Zu viele Autos, blockierte Fahrbahn, gefährliche Situationen für Verkehrsteilnehmer: Der WinWin-Markt in Herisau leidet unter seinem eigenen Erfolg

Das hohe Verkehrsaufkommen bei der Entsorgungsstelle in Herisau ist ein Problem. Nun werden weitere Massnahmen ergriffen.

Alessia Pagani
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Nicht selten stauen sich die Autos bei der Entsorgungsstelle beim WinWin-Markt in Herisau bis auf die angrenzende Kantonsstrasse. Das Problem zeigt sich vor allem an den Wochenenden.

Nicht selten stauen sich die Autos bei der Entsorgungsstelle beim WinWin-Markt in Herisau bis auf die angrenzende Kantonsstrasse. Das Problem zeigt sich vor allem an den Wochenenden.

Bild: Alessia Pagani

Die Entsorgungsstelle beim WinWin-Markt in Herisau wurde 2003 eröffnet und erfreut sich grosser Beliebtheit. Mehr noch, das Angebot wird immer reger genutzt. Die abgegebene Menge an Material hat sich von rund 1074 Tonnen im Jahr 2004 auf 2398 Tonnen im 2019 mehr als verdoppelt. Pro Tag sind im vergangenen Jahr durchschnittlich acht Tonnen Material angeliefert worden. Zu den Anfangszeiten waren es noch rund 3,6 Tonnen.

Das fachgerechte Entsorgen von Abfall – was vorbildlich ist – führt bei der Entsorgungsstelle seit längerem zu Problemen. Wer nicht mehr Gebrauchtes abgeben möchte, muss sich nicht selten gedulden. Der Platz ist beschränkt. Jeweils nur einer bestimmten Anzahl Fahrzeuge wird der Zugang zum Gelände gewährt. Die Autos stauen sich zu Stosszeiten bis auf die angrenzende Cilanderstrasse. Die Problematik wird vor allem an den Wochenenden sichtbar.

Während fleissige Hände den Kofferraum vom herbeigekarrten Material befreien, blockieren Wartende die Fahrbahn und das Trottoir. Hinzu kommen jene, die bei den angrenzenden Containern Glasgut oder Dosen entsorgen. Es kommt nicht selten zu gefährlichen Situationen für alle Verkehrsteilnehmer. Die Gemeinde Herisau hat das Problem vor längerem erkannt. «Es ist eine ungute Situation beim WinWin-Markt, die teilweise zu gefährlichen Situationen führt», sagt Gemeinderat Peter Künzle, Ressortleiter Tiefbau und Umweltschutz.

«Der WinWin-Markt leidet unter dem eigenen Erfolg.»

Kuh-Bags haben Problematik verstärkt

Als Sofortmassnahme wurden in den vergangenen Jahren mehrmals die Öffnungszeiten angepasst, seit 2018 ist die Entsorgungsstelle auch mittags und samstags bis 17 Uhr geöffnet. Das Verkehrsproblem hat sich dadurch aber nicht gelöst. Im Gegenteil: Seit Einführung der Kuh-Bags Anfang 2019 werde spürbar noch mehr Material abgeliefert und die Anzahl Fahrzeuge sei nochmals angestiegen, so Peter Künzle weiter.

«Wir müssen nun wirklich eine Lösung finden.»

Seit längerem ist die Gemeinde mit der Betreiberin, der Stiftung Tosam, daran, einen neuen Standort zu suchen. Dies gestaltet sich allerdings als nicht ganz einfach. «Verschiedene mögliche Standorte wurden bereits abgeklärt und werden nun noch vertieft geprüft.» Die Abklärungen und Planungsprozesse dürften noch längere Zeit in Anspruch nehmen. «Hätten wir mehr gemeindeeigenen Boden, wäre eine neue Standortsuche einfacher», so Peter Künzle.

Der Betrieb wird deshalb noch für die nächsten Jahre am jetzigen Standort verbleiben. Um die Situation schnellstmöglich zu verbessern, hat die Gemeinde nun weitere Sofortmassnahmen beschlossen.

Zum einen werden zeitnah drei Standorte für die Abgabe von Kuh-Bags realisiert. Als zweite Massnahme zur Entlastung der WinWin-Sammelstelle soll in deren Nähe ein Sammelplatz für Glas, Papier und Karton realisiert werden. Die Genehmigung soll gemäss Künzle noch im laufenden Jahr erreicht werden, damit die baulichen Massnahmen in 2021 abgeschlossen werden können.

Entsorgungsstelle mit überregionaler Bedeutung

Gerade Altpapier macht jeweils den grössten Teil des abgelieferten Materials aus. Im vergangenen Jahr waren es über 730 Tonnen und damit rund ein Drittel der insgesamt abgegebenen Menge. Auf Platz zwei folgt Abfall und Sperrgut mit rund 570 Tonnen im 2019.

Unter den wartenden Fahrzeugen sieht man immer wieder auch solche mit auswärtigen Nummernschildern. Wie Peter Künzle bestätigt, hat die Entsorgungsstelle in Herisau grosse überregionale Bedeutung. «Der WinWin-Markt ist speziell, weil ein Brockenhaus angegliedert ist. Viele, auch von weit weg, bringen Waren im Glauben, dass diese noch gebraucht werden können.»

Einerseits verstärke dies die Verkehrsproblematik nochmals, andererseits dürfe nicht vergessen werden, dass auch mit dem Verkauf der Materialien wie Altpapier Geld eingenommen werde. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Peter Künzle:

«Wir müssen schauen, dass wir mit unserem Angebot nicht zu attraktiv werden für die umliegenden Gemeinden.»

Die Frage sei, wo die Gemeinden der A-Region (Abfallregion St.Gallen-Rorschach-Appenzell) die Zusammenarbeit in Zukunft auch in diesem Bereich verstärken können.

Im Auftrag der Gemeinde Herisau betrieben

Die offizielle Recyclingannahmestelle beim WinWin wird im Auftrag der Gemeinde Herisau betrieben, es besteht ein Leistungsauftrag. Gemäss Peter Künzle bezahlt die Gemeinde monatliche Beiträge von 14'500 Franken. 2002 wurde der WinWin-Markt als ein Betrieb der Stiftung Tosam eröffnet und wuchs kontinuierlich. Heute arbeiten rund 80 Menschen im alternativen Arbeitsmarkt mit.

Es sind Personen, die momentan im primären Arbeitsmarkt keine Chance haben. Für Künzle ist und bleibt klar: «Die Stiftung Tosam ist seit bald 20 Jahren eine sehr wichtige Institution, welche Menschen auf dem zweiten Arbeitsmarkt neue Perspektiven bietet. Wir sind froh, dass es die Stiftung gibt.»

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