Nach der Bekanntgabe der Wiedereröffnung der Restaurants: Zu Tisch bitten im Appenzellerland noch nicht alle

Über die Wiedereröffnung der Restaurants am 11. Mai herrscht bei den Gastrobetreibern im Appenzellerland geteilte Freude.

Astrid Zysset
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Gemäss Bundesrat dürfen Restaurants ab dem 11. Mai wieder Gäste bewirten. Doch nicht alle öffnen dann tatsächlich.

Gemäss Bundesrat dürfen Restaurants ab dem 11. Mai wieder Gäste bewirten. Doch nicht alle öffnen dann tatsächlich.

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Die Säntis-Schwebebahn AG verfügt über verschiedene Restaurants. Da die Schwebebahn selbst noch nicht wieder in Betrieb ist, kann in zehn Tagen lediglich die Bewirtung auf der Schwägalp und im Gasthaus Passhöhe wieder aufgenommen werden. Immerhin – für das Unternehmen ist es schon ein grosser Schritt zurück zur Normalität. Aufgrund der bundesrätlich verfügten Schliessung der Restaurants vor sechs Wochen musste die AG rund 180 Mitarbeitende nach Hause schicken. «Seitdem warten sie auf weitere Informationen», sagt Geschäftsführer Bruno Vattioni. In einigen Tagen kann er ihnen diese endlich geben. Dann nämlich sollen die Auflagen bekannt sein, unter welchen die Betriebe wieder aufmachen dürfen. Vattioni denkt nun alle Eventualitäten durch. «Wir sind ein grösserer Betrieb und daher in der komfortablen Lage, dass wir auf vieles flexibel reagieren können.» Trotzdem ist die Unsicherheit gross. So ist beispielsweise unklar, ob ein Selbstbedienungsbereich weiterhin erlaubt sein wird. Würde dieser verboten, müsste Vattioni das gesamte Gastrokonzept überarbeiten. «Es wird wohl auch nach der Wiedereröffnung der Fall sein, dass wir laufend Feinanpassungen vornehmen müssen. Es wird dauern, bis alles reibungslos funktioniert.»

Dennoch ist bei den Gastrobetreibern Erleichterung über die bevorstehende Wiedereröffnung auszumachen. So zeigt man sich denn auch im Gasthaus Oberer Gäbris in Gais froh darüber. «Wir sind guten Mutes, dass die Wiedereröffnung glücken wird», sagt Betreiber Ralf Menet. Den Auflagen sieht er ohne Sorgen entgegen. Aufgrund der Abstandsregeln kann er wohl weniger Sitzplätze anbieten als üblich. «Aber wir haben eine grosse Terrasse. Etwas versetzt können dann wohl 70 anstatt der üblichen 100 Gäste Platz nehmen. Das ist keine grosse Einschränkung.»

Wie genau die Rahmenbedingungen für die Wiedereröffnung sein werden, ist noch offen. Das entsprechende Schutzkonzept, das Gastro Suisse zusammen mit den Bundesbehörden erarbeitet, wird anfangs nächster Woche erwartet. Dieses regelt den Abstand, den die Gäste einhalten müssen, hält fest, ob die Mitarbeitenden Masken tragen oder ob die Öffnungszeiten eingeschränkt werden müssen. «Wir werden uns mit neuen Arbeitsbedingungen auseinandersetzen müssen. Das wird herausfordernd für alle», sagt Markus Strässle, Präsident des Verbandes Gastro AR. Bis sich der Normalbetrieb wieder einstellen wird, braucht es Zeit. «So schnell wird die Coronakrise wohl nicht vorüber sein.» Die Pandemie hat die Gastrobranche schwer getroffen. Strässle seufzt: «Alle werden es wohl leider nicht schaffen, bis zum tatsächlichen Ende der Krise den Konkurs noch abzuwenden.»

Wirte sind voller Tatendrang

Optimistischer klingt es aus Innerrhoden. Bislang sind Stephan Sutter, Präsident Gastro AI, keine Restaurants bekannt, die aufgrund des Lockdowns das Handtuch dauerhaft werfen mussten oder kurz davor sind. Rund 95 Gastrobetriebe gibt es im Innerrhodischen. Und alle Wirte seien derzeit voller Tatendrang. «Ich bin überzeugt davon, dass, sobald das Schutzkonzept vorliegt, alle mit den Vorbereitungen loslegen werden», so Sutter. «Am 11. Mai sind wir dann alle bereit, um endlich wieder Gäste empfangen zu können.»

Herausfordernd für kleinere Betriebe

Die schnelle Wiedereröffnung hat die Gastroverbände überrascht. So räumt Strässle ein: «Insgeheim hatten wir mit dem 8. Juni gerechnet.» 380 Gastrounternehmen gibt es in Appenzell Ausserrhoden. Allerdings können nicht alle am 11. Mai ihre Tore wieder öffnen. Die Restaurantbetreiber müssen das Schutzkonzept einhalten. Unter Wahrung der Abstandsregeln dürfen Tische mit bis zu vier Personen wieder bedient werden. Strässle geht davon aus, dass diese grob skizzierten Richtlinien für kleinere Restaurants oder Bars mit ausschliesslich Stehplätzen nicht umsetzbar sind. «Ich weiss nicht, wieviele es sein werden, aber alle Gastrobetriebe werden in eineinhalb Wochen wohl nicht wieder Gäste empfangen können.» Für diese dauern die Schliessungen und die Möglichkeit, Kurzarbeit geltend zu machen, weiter an.

Auch André Hermann, Betreiber des «Vinum33» in Herisau, zieht in Erwägung, sein Geschäft noch nicht zu öffnen. Das «Vinum 33» ist eine Mischung aus Weinhandlung und Bar. 30 bis 40 Leute finden darin normalerweise Platz. Werden zwei Meter Distanz eingehalten, sind es gerade noch 16 Personen, die Herrmann bewirten könnte. «Wenn ich unter diesen Bedingungen mein Geschäft öffne, lege ich Geld drauf. Das lohnt sich nicht.»

Gemütlichkeit bleibt auf der Strecke

Kommt hinzu, dass der Herisauer um die Gemütlichkeit in seiner Bar fürchtet, wenn er die Besucherinnen und Besucher stetig ermahnen muss, sich weiter voneinander entfernt aufzuhalten. «Eine langsame Öffnung ist für Barbetriebe nichts. Da warte ich lieber noch auf weitere Lockerungen, bevor ich wieder hinter dem Tresen stehe.»