Zuwachs im trauten Heim

Brosmete

Martin Hüsler
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Als ich vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren Pavo, den in geradezu methusalemischem Alter stehenden Kater, schweren Herzens einschläfern lassen musste, war ich zunächst leicht unschlüssig, ob ich meinen Haushalt nochmals mit einem Stubentiger teilen sollte. Für alle Fälle behielt ich sämtliche noch brauchbaren Utensilien, die man für die Haltung von Katzen benötigt. Und auch das Leiterli vom Balkon herunter montierte ich nicht ab. Allmählich wurde der Wunsch, bei der Heimkehr wieder von einem lebenden Wesen empfangen zu werden, immer stärker. Schliesslich erlangte er eine derartige Intensität, dass ich ihm nun stattgegeben habe und die Gelegenheit, umständehalber zwei Katzen übernehmen zu können, beim Schopf packte. So teile ich denn nun seit ein paar Tagen die Wohnung mit einem samtpfotigen Duett, das es aus dem Thurgau ins Appenzellerland zu übersiedeln galt. Wie das bei derartigen Domizilwechseln so üblich ist, müssen die Tiere die neue Umgebung erst in den Griff und vor allem in die Nase bekommen: Des Beschnüffelns und des Entdeckens ist einstweilen kein Ende. Vom Charakter her passen die Katzen in ihrer ausgesprochenen Nachtaktivität bestens zu mir. Dass am Morgen Gegenstände manchmal nicht mehr dort sind, wo sie abends zuvor noch waren, nehme ich gelassen hin. Jedenfalls sind wir eifrig daran, uns aneinander zu gewöhnen.

Von Vicco von Bülow, alias Loriot, stammt folgende Einschätzung: «Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.» Loriot war ein Hundenarr, was in manchen seiner satirischen Arbeiten durchgeschimmert hat. So weit wie der von mir Hochverehrte möchte ich nicht gehen. In leichter Abwandlung seiner Erkenntnis komme ich aber immerhin zum Schluss: «Ein Leben ohne Katzen ist möglich, aber eines mit Katzen ist viel schöner.»

Martin Hüsler