Zuerst in den Köpfen aufräumen

Die Absicht ist begrüssenswert und löblich. Ein paar Fans des FC St. Gallen sollen künftig unter dem Stichwort «Projekt Littering» die Extrazüge, die den grün-weissen Anhang zu den Auswärtsspielen und wieder zurück nach St. Gallen transportieren, einer Grobreinigung unterziehen.

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Die Absicht ist begrüssenswert und löblich. Ein paar Fans des FC St. Gallen sollen künftig unter dem Stichwort «Projekt Littering» die Extrazüge, die den grün-weissen Anhang zu den Auswärtsspielen und wieder zurück nach St. Gallen transportieren, einer Grobreinigung unterziehen. Sie dürfen dafür gratis mitfahren und ausserdem ist ihnen freier Eintritt für das Spiel ihrer Lieblinge gewährt. Die beiden seit einem Jahr tätigen Fanarbeiter des FC St. Gallen haben das Projekt aufgegleist.

So positiv die Sache grundsätzlich daherkommt, so schal ist der Beigeschmack, der sie eben doch begleitet. Ich frage mich einfach, weshalb es denn nicht möglich sein soll, einen Fan-Extrazug so zu hinterlassen, dass es dieser Reinigungsequipe gar nicht bedarf. Sind Fans wirklich nicht in der Lage, die Hin- und Rückfahrt zu den Spielen einigermassen gesittet hinter sich zu bringen? Schalten sie den Ordnungssinn aus, sobald sie im Rudel einen Zug besteigen? Sinnvoll wäre es deshalb, wenn die Fanarbeiter ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf die Folgen der tadelnswerten Handlungen richteten, sondern bereits auf deren Ursachen. Erich Kästner sei zitiert, der in seinem auch für Erwachsene allemal lesenswerten Kinderbuch «Das fliegende Klassenzimmer» Professor Kreuzkamm sagen lässt: «An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.» In diesem Sinne sollte man zunächst einmal in den Köpfen der Fans Ordnung schaffen. Dann müssten vielleicht keine Eisenbahnwaggons mehr aufgeräumt werden.

Martin Hüsler