Zuversicht trotz Finanzbedenken

WILDHAUS. Seit gestern ist bekannt: Die Kantonsregierung hat die Arbeit an der Bauvorlage zum Klanghaus Toggenburg aufgenommen. Es soll 28 Millionen kosten. Rund hundert Personen wollten am Donnerstag in Wildhaus aus erster Hand hören, was der Regierungsrat in Sachen Klanghaus plant.

Hansruedi Kugler
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Bringt die Versammlung zum Mitsingen: KlangWelt-Intendantin Nadja Räss stimmt am Donnerstag einen Naturjodel an. (Bild: Hansruedi Kugler)

Bringt die Versammlung zum Mitsingen: KlangWelt-Intendantin Nadja Räss stimmt am Donnerstag einen Naturjodel an. (Bild: Hansruedi Kugler)

«Herrliche Lage, herrliches Panorama – kein Wunder entstehen hier beim Schwendisee besondere Ideen.» Regierungsrat und Bauchef Willi Haag zeigte sich am Donnerstagabend zuerst als Schwärmer – dann aber auch als vorsichtiger Pragmatiker. Denn bei aller Begeisterung für das Projekt, das mit seiner einmaligen Form und Akustik automatisch ein grösseres Kurspublikum bekommen werde: Bis das Klanghaus steht, warte noch ein weiter und wahrscheinlich steiniger Weg auf die Regierung. Bereits zwischen Mai 2011 und November 2012 habe man nämlich «heikles Terrain» begehen müssen, sagte Willi Haag.

Naturschutz positiv gestimmt

Gemeint hat er vor allem die intensiven Gespräche mit der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK). Denn das geplante Klanghaus wird teilweise auf einer Schutzzone zu stehen kommen, die den Schwendisee umschliesst. Die ENHK sei in ihrem Gutachten zu einem positiven Urteil gekommen. Dies erstens, weil das Klanghaus gegenüber dem Vorprojekt um einige Meter vom See weggerückt worden ist. Und zweitens, weil mit dem neuen Projekt einige «Sünden» der Vergangenheit beseitigt werden können. So wird die Schwendiseestrasse einige Meter versetzt und die Parkplätze beim Seegüetli auf den Parkplatz vor Stumps Alpenrose verlegt. Dort sollen auch die Cars halten, welche die Kursteilnehmer vom Tal zum Klanghaus bringen.

Finanzpolitischer Gegenwind

Reiner Sonnenschein herrscht auch bei der Frage der Finanzierung des Klanghauses nicht. Das Klanghaus inklusive Strassenverlegung wird rund 28 Millionen Franken kosten. Zahlen will der Kanton, der aber gleichzeitig erwartet, dass sich Private mit einem Beitrag von 5 Millionen Franken beteiligen. «Wir sind uns bewusst, dass die finanzpolitische Grosswetterlage nicht besonders freundlich ist», so Willi Haag. So hat die SVP bereits zwei Mal die Finanzierung des Klanghauses kategorisch als «in Sparzeiten unverantwortlich» abgelehnt. Das Klanghaus sei aber als langfristige Investition anzusehen, die unabhängig von kurzfristigen Finanzproblemen geprüft werden müsse, meinte Willi Haag am Donnerstag in Wildhaus. Dies vor allem aus regionalpolitischen Gründen. Die Regierung wolle ein Zeichen setzen und sei überzeugt, dass am Ende die Solidarität im Kanton spiele. Bereits realisiert habe man das Schloss Werdenberg, das Kunstzeughaus Rapperswil und die Lokremise in St. Gallen – der Kanton zahlt den Bau und trägt via Jahresbeiträge aus dem Lotteriefonds die Betriebskosten.

Verkehr und Verpflegung

Regierungsrat Martin Klöti ging auf einige Details ein. Seiner Vorstellung nach soll der Klanghaus-Nutzer in einem Hotel im oberen Toggenburg übernachten, dort frühstücken, zusammen mit anderen mit dem Bus zum Klanghaus fahren, dort einen einfachen Zmittag bekommen («Hörnli mit Apfelmus»), um dann abends wieder ins Hotel zu wechseln. Denn das Klanghaus wird kein Hotel und soll keine Konkurrenz zu den guten Speiserestaurants im Tal werden. Aber das Klanghaus werde ein Forschungs-Zentrum für Klänge («Universität der Klänge»), ein Treffpunkt von Klang-Interessierten aus aller Welt. Dass dies nicht eingeschränkt bleibt auf den traditionellen Naturjodel, dafür fühlt sich die KlangWelt-Intendantin Nadja Räss verantwortlich. «Der Musik darf man kein Korsett anziehen», sagte sie. Sie plant bereits voraus: Künftig soll das bisherige Kursangebot, das sich bereits an ein breites Publikum richtet, erweitert werden: Weiterbildungen für Musiklehrer, Kinderchor-Lager oder Symposien zu Klangforschung und archaischem Gesang sind in Vorbereitung. Sie ist überzeugt, dass das Klanghaus auch Jazzgruppen und Orchester anzieht – wegen seiner einmaligen Akustik. Interview seite 45

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