ZÜRITÜTSCH: Im Club 100 bis Hundert

Selten genug kann im Toggenburg echtes Kabarett erlebt werden. Am Samstag jedoch kam mit Patrick Frey ein Vertreter des literarischen Kabaretts nach Unterwasser.

Michael Hug
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Patrick Frey live im Zeltainer: Zwei Stunden Unterhaltsames über das Altern und Sterben. (Bild: Michael Hug)

Patrick Frey live im Zeltainer: Zwei Stunden Unterhaltsames über das Altern und Sterben. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

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«Ich möchte sie heute Abend einfach nur unterhalten mit ein paar heiteren, unbeschwerten Geschichten über Alter, Krankheit, Tod, Sterbehilfe.» Er sagt dies in «Züritütsch», dem Zürcher Dialekt, mit dem man ihn kennt von Kabarett, Funk und Fernsehen, er, der eigentlich in Bern geboren ist und das «y» im Namen trägt, das auf ein altes Geschlecht aus dem Nordaargauischen hinweist. Patrick Frey macht zurzeit auf live und solo, auch oder erst recht jetzt, wo er das reguläre Pensionsalter schon um ein Jahr und vier Monate überschritten hat. Er hat ein Programm kreiert, das er «Dormicum» nennt, einen Begriff, den er aus der pharmazeutischen Erzeugnistabelle entlehnt hat und der für ein Schlafmittel steht. Dabei nimmt der Kabarettist in Kauf, weil er ziemlich sicher weiss, dass es nicht geschieht, dass das Publikum oder Teile davon während seines Monologs einschläft.

Das Alter und das Altern

Freys Thema ist das Alter oder Altern, wie er eingangs erwähnt, er spricht vom Todlachen als günstige Variante der Sterbehilfe: «Stellt euch mal vor, so ein Lachseminar, eine Stunde, das reicht zum Gehen, kostet um die 65 Franken, jetzt könnt’ ihr gerne mal eine Sterbehilfeorganisation anrufen und fragen, ob sie euch für 65 Franken um die Ecke begleitet — da kommt ihr dann auf die Welt, kurz bevor ihr geht.» Der Mann aus Zürich, der selbst, wie er einwirft, «auf die siebzig zugeht, kommt nur drauf an, von welcher Seite», spricht im Tempo eines feuernden Maschinengewehrs und packt völlig emotionslos, aber voller Ironie, die bisweilen bis zum Sarkasmus reicht, ein recht schwieriges Thema an: «Wenn eure Freunde nicht mehr zu dir sagen: Du siehst aber alt aus heute, sondern: Du siehst aber nicht gut aus heute, dann wisst ihr, dass ihr alt seid. Mir hat schon lange niemand mehr gesagt, ich sähe alt aus.»

Sein Exkurs über das delikate Thema greift weit und hält vor keinem Tabu. «Ihr wisst, dass Natriumpentobarbital bei der Sterbehilfe gebraucht wird. In den USA braucht man das Zeug für Hinrichtungen, dort wird es in Kombination mit Dormicum eingesetzt. Leider kann darum Dormicum fast nicht mehr für andere Zwecke verkauft werden.» Man stelle sich vor, man komme mit einem Blinddarm in den Spital und der Arzt verabreiche zur Beruhigung ein Dormicum: «Und dann fragen sie: Wirkt dies auch tatsächlich? Und der Arzt sagt: Ja todsicher!» Ja manchmal muss man halt um die Ecke denken — und die Lacher aus dem Publikum kommen verzögert.

Kein Marktschreier

Frey, Kabarettist, Autor, Verleger und Schauspieler, ist ein Multitalent, der seine Metiers beherrscht. Er ist kein marktschreiender Luftverkäufer, was er in die Hände nimmt — oder eben in den Mund — hat Hand und Fuss. Oder ein Gesicht. Wenn er vom Altern und Altwerden spricht, lässt er auch das Thema «äussere Korrekturen» nicht aus. Der grösste Teil aller Gesichtscremen werde ja für die Faltenglättung hergestellt und angepriesen, mit was sonst als mit Falten im Gesicht sei das Altern besser erkennbar. Darum tragen derartige Produkte verschleiernde, stets auf englisch gehaltene Namen, auf dass nur Dazugehörende erkennen, worum es geht.

Und so schwadroniert sich Frey durch sein Programm, vermittelt neue Erkenntnisse der Altersmedizin (Hodensackstraffung), spricht von Altersklischeetypen (Sekundarlehrer) und plädiert für das Autofahren bis ins hohe Alter: «Ich werde bis an meinem letzten Tag selber Autofahren, ich bin im Club 100 bis Hundert.»

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