Zu viel Ordnung schadet der Natur im Garten

Das Gartenjahr neigt sich dem Ende zu. Die letzten Pflanzen werden geerntet und die Beete auf den Winter vorbereitet. Wie das naturgerecht geschieht, zeigt die Familie Böni in Heiden.

Karin Erni
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Iris Böni aus Heiden bewirtschaftet gemeinsam mit ihrer Familie den Garten seit 20 Jahren nach biologischen Grundsätzen. Das Wissen dazu hat sie sich in Kursen und im Selbststudium angeeignet. Im Jahr 2004 wurden ihre Bemühungen mit dem Appenzeller Gartenpreis ausgezeichnet. Im Herbst räumt sie den Garten nicht völlig kahl, sondern lässt möglichst vieles stehen. So bleibt die Erde über den Winter geschützt und Tiere finden Nahrung und Unterschlupf. Damit Pflanzen und Tiere den Winter gut überstehen, kann man ihnen behilflich sein. Igel suchen sich gerne einen Platz unter einer Scheiterbeige oder einem Asthaufen, wo sie gut geschützt den Winterschlaf halten können.

Im Garten der Bönis findet man viele Elemente, die wichtig für ein gutes Gedeihen von Pflanzen und Tieren nötig sind. Scheiterbeigen, Asthaufen oder Trockensteinmauern. Trotzdem hätten sich bis jetzt keine Eidechsen im Garten eingefunden, sagt sie etwas enttäuscht. «Wahrscheinlich hat es zu viele Katzen im Quartier.» Wasser ist in Form eines Badeteichs vorhanden. Er dient den Menschen im Sommer zur Abkühlung, im Frühling tummeln sich darin zahlreiche Amphibien wie Frösche, Kröten oder Molche. «Besonders schön sind die vielen Libellen, die der Teich anzieht», freut sich Iris Böni. Für die Vögel hat sie Badeschalen aufgestellt, die gerne angenommen werden. In der Nähe fliesst zudem ein offengelegter Wiesenbach. Gewässer wirken temperaturausgleichend und dienen der Vernetzung.

Kletterpflanzen als natürliche Klimaanlage

Die Hausfassaden sind mit verschiedenen Kletterpflanzen begrünt. «Das ist nicht nur optisch attraktiv, sondern schützt die Fassade vor Wind und Regen und verbessert das Wohnklima im Haus», ist Iris Böni überzeugt. Spätblühende Pflanzenarten wie Efeu oder Wilder Wein sind im Herbst wichtige Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Einheimische Pflanzen haben Früchte und Samen, die Vögeln und anderen Kleintieren als Nahrung dienen. Die verblühten Karden und andere Samenstände lässt sie stehen, damit die Distelfinken im Winter Futter finden können.

«Ein Naturgarten braucht Geduld», ist sie überzeugt. «Jeden Frühling ist es eine Überraschung, was kommt und was nicht.» Tiere und der Wind bringen neue Samen. Im Gemüse- und Blumengarten finden sich viele besondere Pflanzen und Gemüsearten. «Ich bestelle jedes Jahr einige neue Sorten bei Pro Specie Rara. Manche der Pflanzen bleiben im Garten und versamen sich selbstständig.» Die Blumenwiese wird zweimal im Jahr gemäht. Wichtig sei es, Krautsäume stehen zu lassen und nicht alles abzumähen.

Vor Schädlingen bleiben Gärtnerinnen und Gärtner im naturnahen Gartenbau nicht immer gefeit. Bekämpft werden sie hier ohne Chemie. Auch bei ihr habe der Buchsbaumzünsler gewütet, sagt Iris Böni. «Doch mit der Zeit wurden immer mehr Raupen von den Meisen gefressen.» Engerlinge, die im Sommer das Gras beim Sitzplatz absterben liessen, hat Iris Böni von Hand ausgegraben. Auch Unkraut kann wertvoll sein: Aus dem Schachtelhalm, der im schattigen Teil des Gartens wuchert, macht sie Brühe zur Stärkung der übrigen Gartenpflanzen.

weiterführende Informationen sind unter www.ar.ch/ naturwerte ersichtlich