Zügeln die Mühlrütner Schützen?

MOSNANG/MÜHLRÜTI. Von vier Schützenvereinen in der Gemeinde Mosnang fusionieren wahrscheinlich in Kürze deren zwei. Mosnang und Mühlrüti könnten sich am 30. Oktober nach eineinhalbjähriger Fusionsphase die Hand reichen. Ab kommendem Jahr wird diesem Sport in Mühlrüti wohl nicht mehr gefrönt.

Beatrice Bollhalder
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Am vergangenen Samstag wurde im Schiessstand in Mühlrüti zum letzten Mal das Endschiessen-Programm absolviert. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Am vergangenen Samstag wurde im Schiessstand in Mühlrüti zum letzten Mal das Endschiessen-Programm absolviert. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Das Schiessen ist ein traditionsreicher Sport, der bisher fast in jedem Dorf der Schweiz gepflegt wurde. In die Anlagen wurde in den letzten Jahrzehnten nicht nur viel Geld, sondern auch viel Herzblut gesteckt. So sind fast überall elektronische Trefferanlagen installiert worden. Beim Schiesssport wird aber auch auf die Kameradschaft Wert gelegt, deshalb gehört zu den meisten Schützenhäusern eine einladende Schützenstube dazu. Wenn nun ein Verein seinen Standort aufgibt, hat das meist für das ganze Dorf eine gewisse Bedeutung.

Entscheid für den Sport

Kürzlich ist bekannt geworden, dass sich die Vereine aus Mosnang und Mühlrüti dazu entschlossen haben, eine Fusion einzugehen. Mühlrüti soll nun also auf diesen Treffpunkt im Dorf verzichten. Hat man sich diesen Entscheid leicht gemacht? «Unsere Fusion mit Mosnang ist nicht umstritten», hält Präsident Hanspeter Widmer fest, «denn es gibt da zwei Seiten». Als erstes nennt er die sportliche Seite. Es sei wichtig, dass den derzeit 14 lizenzierten Mitgliedern eine zweckmässige Anlage zur Verfügung stünde, erklärt Widmer. Das Schiessen ist zu einem Sport geworden, der höchste Präzision und damit viel Training verlangt, und zwar in allen drei Stellungen. Zudem muss auch dem Nachwuchs die nötige Infrastruktur geboten werden können. Aber natürlich sei die emotionale Seite auch wichtig, hält Widmer fest. «Mir wird das Herz bluten, wenn ich den Schlüssel das letzte Mal im Schloss drehen werde und dem neuen Besitzer übergebe. Doch da müssen wir durch und in die Zukunft blicken. Da spielt die Musik und nicht in der Vergangenheit – von dort hört man nur noch das Echo», bedauert Hanspeter Widmer das Ende einer Tradition. Jene Schützen, die am vergangenen Samstag zum letzten Mal ihr Endschiessen in Mühlrüti absolviert haben, sind alle der Meinung, dass es schade sei. So wie Armin Breitenmoser und Sepp Meile, die dazu raten, realistisch in die Zukunft zu blicken, sehen auch ihre Vereinskollegen, dass eine Fusion auch ihre Vorteile hat. In Mühlrüti muss nämlich jedesmal, wenn jemand die Strasse, die oberhalb des Schiessstandes vorbeiführt, befahren will, das Programm unterbrochen werden. Zudem ist in diesem Stand das Liegend-Schiessen bequem möglich, kniend geht es unter Umständen auch noch, aber stehend haben die Sportler keine Chance, zu üben. In Mosnang erwartet die fusionswilligen Mühlrütner nicht nur ein grosszügiger Schiessstand, sondern auch eine gemütliche Schützenstube – etwas, was es in der 144jährigen Geschichte des MSV Mühlrüti nicht gab.

So sieht die Aussicht für die Mitglieder des fusionierten Vereins aus. (Bild: Beatrice Bollhalder)

So sieht die Aussicht für die Mitglieder des fusionierten Vereins aus. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Mit Schützenfest verabschieden

Die Schützengesellschaft Mosnang hat sich bereits im Jahr 2013 mit einem Schreiben über den Sachverhalt betreffs Weiterführung ihres Vereins an die drei weiteren Schützenvereine der Gemeinde gewandt. Im Dezember desselben Jahres kamen die Delegationen aller Vereine zu einer Besprechung zusammen. Der MSV Libingen und der MSV Wiesen hätten damals kein Interesse gezeigt, erzählt Hanspeter Widmer. «Wir hatten dies vorerst auch nicht im Sinn. Wir haben an einer Mitgliederversammlung im November 2013 aber darüber diskutiert. Ebenfalls an der Hauptversammlung im darauffolgenden Frühling, an welcher dann auch der Grundsatzentscheid für eine Fusion gelegt worden ist», erinnert sich Hanspeter Widmer zurück.

Im kommenden Frühling ist in Mühlrüti noch ein letztes Schützenfest geplant. Danach werden im dortigen Schützenhaus, das Eigentum des Militärschützenvereins Mühlrüti ist, die Anlagen demontiert und in Mosnang installiert. Wie geht es mit dem dann leerstehenden Gebäude weiter? «Es wird verkauft. Es gibt dafür bereits Interessenten. Aber über die Nutzung kann ich noch keine Auskunft geben», führt Hanspeter Widmer aus. Der Scheibenstand, er befindet sich auf privatem Grundeigentum oberhalb von Bechten, wird im kommenden Jahr zurückgebaut. Erdmaterial, das mit Blei belastet ist, muss fachgerecht entsorgt werden. Das ist Aufgabe der Standortgemeinde. Der Gemeinderat von Mosnang hat bereits Abklärungen getroffen und die Kosten erhoben. Diese werden im Voranschlag 2016 eingestellt. Die Arbeiten sollen im kommenden Jahr ausgeführt werden. Anschliessend kann das Land dann wieder landwirtschaftlich genutzt werden.

Jungschützenkurs anbieten

Warum ist überhaupt die Frage nach einer Fusion gestellt worden? Die Mitgliederzahl der Schützengesellschaft Mosnang ist gemäss Präsident Josef Müller rückläufig. Derzeit zählt der Verein gerade noch acht lizenzierte Schützen. «Das Schützenhaus einfach zu schliessen, dafür wäre es zu schade gewesen. Denn wir haben hier grosszügige Verhältnisse», erklärt Josef Müller. Das sei der Grund gewesen, warum er bei den anderen Vereinen angeklopft habe. Er ist froh, mit Mühlrüti einen Fusionspartner gefunden zu haben. Das bedeutet unter anderem, dass künftig in Mosnang auch wieder ein Jungschützenkurs angeboten werden kann. Gemeinsam wird man die erforderliche Mindestzahl an Teilnehmern erreichen. Mosnang hatte in den letzten Jahren keinen Kurs mehr durchgeführt, Mühlrüti musste gar eine Spezialbewilligung beantragen.

Die Anlage in Mosnang ist weiter von der Bauzone entfernt als jene in Mühlrüti. Zudem verfügt die Schützengesellschaft Mosnang über ein ansehnliches Schützenhaus mit Schützenstube. Mit dem Ausbau der bisherigen sechs auf neu acht Scheiben (diese werden in Mühlrüti abgebaut) lässt sich der Schiessbetrieb ideal auf einen Standort konzentrieren. «Nebst jener Zeit, die für den Jungschützenkurs benötigt wird, gibt es keine weitere Belastung. Da wir zukünftig auf acht Scheiben trainieren werden, sind die Schiesszeiten im Rahmen jener vor etwa 15 Jahren», erläutert Josef Müller. Das Schützenhaus, das von den Mosnanger Schützen im Jahr 1974 im Baurecht auf dem Land der Gemeinde erstellt und seither vom Verein betrieben worden ist, gehört seit Ablauf des Baurechtsvertrages der Gemeinde. Der Gemeinderat wird das Schützenhaus dem fusionierten Verein gegen Übernahme der Betriebs- und Unterhaltskosten unentgeltlich zur Nutzung überlassen. Zurzeit sind die Verantwortlichen noch damit beschäftigt, die Besitzverhältnisse respektive den Mietvertrag mit der Gemeinde zu regeln.