Zwanzig Jahre Wattwil geprägt

WATTWIL. Vergangenen Freitag ist der ehemalige Wattwiler Gemeindeammann Hans Monstein gestorben. Von 1979 bis 1999 führte er die Gemeinde. Politische Weggefährten, Gemeinderäte und Mitarbeiter erinnern sich an ihn und finden für den redegewandten Politiker fast nur Lob.

Hansruedi Kugler
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Hans Monstein kurz vor seiner Pensionierung 1999 an der Thur beim Gemeindehaus Wattwil. (Bild: Der Toggenburger)

Hans Monstein kurz vor seiner Pensionierung 1999 an der Thur beim Gemeindehaus Wattwil. (Bild: Der Toggenburger)

Die Nachricht vom Tod Hans Monsteins verbreitete sich gestern in seinem alten Wirkungsort nur langsam. Das hat vor allem damit zu tun, dass der langjährige Gemeindeammann nach seiner Pensionierung 1999 zu seiner Lebenspartnerin nach Einsiedeln gezogen ist. Die Kontakte nach Wattwil wurden dann auch infolge seiner Krankheit immer weniger. Zwanzig Jahre lang hatte er aber die Wattwiler Politik mit seiner starken Persönlichkeit geprägt. Seine politischen Weggefährten, Gemeinderäte und Mitarbeiter, erinnern sich heute respektvoll an einen korrekten, «wunderbaren» Chef und brillanten Redner sowie an einen umgänglichen und grosszügigen Menschen. Hans Monstein war passionierter Pfeifenraucher und jasste gerne, was ihn väterlich und volkstümlich machte. Im Gemeinderat habe meist (mit einer Ausnahme) ein sehr gutes Klima geherrscht. Politisch lagen ihm vor allem das Gemeindespital, die Gewerbeschule, der Wirtschaftsplatz Wattwil, das Altersheim, die Umfahrungsstrassen und die Erschliessungsstrassen in die Wattwiler Aussengebiete am Herzen.

Vom Lehrer zum Gemeindechef

Der in Rorschach aufgewachsene Hans Monstein war zunächst Lehrer und Heilpädagoge, leitete in den 1960er-Jahren das Erziehungsheim Platanenhof in Oberuzwil und danach im kantonalen Erziehungsdepartement das Amt für Berufsbildung. Im Januar 1979 starb der damalige Gemeindepräsident Robert Brocker völlig unerwartet. Interimistisch übernahm sein Vize Josef Brander die Amtsgeschäfte. Rudolf Bleiker, Bauer und FDP-Gemeinderat, erinnert sich an den Auftritt des Kandidaten Hans Monstein bei der Findungskommission: «Als ich nach Hause kam, sagte ich zu meiner Frau: Der Mann redet ein bisschen viel. Aber er gefällt mir.» Auch der Unternehmer Hans Früh war in der Findungskommission: «Als Gewerbler stand ich einem Lehrer und Beamten wie Hans Monstein natürlich skeptisch gegenüber. Mir wäre ein Mann aus der Privatwirtschaft grundsätzlich lieber gewesen. Aber das war schon damals und ist immer noch sehr schwierig.»

Die Wahl habe sich aber sehr bewährt: «Er wurde zu einem volkstümlichen und angesehenen Gemeindeammann. Im Gemeinderat und in der Ortspartei konnten wir immer gut mit ihm zusammenarbeiten.» Persönlich habe er ihn sehr geschätzt: «Er war ein offener und ehrlicher Mann, mit dem man gut diskutieren konnte und der alle Meinungen anhörte.» Es stimme schon, dass Hans Monstein ein machtbewusster Politiker gewesen sei. «Aber ich fand das gut. Wattwil brauchte eine starke Persönlichkeit.»

Beinahe noch Regierungsrat

Hans Monstein hatte in den 1980er-Jahren politische Ambitionen: Die FDP musste ihm eine Kandidatur für den Kantonsrat ausreden, erzählt Hans Früh: «Wir waren der Meinung, seine Arbeit für die Gemeinde sei wichtiger.» Trotzdem blieben seine Ambitionen bestehen: 1987 unterlag er aber in der kantonalen Delegiertenversammlung für die Ersatzwahl in den Regierungsrat dem nachmaligen Regierungsrat Hans-Ulrich Stöckling deutlich.

Erfolgreicher Altersheimausbau

Auch der Unternehmer Guido Lehmann, der als CVP-Gemeinderat Ende der 1980er-Jahre auch Vizeammann und Präsident der Altersheimkommission war, lobt die Zusammenarbeit mit Hans Monstein: «Mir hat er nie hineingeredet, und beim Erweiterungsbau des Altersheims Risi hat er das Projekt politisch voll und auch erfolgreich unterstützt.» Als Mensch und Politiker habe er ihn als kollegial und umgänglich erlebt. Im Gemeinderat hätten Parteiunterschiede kaum eine Rolle gespielt. Das bestätigt auch Willy Brühwiler, der von 1977 bis 1992 für die SP im Gemeinderat sass. «Ich kam sehr gut aus mit ihm. Hans Monstein liess alle Meinungen gelten. Und er hatte eine politisch soziale Ader. So unterstützte er unter anderem die Genossenschaft Alterswohnungen.»

Ewiger Kampf um das Spital

Einmal sei der Gemeinderat nach einer Budgetsitzung sogar gemeinsam an die Fasnacht gefahren. Eintracht herrschte aber nicht immer im Gemeinderat. In einem Interview 1999 räumte Hans Monstein ein, seine politisch schlimmste Zeit sei gewesen, als wegen personeller Probleme im Gemeindespital die Kollegialität innerhalb des Gemeinderates beeinträchtigt gewesen sei, was schliesslich in Rechtsverfahren gemündet habe.

Das Spital war eine der Hauptaufgaben des Gemeindeammanns. Hans Monsteins Versuch, das Gemeindespital in einen Toggenburger Zweckverband zu überführen, scheiterte aber. Für die Wattwiler Bürger bedeutete dies weiterhin eine Spitalsteuer von 6 bis 10 Prozent. 1992 lehnten die Wattwiler Stimmbürger die vollständige Übergabe des Spitals an den Kanton ab. Der Kampf für das Spital hat Hans Monstein 20 Jahre begleitet.

Erschliessungsstrassen gebaut

Der Bauer und FDP-Gemeinderat Rudolf Bleiker erinnert sich gerne an Hans Monstein: «Er war ein offener und ehrlicher Mann. Man muss ihm und dem Bauverwalter Walter Looser hoch anrechnen, dass sie sich sehr stark für den Ausbau der Erschliessungsstrassen, die sogenannten Güterstrassen, in die Aussengebiete Wattwils eingesetzt haben.» Man habe damals auch nicht um jeden Franken streiten müssen, erinnert sich Rudolf Bleiker, der die zuständige Kommission präsidiert hatte und eine Liste mit Strassenprojekten an den Bund und an den Kanton geschickt hatte. «So konnten wir viele Bauern praktisch unterstützen.»

Ein äusserst korrekter Chef sei Hans Monstein gewesen, dem stimmen alle zu. Aber einer, der nur mit ganz wenigen in der Verwaltung Duzis gemacht habe: mit dem Gemeinderatsschreiber Werner Thoma («ich habe Hans Monstein als grosszügigen Menschen erlebt») oder mit dem Bauverwalter Walter Looser. «Vom Bau hatte er zunächst nicht viel Ahnung», erinnert sich Walter Looser. Bei den Erschliessungsstrassen und den Bachsanierungen hätten sie aber eindeutig am gleichen Strick gezogen. «Wir waren uns einig, dass die Hochwassersicherheit wichtig ist, auch wenn es viele Kritiker gab.»