Zusammenhänge der Natur kennen

Landwirt ist ein äusserst facettenreicher Beruf. Dies zeigt ein Blick auf die Ausbildungsbeschreibung. Der praktische Teil wird in den Lehrbetrieben absolviert und der schulische Bereich am Landwirtschaftlichen Zentrum BZB Rheinhof in Salez.

Adi Lippuner
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Ausbildungsleiter Martin Willi begrüsst Absolventen und Gäste zur diesjährigen Abschlussfeier.

Ausbildungsleiter Martin Willi begrüsst Absolventen und Gäste zur diesjährigen Abschlussfeier.

TOGGENBURG. Das Berufsbild des Landwirts ist äusserst vielseitig. Dabei ist eines klar: Erfolg hat nur, wer mit der Natur arbeitet und Freude am Umgang mit Pflanzen, Tieren und Maschinen hat. Zudem wird der Arbeitsablauf vom Wechsel der Jahreszeiten bestimmt und so ist es unabdingbar, dass Landwirte die Zusammenhänge der Natur kennen und zu nutzen wissen. Je nach Region und Höhenlage gibt es unterschiedliche Betriebsformen. Während im Toggenburg die Milchwirtschaft oder die Aufzucht oder die Produktion von Schlachttieren im Vordergrund steht, dominieren im Flachland Acker- und Gemüsebau sowie grosse Milchwirtschaftsbetriebe.

Horizont erweitern

Wer sich für eine landwirtschaftliche Ausbildung entscheidet, stellt seine Weichen zur Erweiterung des Horizonts mit der Wahl des Lehrbetriebs. Geht beispielsweise ein Bauernsohn aus dem obersten Toggenburg in einen Ausbildungsbetrieb im Rheintal oder Werdenberg, wird er mit Sicherheit ein ganz anderes Umfeld antreffen als auf dem elterlichen Hof. Wer Milchkühe hält, sich mit der Zucht befasst und eine eigene Alp bewirtschaftet, lernt während der Ausbildung auch den Acker- und/oder Gemüsebau kennen. Der Lernende erhält Einblick in die Planung von Fruchtfolgeflächen und fährt ganz andere Maschinen als im Berggebiet. Dass dieses «über den Tellerrand»-Hinausschauen für den weiteren Lebensweg prägend sein kann, liegt auf der Hand. Zudem verlangt die Ausbildung auch, dass sich der Lernende in eine zu Beginn fremde Familie einfügt. Landwirte wohnen in der Regel im Haus des Lehrmeisters und werden damit während ihrer Ausbildungszeit zu einem Teil der Familie. Für Martin Willi, Ausbildungsleiter der landwirtschaftlichen Berufe am BZB Rheinhof in Salez, zwingt dies die Lernenden zu einem Ortswechsel und ist eine Bereicherung im Leben der jungen Menschen.

Breite Palette

So vielseitig wie der Beruf des Landwirts sind auch die Lehrbetriebe. Ein Blick auf die Lehrstellenliste im Internet zeigt, dass es in den Kantonen St. Gallen, beider Appenzell und dem Fürstentum Liechtenstein 229 Möglichkeiten gibt, seinen Wunschberuf zu erlernen. Gemäss Martin Willi werden nicht alle Lehrstellen besetzt, «aber das ist aus unserer Sicht eher ein Vorteil, weil damit der Markt spielt. Attraktive Betriebe, welche eine gute Ausbildung ermöglichen werden bevorzugt, andere haben eher Schwierigkeiten, einen Lernenden zu finden.»

Früher war es so, dass der praktische Teil der landwirtschaftlichen Ausbildung auf dem Heimbetrieb möglich war. «Dies gehört der Vergangenheit an, respektive ist nur möglich, wenn der elterliche Betrieb als Lehrbetrieb anerkannt ist.» Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat, wie Martin Willi ausführt, explizit die Angleichung der landwirtschaftlichen Ausbildung an die übrigen gewerblichen Berufe angestrebt.

Praxis und Theorie

Wer drei Jahre in seine Ausbildung investiert, dabei einmal wöchentlich die Schulbank drückt und dann, im dritten Lehrjahr, erst noch 880 Lektionen in Salez oder – je nach Ausbildungsvertrag – einer anderen landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte absolviert, nimmt sein Fähigkeitszeugnis mit dem entsprechenden Stolz entgegen. Der Weg bis zum festlichen Abschlusstag ist gespickt mit zahlreichen Herausforderungen und – wie es in der Landwirtschaft üblich ist – langen Arbeitstagen. Doch genau dies scheint die jungen Berufsleute wenig zu stören, meist sind es Bauernsöhne und -töchter, welche anpacken gewohnt sind. Ein Blick auf die vertraglichen Vereinbarungen zeigt, dass die Lernenden in der Landwirtschaft eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 55 Stunden haben.

Sie haben Anspruch auf eineinhalb freie Tage pro Woche. Die Entschädigung ist abgestuft, wobei der Minimallohn im ersten Lehrjahr 1100 Franken, im zweiten 1250 Franken und im dritten dann 950 Franken beträgt. Was auf den ersten Blick widersprüchlich scheint, hat durchaus seinen Grund: Im dritten Lehrjahr haben die Lernenden ein ganzes Semester Vollzeitunterricht zu absolvieren und sind deshalb weniger im Lehrbetrieb.

Nebst der klassischen Ausbildung zum Landwirt EFZ bietet sich auch die Möglichkeit einer verkürzten Zweitausbildung. Diesen Weg beschreiten junge Menschen, welche bereits einen Beruf erlernt haben, für die Übernahme des elterlichen Betriebs aber das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Landwirt benötigen. Nur so sind sie berechtigt, bei der Hofübernahme in den Genuss von einer Starthilfe in Form eines zinslosen Darlehens zu kommen und erhalten die für den Betrieb vorgesehenen Direktzahlungen.

Agrarpraktiker können die Ausbildung innerhalb von zwei Jahren absolvieren. Das Schwergewicht liegt, wie die Berufsbezeichnung sagt, auf dem praktischen Bereich. Agrarpraktiker dürfen einen direktzahlungsberechtigten Betrieb führen, erhalten aber keine Starthilfe.

Der zum Landwirtschaftlichen Zentrum Rheinhof in Salez gehörende Bauernhof. (Bilder: Adi Lippuner)

Der zum Landwirtschaftlichen Zentrum Rheinhof in Salez gehörende Bauernhof. (Bilder: Adi Lippuner)

Erfolg hat nur, wer Freude am Umgang mit Pflanzen, Tieren und Maschinen hat. (Bild: Reto Martin)

Erfolg hat nur, wer Freude am Umgang mit Pflanzen, Tieren und Maschinen hat. (Bild: Reto Martin)

Martin Willi Ausbildungsleiter Landwirtschaftliche Berufe BZB Rheinhof

Martin Willi Ausbildungsleiter Landwirtschaftliche Berufe BZB Rheinhof

Bild: ADI LIPPUNER

Bild: ADI LIPPUNER