Zum Abschied eine Premiere

Im September wird in der Wiler Tonhalle die Komödie «Abendstunde im Spätherbst» aufgeführt. Zum ersten Mal in diesem Jahrtausend wird ein Stück von Friedrich Dürrenmatt in Wil zu sehen sein.

Simon Dudle
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wil. Optimal wäre gewesen, wenn im vergangenen Jahr ein Stück von Friedrich Dürrenmatt hätte aufgeführt werden können, da sich 2010 der Todestag des Berner Schriftstellers zum 20. Mal jährte. Ein Jahr später, nämlich am 23. September des laufenden Jahres, ist es nun aber so weit, und «Abendstunde im Spätherbst» wird in der Tonhalle aufgeführt. Nur zu gerne hätte Susanna Wipf, die künstlerische Gesamtleiterin der Tonhalle Wil, bereits viel früher ein Stück von Dürrenmatt gezeigt, jedoch verkaufte der Schriftsteller die Rechte für die Gastspieltheater kurz vor seinem Tod an eine Person in Deutschland. Nun aber gastiert das Berliner Kriminal Theater unter der Regie von Ulrich Voss in der Äbtestadt und spielt Dürrenmatt. «Das Stück wurde ursprünglich als Hörspiel geschrieben und ist eine Delikatesse», sagt Wipf.

«Jedermann» mit Einführung

Auch im weiteren Verlauf der Saison 2011/2012 sind einige Höhepunkte geplant, so zum Beispiel des Kriminalstück «Misery» von Simon Moore, welches den gleichnamigen Roman von Stephen King als Basis hat. Genau wie das Stück von Dürrenmatt wird auch «Misery» ein Zweipersonenstück sein. Die Anzahl Schauspieler wird sich knapp zwei Wochen später ändern, wenn am 11. November «Jedermann», bekannt von den Festspielen in Salzburg, aufgeführt wird. «Dieses Stück birgt ein gewisses Risiko, weil wir eine ziemlich kleine Bühne haben», sagt Susanna Wipf. Ihr war aber wichtig, die bald 80jährige Schauspielerin Ellen Schwiers in Wil zu haben. Ab 19 Uhr findet an diesem Tag in der Tonhalle eine Einführung mit Schwiers statt.

Gar ein grosses Risiko stellt für Wipf die Aufführung der «Zauberflöte» dar, die am 19. und 20. November von der Kleinen Oper Bad Homburg aufgeführt wird. Da das Orchester zu teuer gewesen wäre, wurde das Jugendorchester Wil unter der Leitung von Martin Baur angefragt, ob es in der Zauberflöte mitwirken wolle. Dieses sagte zu und kommt im Rahmen seiner 30-Jahr-Feierlichkeiten zu einem besonderen Höhepunkt. Es wird eine gekürzte Version aufgeführt, die nicht drei Stunden dauert. Da die erste gemeinsame Probe erst am Tag vor der ersten Aufführung stattfinden kann, spricht Wipf von einer grossen Herausforderung.

Erinnerungen an Woodstock

Ein weiterer Höhepunkt wird die Inszenierung von «Moby Dick» am 26. November sein. Die ersten drei Monate des Jahres 2012 stehen dann im Zeichen des Musiktheaters Wil, welches «Die Banditen» von Jacques Offenbach aufführt. Bis jetzt steht allerdings noch nicht fest, wer die Solisten sind. Klar ist aber, dass die Aufbauarbeiten bereits am 13. Dezember beginnen und darum auch für das Neujahrskonzert etwas gefunden werden musste, das vom Bühnenbild her passt. Am 1. Januar wird ein humoristisches Konzert mit dem Titel «Blau, an der schönen Donau» gespielt. «Das passt gut zu einem Neujahrstag», sagt Wipf.

Zum Saisonabschluss – es wird gleichzeitig nach 13 Jahren der Abschied von Wipf sein – wird die Rock-Oper «The Who's Tommy» aufgeführt. Dabei werden sich gestandene Semester an Woodstock erinnern, auch wenn es ein Remake eines polnischen Ensembles ist.

Das komplette Saisonprogramm 2011/2012 der Wiler Tonhalle ist ab Anfang Juni unter www.tonhallewil.ch einsehbar.

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