Chronisten
90 Jahre das Ostschweizer Leben dokumentiert: Zwei Generationen fotografieren

Journalist Peter Eggenberger ist für sein Bild- und Berichtearchiv bekannt. Dieses wurde von seinem Vater vor 90 Jahren aufgebaut.

Isabelle Kürsteiner
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Zweimal Eggenberger: Andreas und Peter hielten so manchen einmaligen Ostschweizer Augenblick im Bild fest.

Zweimal Eggenberger: Andreas und Peter hielten so manchen einmaligen Ostschweizer Augenblick im Bild fest.

Bild: PD

Wer kennt ihn nicht, Peter Eggenberger mit Kürzel «pe», wie er sich in den dieser Zeitung bezeichnet. Immer wieder führt er der Leserschaft die Vergangenheit einzelner Dörfer, Weiler, Häuser oder die Lebensgeschichten von Personen in Schrift und Bild vor Augen. Dazu schöpft Eggenberger aus seinem umfangreichen Archiv. Seine Bilder illustrieren nicht nur Tageszeitungen, sondern auch die Chroniken der Gemeinden Walzenhausen und Wolfhalden sowie Jahrbücher und weitere Veröffentlichungen.

Wurde dem in Walzenhausen Aufgewachsenen das Dokumentieren vererbt? Ein Rückblick in die Familiengeschichte lässt beinahe darauf schliessen. Auf jeden Fall wurde der Grundstein für das Archiv vor genau 90 Jahren von Vater Andreas Eggenberger gelegt.

Erstes Fotogeschäft in Walzenhausen

Vater Andreas Eggenberger, geboren am 11. Januar 1899 in Werdenberg (verstorben 2000), wuchs in Jonschwil auf einem Bauerngut auf und besuchte zu Fuss die Sekundarschule in Oberuzwil. Neben der Ausbildung zum Landwirt im Broderhaus Sargans und im Custerhof Rheineck begann ihn die Fotografie immer mehr zu faszinieren, sodass er sich ein «Occasio-Fotokäschtli för en Föfliiber» kaufte und im Bauernhaus ein Labor einrichtete.

Die Materialien bezog er bei Foto Eckert in Wil. Dieser erkannte Eggenbergers Talent und bot ihm 1930 an, seine Fotofiliale in Walzenhausen zu übernehmen. So eröffnete Andreas Eggenberger in den Lokalitäten des Hauses Coiffeur Thalmann am Kirchplatz sein erstes Fotogeschäft, welches aus einem Labor in der ausrangierten Waschküche und einem winzigen Vorraum, der als Atelier und Lädeli diente, bestand. 1937 heiratete er Käthi Zimmermann und bezog grössere Räume im Nebenhaus von «Gmüesler Villa». Danach besuchte Andreas Eggenberger einen Weiterbildungskurs an der Graphischen Lehranstalt in Wien. Am 14. Januar 1939 kam sein Sohn Peter zur Welt und Anfang der Vierzigerjahre wurde das Fotogeschäft ins sogenannte Türmlihaus verlegt. Nach dem Kauf des Hauses erfolgte eine Sortimentsvergrösserung mit Drogerie, Papeterie und Souvenirartikeln. Damit entstand der grösste Laden von Walzenhausen.

50 Jahre freier Journalist

Der Walzenhauser begann mit dem Aufbau eines Ansichtskartenverlags für den Raum Ostschweiz. Schwergewichtig dokumentierte er beide Appenzell, insbesondere den Alpstein, das Toggenburg, Werdenberg sowie das Fürstentum Liechtenstein. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt er in der ganzen Schweiz Lichtbildervorträge. Als im Jahr 1947 Wasserknappheit herrschte, musste Sohn Peter mit einem Handwagen zum Kirchenbrunnen marschieren und die entwickelten Filme dort wässern.

Doch nicht nur dann half der Junior. Als der Vater 1965 verunfallte und für einige Zeit gelähmt war, sprang Peter Eggenberger, eben erst aus der französischen Fremdenlegion zurück, in die Lücke, arbeitete sich ins Fotofach ein, besuchte vor allem die grosse Ansichtskarten-­Kundschaft, holte Bestellungen ein, die nachts gerüstet und nach Möglichkeit anderntags mit dem Auto ausgeliefert wurden. Auch in dieser Zeit und damit vor gut 55 Jahren folgte Peter Eggenbergers erste eigene Ansichtskarte, anlässlich der Eröffnung des neuen Skilifts Oberegg – St.Anton. Ab 1966 besuchte er auch den Umschulungskurs am Seminar Kreuzlingen. 1968 verkaufte Vater Andreas das Türmlihaus und zügelte nach Buchs. Im gleichen Jahr trat Sohn Peter seine erste Stelle als Lehrer in Teufen an. In der Freizeit fotografierte er und schrieb erste Artikel für das neugegründete «Appenzeller Tagblatt». 1971 liess er sich nach Wolfhalden wählen, wo er im Schulhaus Zelg unterrichtete. Zusätzlich hatte er als Abwart zu wirken und fragt sich: «Wa würid hüttegi Lehrer säge, wenns nebscht em Pruef möstid WC ond Schuelzimmer butze ond Vorfeeschter iiheenke?» Er tat’s, und es hat ihm nicht geschadet.

Zudem hatte er den zeit­intensiven Posten als Ortskor­respondent zu übernehmen, ­sodass er heute auf eine 50-­jährige Tätigkeit als Journalist im Vorderland Rückschau halten kann. Weiter wurde ihm nahegelegt, die Dirigentenstelle des Jodlerclubs und einen verwaisten Sitz im Vorstand des Verkehrsvereins zu besetzen. Nach dem Logopädiestudium erfüllte er ab 1976 ein Teilzeitpensum an der Sprachheilschule St.Gallen.

Ursprünglich Hobby, gewann das Schreiben und Fotografieren an Bedeutung, und 1982 machte sich Peter Eggenberger als freier Journalist selbstständig.

50 Jahre Schwarz-Weiss-Fotografie

90 Jahre Fotodokumentationen und 50 Jahre freier Journalismus sind nicht die einzigen Jubiläen. Während dieser Zeit (50 Jahre) fotografierte Peter Eggenberger das Geschehen in der Ostschweiz und entwickelte die Schwarz-Weiss-Bilder bei sich zu Hause. Wie bereits bei seinem Vater war das Fotolabor in der Waschküche platziert. So erschufen die beiden Eggenbergers viel Einmaliges: Sie hielten und halten Alltägliches, Vergangenes aber auch zukünftig Wichtiges in Bild und Schrift fest. Entstanden ist ein Archiv immenser Grösse. Andreas setzte sich in Buchs nicht etwa zur Ruhe, er arbeitete als Ansichtskarten-Verkäufer für die Firma Foto Gross, St.Gallen, bis zu ­seinem achtzigsten Altersjahr. Ebenso lange blieb er der Fotografie treu. Erst bei der Hausräumung und dem Umzug zurück ins Appenzellerland im Jahre 1997 ging das Archiv zur Gänze an Peter Eggenberger über.