Zur Eheberatung in die Stadt: Die Evangelische Kirche beider Appenzell beteiligt sich ab 2020 an der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in St. Gallen 

Die Synode der Evangelisch-Reformierten Landeskirche beider Appenzell hat beschlossen, die St. Galler Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen ab 2020 mit einem jährlichen Beitrag von 20'000 Franken zu unterstützen. 

Claudio Weder
Drucken
Teilen
Kirchenrat Thomas Gugger, Kirchenratspräsident Koni Bruderer und Kirchenrätin Regula Gamp (v. l. n. r.) (Bild: Claudio Weder)

Kirchenrat Thomas Gugger, Kirchenratspräsident Koni Bruderer und Kirchenrätin Regula Gamp (v. l. n. r.) (Bild: Claudio Weder) 

«Es scheint, als ob dieses Thema nie zur Ruhe kommen würde», sagte Kirchenrätin Regula Gamp an der Herbstsynode der Evangelisch-Reformierten Landeskirche beider Appenzell. Gemeint war damit die Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, die an der heutigen Sitzung in Herisau bereits zum wiederholten Mal auf der Traktandenliste stand. Nun ist das Thema aber endgültig vom Tisch: Die Synode hat beschlossen, in Zukunft mit der Beratungsstelle der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St. Gallen zusammenzuarbeiten.

Rückblick: Im Herbst 2018 hat die Synode auf Antrag des Kirchenrates die Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen aufgelöst. Als Ersatz schlug der Kirchenrat eine Liste mit Beraterinnen und Beratern vor, die an verschiedenen Orten aufgelegt und abgegeben werden könnte. Dies wird mit dem jüngsten Beschluss des Kirchenparlamentes nun aber hinfällig: Die Synode hat diesen Beschluss aufgehoben und entschieden, die Einzel-, Paar- und Familienberatung der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St. Gallen ab dem Jahr 2020 bis zum Jahr 2024 mit einem jährlichen Beitrag von 20000 Franken zu unterstützen. Diese Variante, die der Kirchenrat schon einmal diskutiert hatte, die dann aber gescheitert war, erachtet der Kirchenrat als eine «ehrliche, stabile und qualitativ sinnvolle Lösung».

Mit einer Beteiligung an der Beratungsstelle in St. Gallen besteht laut Kirchenrat für die Betroffenen die Möglichkeit, aus mehr als einem oder zwei Beraterinnen oder Beratern auszuwählen. Weil die Beratungskosten in St. Gallen nach Einkommen berechnet würden, hätten zudem auch finanzschwächere Personen die Möglichkeit, sich beraten zu lassen, so ein Synodenmitglied.

Eine günstige Variante

Kritisiert wurde lediglich der vorgesehene jährliche Beitrag in der Höhe von 20000 Franken. Martin Breitenmoser (Appenzell) etwa störte sich daran, dass dieser Betrag nicht verifiziert sei, und schlug dem Kirchenrat eine Pro-Kopf-Abrechnung vor. Esther Johnson (Heiden) teilte seine Auffassung. «Ich finde es störend, dass wir mit einer Zahl konfrontiert werden, von der wir nicht wissen, auf welcher Grundlage diese berechnet wurde.» Ebenso gab ein Mitglied der Synode zu bedenken, dass – ausgehend von der Anzahl von 15 laufenden Fällen pro Vierteljahr – der Betrag in der Höhe von 20000 Franken schnell aufgebraucht wäre.

Zur Wahl des Finanzierungsmodells sagte Regula Gamp: «Wir wollen die Beratungsstelle in St. Gallen unterstützen und ein Teil davon sein. Bei einer Pro-Kopf-Abrechnung wäre dies aber nicht möglich – dann hätten wir bloss einen Leistungsauftrag.» Die Beratungsstelle in St. Gallen finanziert sich durch einen Pro-Kopf-Beitrag der Kirchgemeinden. Hinzu kommt gemäss Gamp ein Betrag der Landeskirchen in der Höhe von 90000 Franken. «Wenn wir diesen Berechnungsmassstab übernehmen würden, hätten wir doppelt so hohe Kosten. Das könnten wir uns nicht leisten», so Gamp. Die Kirchenrätin betonte, dass die gewählte Beteiligungslösung im Vergleich zur früheren eigenen Beratungsstelle, die mit Kosten von jährlich 50000 bis 60000 Franken verbunden war, ein «Geschenk» sei.

Für 2020 ist ein Verlust budgetiert

An der heutigen Sitzung kam auch das Budget 2020 zur Sprache. Dieses schliesst mit einem Ausgabenüberschuss von 8000 Franken rund 72000 Franken tiefer ab als das Budget 2019. Den Mehraufwand begründete Kirchenrat Thomas Gugger nicht nur durch die anfallenden Beratungskosten, sondern auch durch Stufenanstiege der Löhne, Studienurlaube und Weiterbildungen. Ebenfalls würden Kosten für den Appenzeller Kirchentag anfallen, der am 16. Mai 2020 in Herisau stattfinden soll.