Zwei Gewinner, ein Verlierer

Die Wochen der Entscheidungen sind vorüber, die Freudengesänge verhallt und allfällige Nachwehen verarbeitet – die Fussballsaison 2012/13 brachte einmal mehr das ganze Spektrum, vom ersehnten Aufstiegsjubel bis zum Schock.

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Der Moment, der die Anspannung beim FC Wattwil Bunt löste: B-Junior Raphael Bollhalder (Mitte) jubelt nach dem Treffer zum 1:0 gegen Tobel-Affeltrangen. Mit ihm freuen sich Ciro Marino (9) und Roman Kipfer. (Bild: Walter Züst)

Der Moment, der die Anspannung beim FC Wattwil Bunt löste: B-Junior Raphael Bollhalder (Mitte) jubelt nach dem Treffer zum 1:0 gegen Tobel-Affeltrangen. Mit ihm freuen sich Ciro Marino (9) und Roman Kipfer. (Bild: Walter Züst)

Allzu viel hat sich in der Toggenburger Fussballszene nicht verändert, dies und jenes verdient es aber doch, in einer Gesamtbetrachtung herausgepickt zu werden. Die bitterste Pille musste in Kirchberg geschluckt werden, die ganz grosse Erlösung nach drei knapp gescheiterten Anläufen gab es beim FC Neckertal-Degersheim und fast unerträglich war die Spannung, bis auch beim FC Ebnat-Kappel über den Aufstieg in die 3. Liga gejubelt werden konnte.

Bazenheid nach wie vor Nr. 1

Als Nummer eins im Dreieck Ebnat-Kappel – Degersheim – Kirchberg behauptete sich auch ein Jahr nach der Relegation aus der 2. Liga Interregional der FC Bazenheid. Der Vizemeister der 2.-Liga-Gruppe 2 liess den bis zuletzt um den Ligaerhalt zitternden FC Wattwil Bunt um sieben Plätze beziehungsweise 18 Punkte hinter sich. Deutlich entspannter erlebten die Bütschwiler Fussballer eine Liga tiefer das Saisonfinale. Ganz im Gegensatz zu Gruppengegner Kirchberg, bei dem in der Rückrunde viel Ungemach zusammenkam. Ein Freistoss-Gegentor in der Nachspielzeit der vorletzten Partie beraubte die Sonnmättler aller Chancen, am letzten Spieltag mit einem Sieg in Flawil den Abstieg noch abwenden zu können. Für den FC Kirchberg der «blanke Schock», nach fünf Jahren in der 3. Liga und zuvor ebenso vielen Jahren in der 2. Liga.

Zwei Aufsteiger, ein Absteiger

In der Bilanz heisst dies: Der FC Bazenheid und der FC Wattwil Bunt vertreten die Region weiter in der höchsten regionalen Spielklasse, der FC Bütschwil bekommt es in der 3. Liga neu mit dem FC Ebnat-Kappel und dem FC Neckertal-Degersheim zu tun und Kirchbergs Fanionteam hat in der 4. Liga einen neuen Anlauf zu nehmen; mit Bazenheid II, Bütschwil II, Wattwil Bunt II und Ebnat-Kappel II als mögliche Mitkonkurrenten. Eine positive Seite haben die Auf- und Abstiegs-Entscheidungen allemal: Es wird noch mehr Derbys und damit eine Belebung der regionalen Szene geben.

Wattwil in extremis gerettet

Extrem spannend machte es der FC Wattwil Bunt. Nach Wochen im «Wellental der Gefühle» mit dem klaren Sieg in Wängi, den bemerkenswerten Punktgewinnen gegen die beiden Tabellenersten Amriswil und Bazenheid und den kapitalen Aussetzern gegen Mitkonkurrenten läuteten nach der viertletzten Runde alle Alarmglocken: Niederlage in Weinfelden und Absturz auf den letzten Tabellenplatz. Viele glaubten da wohl nicht mehr an eine Rettung, nicht aber die Akteure selber. Das Romer/Simsek-Team rückte näher zusammen, holte sich in der starken Juniorenabteilung frische Kräfte und stellte sich der Herausforderung, unbedingt gewinnen zu müssen. Gegen Tobel-Affeltrangen reichten der eine Treffer von B-Junior Raphael Bollhalder und etwas Glück zum geforderten Sieg, im Derby mit der U20-Auswahl des FC Wil gelang vier Tage später das fast perfekte Spiel. Die Platzherren waren taktisch hervorragend eingestellt, überzeugten mit einer tadellosen Teamleistung und vermochten auch die entscheidenden Nadelstiche zu setzen: Raphael Bollhalder sorgte für das 1:0, Ciro Marino gelang nur drei Minuten nach dem Ausgleich der Gäste der 2:1-Siegtreffer. Die Vorgabe war erfüllt und damit die Grundlage geschaffen, sich im letzten Spiel gegen den FC Herisau den Ligaerhalt aus eigener Kraft zu sichern. Ein Unentschieden hätte da mit Sicherheit gereicht, doch da waren ja auch noch die Strafpunkte. Konkret: Die Wattwiler konnten sich eine Niederlage leisten, nicht aber mehr als zwei Verwarnungen, um in der Endabrechnung vor den Appenzellern plaziert zu sein. So war das Bemühen auf Seiten der Platzherren allgegenwärtig, die Grenzen der Fairness ja nicht auszureizen.

Die Rechnung ging auf, mit nur einer gelben Karte war der Klassenerhalt geschafft. Nicht geplant war allerdings, dass die Saison mit einer Niederlage enden würde. Man hatte sich bereits mit dem 1:1 abgefunden, als den Herisauern in der letzten Nachspielminute noch der enthusiastisch gefeierte Siegtreffer gelang. Bei einem Remis hätte der langjährige Erstligist den Gang in die 3. Liga antreten müssen. So hatte neben dem FC Weinfelden-Bürglen auch der stark in die Saison gestartete Neuling FC Tobel-Affeltrangen in den sauren Apfel zu beissen.

Bütschwils Remis-Spezialisten

Weniger Sorgen gab es beim FC Bütschwil. Mit der Tabellenspitze kam das Breite-Team nie in Kontakt, und mit dem ominösen zweiten Strich hatten sich in der Schlussphase andere Teams abzuplagen. Rang fünf bewies einmal mehr die 3.-Liga-Tauglichkeit des FCB – seriös, aber nicht überragend. In einem Punkt übertrafen die Bütschwiler nicht nur alle anderen 47 Teams der 3. Liga, sondern auch die 24 Vertreter der 2. Liga: Mit ihren neun Unentschieden. Dazu beigetragen hat sicher auch Torhüter-Legende Roli Wäspe, der dem Team in seiner letzten Saison noch einmal ein grosser Rückhalt war. Mit ihm verabschiedete sich im Saisonschluss-Spiel auch Spielertrainer Agim Nushi. Der Verein reagierte auf den Rücktritt des Teamchefs und setzte in der Nachfolgeregelung auf bewährte Kräfte: Hansueli Gerig und Patrick Bernet. Die beiden Einheimischen übernehmen die Verantwortung der ersten Mannschaft am 2. Juli als gleichberechtigtes Duo.

Willkommen in der 3. Liga

Die Glanzlichter leuchteten diesmal in der 4. Liga, genauer gesagt in Degersheim und Ebnat-Kappel. Der FC Neckertal-Degersheim führte die Gruppe 6 der 4. Liga über die ganze Saison an und schaffte den langersehnten Aufstieg nach drei zweiten Plätzen in Serie auf eindrückliche Art. Etwas umständlicher gestaltete sich die Rückkehr des FC Ebnat-Kappel in die Drittklassigkeit: Nach der knappen 2:3-Heimniederlage im stimmungsvollen Spitzenkampf gegen Uznach war am letzten Spieltag Schützenhilfe des FC Gossau nötig (3:3 in Zuzwil), um über den Weg des besten Gruppenzweiten den Sprung nach oben zu schaffen. Etwas Glück war zuletzt also auch dabei, mit der vierthöchsten Punktzahl aller 88 Viert-Liga-Teams und dem imponierenden Torverhältnis von 80:22 aber durchaus verdient. Was für ein Abschluss der Saison 2012/13 beim FC Ebnat-Kappel. Vor zwei Jahren gehörten sowohl die erste als auch die zweite Mannschaft als Absteiger zu den Verlierern, nun haben gleich beide Teams den Aufstieg geschafft. Wenig fehlte und es hätte gar zum Triple gereicht: Die 3:5-Niederlage in Triesen liess den Traum der Damen vom Aufstieg in die 1. Liga aber kurz vor dem Ziel platzen.

Zwei offene Trainerposten

Bevor am 17./18. August zur neuen Saison gestartet wird, gilt es noch zwei Trainerposten neu zu besetzen. Wer tritt in Ebnat-Kappel die Nachfolge von Herbert Greub an, wer übernimmt beim FC Wattwil Bunt? FCWB-Präsident Heinz Schefer: «Wir bedauern, dass Marcel Romer das Traineramt niedergelegt hat und sind intensiv auf der Suche.» Walter Züst