Zwei fast unbekannte Kandidaten

Kommentar Viel war in den letzten Wochen über mögliche Kandidaten fürs Gemeindepräsidium Herisau spekuliert worden. Gehandelt wurden bekannte Grössen wie Annette Joos, Katrin Alder, Markus Brönnimann (alle FDP) oder Hans Stricker (SVP).

Patrik Kobler
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Kommentar

Viel war in den letzten Wochen über mögliche Kandidaten fürs Gemeindepräsidium Herisau spekuliert worden. Gehandelt wurden bekannte Grössen wie Annette Joos, Katrin Alder, Markus Brönnimann (alle FDP) oder Hans Stricker (SVP). Nun treten die beiden wählerstärksten Parteien aber mit Ueli Strauss und Renzo Andreani an. Beide Männer haben in der Gemeinde noch keine grossen Spuren hinterlassen, beide bringen aber das nötige Rüstzeug mit für das anforderungsvolle Amt.

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Andreani – er wird offiziell erst nächste Woche nominiert – besitzt den Vorteil, dass er seit 23 Jahren in Herisau wohnt und seit zwei Jahren im Einwohnerrat politisiert. Der gebürtige Basler gehört der Finanzkommission an und beteiligt sich aktiv an den Debatten im Gemeindeparlament. Er fällt als Brückenbauer auf, der nicht den rauhbeinigen SVP-Stil pflegt. Seine Wortmeldungen sind sachlich, überlegt und nicht von Emotionen geprägt. Auch sonst entspricht er nicht dem gängigen SVP-Klischee: Zusammen mit seiner Frau hat Andreani neben zwei eigenen Kindern zwei afrikanische Pflegesöhne. Beruflich arbeitet der ausgebildete Architekt als Fachexperte Bauten auf dem Generalsekretariat der Bildungsdirektion Zürich. Führungserfahrung hat er bei seiner einstigen Tätigkeit für eine Schweizer Grossbank gesammelt, wo er rund 80 Mitarbeitende geleitet hat.

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Eine faustdicke Überraschung ist der Kandidat der FDP. Den St. Galler Raumplaner Ueli Strauss-Gallmann hatte niemand auf dem Zettel. Der 54-Jährige wohnt mit seiner Familie in Wittenbach. Dass ein Auswärtiger antritt, ist ein Novum. Aber: Strauss wird sich in den kommenden Wochen in der Gemeinde niederlassen müssen. Denn wählbar ist nur, wer in Herisau stimmberechtigt ist, das ist in der Gemeindeordnung so festgehalten. Trotzdem ist absehbar, dass der Wohnort zum Thema im Wahlkampf wird. Bereits jetzt wird eifrig darüber gemutmasst, ob Strauss alleine oder mit der Familie ins Appenzellerland ziehe. Ein Versprechen diesbezüglich hat der Kandidat an der Nominationsveranstaltung diese Woche nicht abgegeben.

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Neben der Wohnort-Frage sollte das Wesentliche nicht in den Hintergrund geraten. Die FDP nominiert mit Ueli Strauss einen interessanten Kandidaten. Dass er ein Auswärtiger ist, kann ein Vorteil sein, bringt er doch die Aussenperspektive ein. Als St. Galler Raumplaner hat er in den vergangenen zwölf Jahren einen umfassenden Blick von der Region gewonnen. Selbst mit den Herisauer Schlüsselprojekten – beispielsweise der Neugestaltung am Bahnhof – ist er vertraut. Mit seiner Erfahrung kann er helfen, die Gemeinde weiterzuentwickeln. In nächster Zeit wird es darum gehen, eine Zukunftsvision zu entwerfen. Das Dorf befindet sich gerade im Umbruch; trotz der hohen Bautätigkeit besteht viel Nachholbedarf.

In seinem jetzigen Job ist Ueli Strauss eng mit der Politik vernetzt. Selber ein Amt bekleidet hat er bisher noch nicht, abgesehen von einem kurzen Einsatz als Schulrat. Vielleicht auch deshalb fallen seine Stellungnahmen wohltuend direkt aus. Wer ihm zuhört, merkt bald, der ETH-Absolvent hat eine klare Meinung und steht für diese ein.

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SVP und FDP schicken zwar nicht zwei dorfbekannte Grössen ins Rennen, aber zwei valable Kandidaten. Bis zum Wahltermin am 22. September bleibt Renzo Andreani und Ueli Strauss noch Zeit, sich einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen.

Offen ist, ob weitere Kandidaten antreten werden. CVP und SP wollen erst in den nächsten Wochen entscheiden. Dass von der FDP ein Auswärtiger nominiert worden ist, eröffnet ihnen Perspektiven.

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