Zwei Dinge machen mich wütend

Als Mutter von drei Kindern (5, 7, und 10) habe ich mir lange überlegt, welchen Kandidaten ich für das Gemeindepräsidium unterstützen werde. Wir sind parteilos, und für uns sind andere Dinge wichtig (Schulangebot und Sicherheit).

Severina Krüsi-Schnellmann Sonnenbergstrasse 11 9100 Herisau
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Als Mutter von drei Kindern (5, 7, und 10) habe ich mir lange überlegt, welchen Kandidaten ich für das Gemeindepräsidium unterstützen werde. Wir sind parteilos, und für uns sind andere Dinge wichtig (Schulangebot und Sicherheit). Ich habe mir sowohl am Podium als auch letzten Samstag ein Bild machen können. Zwei Dinge haben mich dabei wütend gemacht und mich dazu gebracht, zum erstenmal in meinem Leben einen Leserbrief zu schreiben.

Vor zwei Jahren wollten wir aus persönlichen Gründen eine Reise durch den hohen Norden tun. Leider war es meinem Mann nicht möglich, ausschliesslich während der Schulferien die Ferien zu beziehen. Wir haben einen Antrag an der Schule gestellt, der aber abgelehnt wurde. Nun habe ich gelesen, dass Herr Strauss seine Kinder länger als nur eine Woche aus der Schule genommen hat. Ich war wütend, als ich dies erfahren habe, da wir uns an die Regeln hielten und auf den langersehnten Traum verzichten mussten. In der Zwischenzeit kann mein Mann aus gesundheitlichen Gründen keine solche Reise mehr machen. Ich bin enttäuscht.

In der Appenzeller Zeitung von heute Dienstag lese ich dann noch, dass er Drogen legalisieren will. Als Mutter finde ich dies eine ungeheuerliche Forderung. Wir haben in Herisau schon genug wildernde Jugendliche, und ich will nach der Arbeit nicht jedesmal ein Taxi nehmen müssen, um abends nach Hause zu kommen. Meine Kinder sind mir wichtig, und ich will keine legalen Drogen.

Ich habe Herrn Andreani auf dem Obstmarkt als fairen, gutaussehenden und netten Menschen persönlich kennenlernen dürfen. Obwohl ich wenig von Politik verstehe, denke ich, dass er eine gute Wahl ist. Ich habe heute morgen seinen Namen ins Couvert gelegt und ins Gemeindehaus gebracht.

«Dörflidenken» war einmal

Mein Gemeindepräsident soll Ueli Strauss heissen.

Was ich über ihn so alles lesen kann, regt mich zum Nachdenken an. Dieser Ueli Strauss «predige» bloss Raumentwicklung, schreibt die Frau, die im Gemeindepräsidenten gerne «das Mami des Ortes» sähe. Herisau als Raum zu bezeichnen, sei wohl «die Suche nach Relevanz».

Da würde ich gerne bei der Suche helfen: Natürlich ist unser Dorf auch ein Raum. Mehr noch: ein Lebensraum. Unser Dorf – das grösste im Kanton – mit Charakter und Funktion eines Hauptortes und der Infrastruktur einer Kleinstadt ist umgeben von weiterem Raum, einem Umfeld, in dem es sich behaupten muss. Und das ist wahrlich nicht einfach. Da gibt es Nachbargemeinden im Hinterland, die fröhlich Bauland einzonen, Steuern senken und ihr Wachstum fördern, während der Verkehr unbekümmert durch die Alpsteinstrasse rollt, wo die Frau wohnt, die sich mit einem «Mami» und einem Ortsplan zu begnügen scheint.

Da gibt es einen stark belasteten öffentlichen Verkehr mit hartumkämpften Fahrplänen und Verbindungszeiten. Da gibt es Bahnhöfe zu finanzieren und Buslinien zu betreiben, Lärm zu bekämpfen und Natur zu schützen, Wohnraum, Arbeit, Einkaufs- und Freizeitangebote bereitzustellen, lauter Anforderungen, die über die Gemeindegrenzen hinaus weiträumig geplant, koordiniert und umgesetzt werden müssen.

Deshalb und weil es noch viele andere Beispiele gäbe, finde ich es gut und berechtigt, dass Ueli Strauss Raumentwicklung «predigt». Noch besser finde ich, dass er es nicht nur beim Predigen belässt. Und noch viel besser finde ich, dass er für die nachhaltige und ökologische Raumentwicklung einsteht, die ich mir für unser Dorf auch wünsche. Zur Information für die Frau, die sagt, für Herisau gebe es «sicher keine Raumplanung als abgeschlossenen Prozess»: Selbstverständlich ist Herisau raumplanerisch auch über seine Grenzen hinaus aktiv. Es ist am Agglomerationsprogramm St. Gallen/Arbon-Rorschach beteiligt. Der Bericht der 2. Generation kann im Internet nachgelesen werden. Leiter des Fachausschusses ist übrigens Ueli Strauss.

Was ich der Frau noch sagen möchte, die einen Gemeindepräsidenten wünscht, der sich um die Sorgen und Nöte der Bevölkerung kümmert: Die Sorgen und Nöte von Herisau sind längst nicht alle hausgemacht. Und darum gilt es, Herisau in seinem Umfeld so gut wie möglich zu positionieren. Auch deshalb wähle ich Ueli Strauss. Weil er das Wissen und die Beziehungen dafür mitbringt.

Ansprechpartner für jedermann

Letzten Samstagmorgen nutzten auf dem Obstmarkt zahlreiche Herisauer und Herisauerinnen die Möglichkeit, mit Ueli Strauss und Renzo Andreani persönlich zu sprechen. Über den Auftritt von Herrn Andreani wurde sogar in der Zeitung vom Montag berichtet. Aber dass kurz nach 11 Uhr der Stand der SVP verwaist war, ist nirgends zu lesen. So etwas finde ich schwach von einem Kandidaten, der auf Facebook sagt: «Ich freue mich, möglichst viele Menschen persönlich treffen zu dürfen.»

Im Gegensatz dazu war Ueli Strauss bis um halb 1 Uhr auf dem Markt anzutreffen. An den zwei Samstagen, welche ich mit Ueli Strauss auf dem Obstmarkt verbrachte, konnte ich spüren, wie gerne er unter die Leute geht und sich für ihre Anliegen interessiert. Ueli Strauss ist ein Ansprechpartner für jedermann. Als Gemeindepräsident wird er weiter den intensiven Kontakt mit der Bevölkerung suchen, um die aktuellen und zukünftigen Fragestellungen Herisaus zu diskutieren. Ich bin überzeugt, Ueli Strauss ist die richtige Wahl.

Eine Wahl der Qual?

Der Wahlkampf um das Gemeindepräsidium für Herisau kommt in die Schlussphase. Hearings, Inserate, Plakate und Leserbriefe versuchen für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Kandidaten ins rechte Licht zu rücken. Ein Thema wurde von Beginn weg in den Vordergrund gedrängt: «Aus Herisau für Herisau». Leider sind andere Qualitäten und Fähigkeiten der Kandidaten dadurch in den Hintergrund geraten und kein Thema mehr. Dabei gibt es durchaus Argumente, sich für oder gegen einen der beiden zu entscheiden, es ist vor allem eine Frage der persönlichen Gewichtung dieser Eigenschaften.

Der Wohnort spricht für Renzo Andreani. Die Ausbildung und der berufliche Hintergrund erscheinen mir bei Ueli Strauss breiter und vielfältiger. Politisch aktiv sind beide. Das politische Engagement von Renzo Andreani ist aber mit zwei Jahren eher kurz. Demgegenüber steht die lange berufliche Erfahrung in der Raumplanung der Region von Ueli Strauss, welche ich eher höher und wichtiger für die Zukunft von Herisau einschätze. Die politische Vernetzung fehlt beiden weitgehend. Renzo Andreani ist in erster Linie lokal verankert, und Ueli Strauss verfügt aber über wichtige Kenntnisse durch die Tätigkeit in den Agglomerationsprogrammen der Region. Beide haben Erfahrungen mit Verwaltungen. Andreani arbeitet in einer grossen und Strauss in einer mittleren. Wir sind aber ein «Dorf». In unserer Verwaltung wird nicht in erster Linie verfügt und angeordnet, sondern zuerst geredet und dann umgesetzt. Die Gemeindefinanzen werden von beiden Kandidaten betont. Die Einflussnahme wird aber immer beschränkt sein. Der Gemeindepräsident arbeitet mit dem Gemeinderat zusammen, es gibt einen Einwohnerrat, Kanton, Bund, und zudem sind 90% der Ausgaben gebunden. Die Parteizugehörigkeit ist für mich als Sozialdemokrat auch wichtig. Mir liegt eine bürgerlich-liberale FDP doch näher als die konservative SVP. Die lokalen Vertreter der SVP betonen wohl immer gerne, dass sie auch nicht mit allen Kampagnen der SVP Schweiz einverstanden sind. Öffentlich distanziert hat man sich aber nie, profitiert man doch zu stark davon.

Die Erwartungen der Öffentlichkeit und die Anforderungen der Politik, die an ein Gemeindepräsidium gestellt werden, sind enorm. Warum ist es denn so schwierig, nicht nur in Herisau, für solch ein Amt geeignete Kandidatinnen oder Kandidaten zu finden? Den hohen Anforderungen stehen im politischen Alltag leider sehr wenig Wertschätzung und Anerkennung gegenüber, vor allem, wenn es mal nicht rund läuft. Respektlosigkeiten und Verunglimpfungen haben im politischen Alltag leider einen festen Platz eingenommen. Dies ist aber mitunter auch ein Resultat der aggressiven Machtpolitik der SVP (Schweiz), die keine Gelegenheit auslässt, Andersdenkende zu diffamieren. Classe politique, die Linken und Netten oder Kuscheljustiz sind noch die humansten Ausdrücke. Es wird in Zukunft vielleicht normal werden, dass Gemeinden vermehrt Präsidien extern besetzen müssen, da immer weniger geeignete Personen mit genügend beruflicher und politischer Erfahrung bereit sind, sich in ein solches Amt wählen zu lassen.

Ich habe meine persönliche Wahl getroffen und gebe meine Stimme Ueli Strauss. Einerseits aufgrund der sachlichen Argumente, andererseits ist es aber auch, wie meistens bei Wahlen, ein Bauchentscheid.

Ein Herisauer in den Gemeinderat

Wir brauchen einen Gemeinderat, der in Herisau wohnt, sich hier mit Herz und Seele engagiert und schon eine Generation unsere Mentalität kennt. Deshalb gehört ein Herisauer, also Renzo Andreani, in den Gemeinderat.

Die im Vorfeld herbeigeredete schwierige Zukunft haben die SP beamtenausgerichtet und andere zusammen mit den verwaltungsbezogenen Portierenden den „Einkauf“ eines Gemeindepräsidenten von aussen den Herisauern verschrieben. Es ist oberstes Gebot in der freien Wirtschaft, dass man zuerst Geld verdienen muss, um es später ausgeben zu können. Unser Gemeindepräsident ist in erster Linie Chef der Gemeindefinanzen und nicht Planungsvisionär! Deshalb brauchen wir sicher keinen «Gutwetter»-Präsidenten, aber einen, der in der Privatwirtschaft abgehärtet wurde, wie Renzo Andreani für unsere Herisauer Zukunft. Wir wählen darum Renzo Andreani auch zum Gemeindepräsidenten.

Die Qual der Wahl

Noch nie war ich vor einem Wahlentscheid so unschlüssig wie dieses eine Mal, wo ich mich nicht für den einen oder anderen unserer Kandidaten entscheiden kann für die Wahl als unseren neuen Gemeindepräsidenten. Die Situation, dass sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden sollen zwischen zwei Kandidaten, welche zwar jeder für sich durchaus Qualitäten ausweisen können, jedoch eines gemeinsam haben, nämlich mangelnde, insbesondere bei dem Kandidaten Strauss inexistente Orts- und Volksverbundenheit.

Der Leistungsausweis bezüglich der politischen Erfahrungen in unserer Gemeinde ist nach meiner Meinung bei beiden Kandidaten schlicht ungenügend. Mein Unbehagen besteht, und offensichtlich fühlen viele Bürgerinnen und Bürger genauso. Werden folglich gar nicht erst an die Urne gehen oder geben einen leeren Stimmzettel ab, da die Kandidaten ohnehin kaum jemand kennt.

Aus Unzufriedenheit einen leeren Stimmzettel in die Urne zu legen, bewirkt allerdings, dass die Messlatte für die Kandidaten zur Erreichung des absoluten Mehrs tiefer zu liegen kommt, was kaum erstrebenswert ist. Fehlt Ihnen das Vertrauen in die aufgestellten Kandidaten, so schreiben Sie einfach einen anderen Namen und Adresse eines ortsansässigen Herisauers oder einer Herisauerin auf Ihren leeren Stimmzettel. Dadurch erhöht sich die Hürde für die vorgeschlagenen Kandidaten. Die Folge könnte ein zweiter Wahlgang sein, mit der Möglichkeit, neue Kandidatinnen und Kandidaten einzubringen. Zeit für die Parteien zum Überdenken. Auf meinem Stimmzettel steht jedenfalls: Hans Stricker, Gemeinderat Herisau. Da weiss ich wenigstens, wen ich wähle.

Nämlich einen seit über 40 Jahren in Herisau verwurzelten Familienvater und selbständigen Geschäftsmann. Seit 2002 Gemeinderat und Vizepräsident. Seit 2004 Kantonsrat. Kommissionsmitglied Sicherheit/Verkehr/Justiz. 30 Jahre aktiv in der Feuerwehr, davon 13 Jahre als Kommandant-Stv. und Kommandant.

Hans Stricker ist führungserfahren, kennt die Anliegen unserer Gemeinde und leitet zurzeit als Interimspräsident die Geschicke unserer Gemeinde.

Hinweis zum Wahlprozedere

Liebe Herisauerinnen und Herisauer. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es bei der Wahl für das Gemeindepräsidium wichtig ist, dass Sie Ihren Kandidaten sowohl als Gemeinderat als auch als Gemeindepräsident wählen. Gemeindepräsident kann nur werden, wer auch im Gemeinderat ist. Als zweites möchten wir Sie auffordern, sich auf die beiden zur Wahl stehenden Kandidaten zu beschränken. Beide haben erklärt, dass sie sich für das Amt des Gemeindepräsidenten interessieren. Alle Parteien haben abgeklärt, ob weitere Persönlichkeiten aus Herisau für dieses Amt zur Verfügung stehen. Dies ist nicht der Fall. Bitte sorgen Sie mit Ihrer wertvollen Stimme für einen klaren Entscheid zugunsten eines der beiden zur Wahl stehenden Kandidaten.

Herzlichen Dank, dass Sie sich an der Urne engagieren.