Zum Schutz des Wildes: Innerrhoden will das Drohnenverbot im Alpstein auf kommenden Sommer in Kraft setzen

Das geplante Drohnenverbot im Alpstein ist dasjenige Geschäft, das den Innerrhoder Bauherrn Ruedi Ulmann derzeit am meisten beschäftigt. Im Sommer soll es in Kraft treten, wie er am «Dreikönigsgespräch» der GFI bekannt gab. Ebenfalls im Gange ist ein neuer Anlauf zur Einführung von Wildruhezonen.

Claudio Weder
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Sollte das Drohnenverbot im Sommer in Kraft treten, braucht es für Such- und Rettungsflüge im Alpstein in Zukunft eine Bewilligung.

Sollte das Drohnenverbot im Sommer in Kraft treten, braucht es für Such- und Rettungsflüge im Alpstein in Zukunft eine Bewilligung.

Bild: Imago

«Das Innerrhoder Bau- und Umweltdepartement hat viele, ja fast alle Themen in der Hand, welche zur Zeit die Öffentlichkeit bewegen.» Mit diesen Worten leitete Josef Manser, Präsident der Gruppe für Innerrhoden (GFI), am Montagabend das «Dreikönigsgespräch» im Restaurant Stossplatz in Appenzell ein. Zu Gast war Bauherr Ruedi Ulmann. Während des Gesprächs stellte sich heraus: Das Thema, welches im Bau- und Umweltdepartement zur Zeit oberste Priorität geniesst, ist nicht etwa der geplante Spitalneubau oder das Hallenbad:

«Neben dem Kredit für die Erstellung des Kreisels im Raum Schmittenbach ist unser wichtigstes Geschäft im Moment das geplante Drohnenverbot.»
Ruedi Ulmann, Bauherr AI

Ruedi Ulmann, Bauherr AI

Bild: PD

Speziell im Alpsteingebiet habe das Drohnenproblem massiv zugenommen. Wie Ulmann im vergangenen Oktober gegenüber dieser Zeitung sagte, würden Drohnenflüge dabei nicht nur den Menschen, sondern vor allem auch die Wildtiere in ihrem natürlichen Lebensraum stören. Der aktuelle Stand der Vorlage? «Nach der Vernehmlassung sind wir nun soweit, dass das Geschäft spätestens an der Junisession im Grossen Rat behandelt werden kann», sagte Ulmann. Ziel sei es, das Verbot, das in der Jagdverordnung geregelt wird, noch auf die diesjährige Sommersaison in Kraft zu setzen.

Vom Verbot seien vor allem Freizeitflüge betroffen, so Ulmann weiter. Drohnenflüge im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sowie Such- und Rettungsflüge sollen weiterhin möglich sein. Dafür brauche es aber in Zukunft eine Bewilligung.

Wildruhezonen werden erneut in Betracht gezogen

Ein weiteres Thema des Abends betraf ebenfalls die kantonale Jagdgesetzgebung. Anfang 2018 hat die Standeskommission das Konzept Wald und Hirsch verabschiedet. Ruedi Ulmann sagte:

«Die Hirschpopulation hat massiv zugenommen – und mit ihr die Schäden in den Wäldern.»

Diese Schäden würden unter anderem deshalb auftreten, weil das Wild in seinem natürlichen Lebensraum gestört werde. Als eine weitere Massnahme zum Schutz des Wildes sei daher ein erneuter Anlauf zur Einführung von Wildruhezonen im Gange, so Ulmann.

Bereits 2009 gab es Bestrebungen, im Rahmen der Revision der Jagdverordnung saisonale Begehungsverbote im Alpstein zu erlassen. Das Inner­rhoder Stimmvolk schickte die Vorlage an der Landsgemeinde allerdings bachab. Die zweite Vorlage ist laut Ulmann nun bereits soweit gediehen, dass sie demnächst der Standeskommission und in der Folge dem Grossen Rat vorgelegt werden könne.

«Wir versuchten dabei alle Beteiligten ins Boot zu holen, etwa den Tourismus, den SAC, verschiedene Verbände sowie Vertreter aus Land- und Forstwirtschaft.»

Ziel soll es sein, auch die Bedürfnisse der Einheimischen und des Tourismus zu berücksichtigen und etwa dafür zu sorgen, dass bestimmte, oft begangene Ski- oder Schneeschuhrouten weiterhin begangen werden dürften.

Kritik an Innerrhoder Energiepolitik

Im weiteren Verlauf des Gesprächs musste sich der Vorsteher des Innerrhoder Bau- und Umweltdepartementes auch Kritik anhören. Vor allem im Bereich der Energiepolitik. «Bis 2050 müssen wir 20 Prozent eigene Energie produzieren. Innerrhoden hätte die besten Mittel dazu, doch macht viel zu wenig draus», sagte einer der Anwesenden.

Mit dieser Äusserung spielte er auf die Windenergie an, die für ihn die «billigste und effizienteste» erneuerbare Energiequelle wäre. Er ärgerte sich darüber, dass im Rahmen der Interessensabwägung im Zusammenhang mit dem Windkraftstandort Honegg/Oberfeld ein Einwendeverfahren «inszeniert» worden sei und die Standeskommission nun gewissermassen die ablehnende Haltung der Nachbarkantone übernehme. «Warum kann Innerrhoden nicht selbst entscheiden?», fragte er.

Für Ulmann sind die Spielregeln klar: «Bei der Festsetzung eines Richtplaneintrags sind die Einwendungen ebenfalls Teil des Prozesses. Und diese muss man berücksichtigen.» Zudem werde in Innerrhoden der Landschaftsschutz höher gewichtet als die Energievorgaben, so der Bauherr. Letzteres ist auch einer der Gründe, warum die Standeskommission die Initiative Pro Windenergie, die vermutlich 2021 vor die Landsgemeinde kommt, ablehnt. An der Dezembersession wurde die Standeskommission vom Grossen Rat beauftragt, einen Gegenvorschlag auszuarbeiten. Zu diesem wollte sich Ulmann am Montag aber nicht äussern.

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Christa Kamm-Sager