Zum Wohl der Wildtiere: Jäger entfernen Stacheldraht

Zäune können zu Todesfallen für Wildtiere werden. Sie sollen daher möglichst bald verschwinden. In Appenzell Innerrhoden setzen sich die Jäger freiwillig ein, um Tiertragödien zu verhindern.

Karin Erni
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Stacheldrähte können Wildtiere schwer verletzen.

Stacheldrähte können Wildtiere schwer verletzen.

Bidl: Sina Schuldt/Keystone

Mancher Wanderer hat sich schon geärgert, wenn ein Stacheldraht ihm die Hose zerrissen hat und auch bei Bikern sorgen herumliegende Drähte öfter für ungeliebte Platten.

Philipp Broger, Präsident Patentjägerverein AI

Philipp Broger, Präsident Patentjägerverein AI

Bild: PD

Doch weitaus schlimmere Folgen haben diese Zäune für die Fauna. «Stacheldrähte sind gefährliche Fallen für wildlebende Säugetiere und Vögel. Gerade das mittlerweile sehr seltene Auerhuhn erkennt den Stacheldraht im An- und Abflug nicht und kann sich daran tödlich verletzen», sagt der Präsident des Innerrhoder Patentjägervereins Philipp Broger.

«Aber auch für Gams- Reh- und Rotwild sind Stacheldrähte problematisch, wie ein aktueller Fall eines verfangenen und verendeten Hirschstieres auf der südlichen Weissbachtalseite unlängst gezeigt hat.»

Im Kanton Graubünden sind Stacheldrahtzäune verboten und im Kanton St.Gallen will die im letzten Sommer eingereichte Tierleidinitiative ein solches Verbot erwirken.

In Innerrhoden setzt die Jägerschaft auf Eigeninitiative. Sie will solche Tiertragödien verhindern und setzt sich aktiv für eine Verringerung der Zahl der Stacheldrähte auf den Alpen und Weiden ein.

10 Kilometer abgebaut

Im Rahmen von Hegeinsätzen werden diese fortlaufend entfernt. «Die letzten beiden Jahre haben wir auf den Weiden Pfingsten in Gontenbad, Ochsenhöhi und Steigershöhi, Dornesslen, Gächten, Wartegg, Studen, und Gross Chenner eine Distanz von rund zehn Kilometern abgebaut. Einzig an gefährlichen Absturzstellen werden die Stacheldrahtzäune stehen gelassen. Die Häge waren zwei- oder dreifach bespannt, das ergab eine ziemliche Ladung Draht zu entsorgen.»

Viel geleistet: In den vergangenen zwei Jahren haben die Innerrhoder Jäger zehn Kilometer Stacheldraht entfernt.

Viel geleistet: In den vergangenen zwei Jahren haben die Innerrhoder Jäger zehn Kilometer Stacheldraht entfernt.

Bild: PD

Zwar gebe es auch nach der Aktion immer noch ziemlich viel Stacheldraht auf Innerrhoder Alpen und Weiden, so Broger. «Aber ein Anfang ist gemacht.» Der Kontakt zwischen der Jägerschaft und den Landwirten fördere das gegenseitige Verständnis und trage ebenfalls zur Entspannung der Wald-Hirsch Situation bei, ist er überzeugt.

Eine Dienstleistung für Bauern und Sennen

Am diesjährigen Hegeeinsatz nahmen acht Jungjägerinnen und Jungjäger des neuen Jagdlehrgangs 2020 – 2023 von Appenzell Innerrhoden teil. «Der Lehrgang dauert drei Jahre und beinhaltet eine vielseitige Ausbildung über die Jagd, die wildlebenden Säugetiere und Vögel, das Gesetz, den Umgang mit Waffen und ökologische Zusammenhänge», erklärt Philipp Broger. Das Entfernen der Stacheldrähte werte die Lebensräume der Tiere in ihrer Qualität deutlich auf und das sei im Sinne der Jäger und der Allgemeinheit. «Es ist zudem eine Dienstleistung für die Bauern und Sennen, die dies sehr schätzen.»

Zwar entstünde ihnen dadurch eine gewisse Mehrarbeit, weil sie künftig mobile Elektrozäune auf- und wieder abbauen müssen. «Doch die meisten Landwirte sehen den Sinn der Massnahme ein und zeigen sich aufgeschlossen.»