Zwei Betriebe bewirtschaften

TOGGENBURG. Während der Sömmerungszeit haben viele Bauern den Alpbetrieb auf der Hochalp und den Hof zu Hause zu bewirtschaften. Während auf der Alp die Kühe versorgt werden, muss zu Hause der Betrieb weiterlaufen. Ohne Beiträge des Bundes wäre der Mehraufwand nicht tragbar.

Christiana Sutter
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Christian Schmid beim Zusammenlesen des «Blodders» auf dem Farenboden. (Bild: Christiana Sutter)

Christian Schmid beim Zusammenlesen des «Blodders» auf dem Farenboden. (Bild: Christiana Sutter)

Der Morgen erwacht, die Sonne geht auf. Die beiden Bauern und Freunde Christian Schmid und Hans Forrer aus Wildhaus sind bereits auf dem Farenboden, der Hochalp oberhalb des Gräppelensees in Unterwasser: Sieben Wochen im Sommer, jeden Tag dasselbe Prozedere, egal bei welchem Wetter. Christian Schmid und Hans Forrer betreiben seit 2003 eine Betriebsgemeinschaft. Dies, nachdem sich Hans Forrer im Jahr 2000 zwei Halswirbel gebrochen hat. «Die Idee war aber schon länger in unseren Köpfen», sagt Christian Schmid. Der Unfall war dann definitiv Auslöser zur Umsetzung.

Gleiche Arbeit seit Jahren

Der Farenboden gehört zur Alpgenossenschaft Vordergräppelen, wobei die Gebäude privat sind. Die Alp liegt auf 1640 Metern. Das Alpzimmer wurde 1903 erstellt, «wobei die Mauern eines früheren Stalls etwas weiter unten noch sichtbar sind», sagt Forrer. Die Arbeit ist noch dieselbe wie vor Jahrzehnten. «Geändert hat sich heutzutage, dass während der Sömmerungszeit kein Grossvater mehr auf der Alp ist», sagt Hans Forrer. Was gleich geblieben ist, ist die tägliche Arbeit.

Die meisten Alpen in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann sind privatrechtliche Korporationen, auch jene in Stein. In Nesslau sind nebst einer Privatkorporation im Luterental die meisten Alpen im Privatbesitz. Es gibt aber auch die öffentlich-rechtlichen Alpen von Ortsgemeinden oder Kreisalpenkorporationen, die verpachtet werden. In Ebnat-Kappel werden die Alpen der Ortsgemeinde mit angestellten Hirten bewirtschaftet. In mehrheitlich privatem Besitz sind die Alpen in den Gemeinden Wattwil, Mosnang und Neckertal.

Tank für Schmelzwasser

Die Bewirtschaftung hat sich in all den Jahren nicht geändert. Wenn die Bauern frühmorgens auf die Alp kommen, geht jeder stillschweigend seiner Arbeit nach. Hans Forrer bereitet in der Hütte das Melkgeschirr vor, während Christian Schmid den Stall öffnet und wartet, bis die Kühe kommen. «Die kommen selbständig und wissen genau, wo sie hinstehen müssen.» Dann geht Christian Schmid hinaus, nimmt die Schaufel zur Hand und beginnt die Kuhfläden der Kühe einzusammeln. Denn die Alp steigt hinter der Hütte steil an, «die Kühe haben hier nicht so viel Platz zum Liegen, darum muss der <Blodder> eingesammelt und auf einen Haufen geworfen werden.» Etwas weiter entfernt vom Alpzimmer gibt es drei Suhlen, wobei die Tiere daraus nicht trinken. «Etwas oberhalb haben wir einen Wassertank installiert, dieser ist mit Schmelzwasser gefüllt», sagt Schmid, denn eine Quelle gibt es auf dem Farenboden nicht. Pro Tag werden auf der Alp rund zwei Kubikliter Wasser benötigt. «Eine Kuh trinkt pro Tag rund 100 Liter Wasser.» Während der Arbeit vor dem Stall kontrolliert Christian Schmid mit Blicken die Zäune oberhalb des Alpzimmers. «Sobald die Kühe das Gras rund um den Stall gefressen haben, müssen wir die Zäune höher hinauf verlegen.» Das bedingt dann auch, dass die Kühe zum Melken in den Stall getrieben werden müssen. «Das nimmt gut und gerne eine Stunde in Anspruch, da die Alp dann weitläufiger ist», sagt Schmid.

Beiträge sind notwendig

Eine Arbeit, die während der ganzen Alpzeit immer wieder gemacht werden muss, ist das Blackenmähen und Unkrautstechen. Dabei hilft den Wildhauser Bauern ein Lehrling. Die Betriebsgemeinschaft Schmid-Forrer bildet immer einen Lehrling aus. Christian Schmid und Hans Forrer sind sich einig, dass die Arbeit auf der Alp Freude bereitet. Dies sei aber nur möglich, solange sie auch Beiträge vom Bund erhalten, denn während der Sömmerungszeit bewirtschaften die meisten Bauern einen Heimbetrieb sowie die Hochalp.

Hans Forrer im Alpstall beim Melken.

Hans Forrer im Alpstall beim Melken.

Der Lütispitz leuchtet in der frühmorgendlichen Sonne über dem Alpzimmer des Farenbodens.

Der Lütispitz leuchtet in der frühmorgendlichen Sonne über dem Alpzimmer des Farenbodens.