegen Frau» auf der Strecke mit Sprüngen, Wellen und Steilwandkurven nach unten. Zwei erreichen die nächste Runde, die Verliererinnen dürfen packen. «Ich finde diese Art von Skirennen wegen der Überholmanöver spannender, spektakulärer und attraktiver», erklärt Nicole Frei den Disziplinenwechsel.

Verletzungsserie

Möglichst rasch von oben nach unten zu kommen lautet die Devise auch für Janick Lieberherr, um den es zuletzt ziemlich ruhig wurde. Was in Anbetracht einer Schulterverletzung, einem Handbruch und einem Kreuzbandriss nicht erstaunt. «Seit einigen Wochen kann ich wieder trainieren», strömt der Radartist beim Treffen in einem Fitnessstudio in Wattwil Optimismus aus. Er befährt kein Neuland, sondern kennt die Szene und die Konkurrenz. Verletzungspausen gehören in diesem Sport fast schon dazu.

Nun humpelt allerdings seine Freundin durch die Gegend. Nach dem Rennen in Arosa – und vor der Schweizer Meisterschaft am Ostermontag – zog sie sich eine Innenbandverletzung im Knie zu. Damit wäre der Beweis erbracht, dass Downhill-Biken und Skicross gefährlich sind. Widersprechen mögen sie beide nicht, sondern bestätigen lachend, dass es am Start nur «Pokal oder Spital» gebe. Wer zurückstecke, habe verloren. Fairerweise sollte angefügt werden: Sie zog sich die Verletzung nach dem Wettkampf zu, er rutschte zu Fuss unglücklich aus. Also nichts mit Abflug in die Fangnetze.

Ideale Kombination

Die Love-Story erweckt fast den Eindruck von «Toggenburg sucht das Sportlerpaar» oder «Wer sind Tiger Woods und Lindsey Vonn? Wir haben Nicole und Janick». Beide suchen den Erfolg, und müssen ihre Beruf-/Sport-Situation (100-Prozent-Job) überdenken. «Unser Vorteil besteht darin, dass wir uns gegenseitig unterstützen können. Endet eine Saison, beginnt die andere. Wir sind dadurch oft zusammen unterwegs», sprechen die zwei mit einer Stimme.

Janick Lieberherr und Nicole Frei werden nach Möglichkeit ihren eigenen gemeinsamen Weg gehen und wollen durch Leistung und nicht irgendeinen Kaderstatus brillieren. Trainieren werden sie primär Elemente und nicht Läufe. Er wird daneben zum Hobby-Ski-Crosser, sie zur Bikerin. «Ich kann beispielsweise bei der Linienwahl von Janicks Erfahrung profitieren», freut sich Cross-Nicole. Bike-Janick war schon letzte Saison als Einzelfahrer unterwegs. Daran wird sich nichts ändern. Nicole Frei wird im gleichen Rahmen mitziehen.

Aktuelle Nachrichten