Standeskommission legt Bericht zum Windenergieprojekt Oberegg vor: Hauptgrund für das Nein ist der zu starke landschaftliche Eingriff

Am 4. Februar wird sich der Grosse Rat mit einem Bericht zum Standort Honegg beschäftigen. Darin begründet die Regierung ihr Nein zum Windparkprojekt. Dabei geht es um den Landschaftsschutz – aber nicht nur.

Jesko Calderara
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Die fehlende Landschaftsverträglichkeit führte zur Ablehnung des Windenergieprojekts. (Bild: Benjamin Manser)

Die fehlende Landschaftsverträglichkeit führte zur Ablehnung des Windenergieprojekts. (Bild: Benjamin Manser)

Die Standeskommission hat sich im November 2018 gegen das umstrittene Windenergieprojekt bei Oberegg ausgesprochen. Für diesen Entscheid gab es im Grossen Rat heftige Kritik. Nun liegt ein Bericht dazu vor. Auf rund 19 Seiten begründet die Innerrhoder Regierung, warum sie auf eine definitive Festsetzung des Gebiets Honegg-Oberfeld als Windkraftstandort im kantonalen Richtplan verzichten will.

Für die Entscheidungsfindung wurde eine Interessenabwägung vorgenommen. Grösstes Konfliktpotenzial gibt es im Bereich Landschaft. In diesem Zusammenhang wird im Bericht auf das eingeholte Gutachten verwiesen. Deren Autoren kommen zum Schluss, dass die Topografie und das Landschaftsmosaik des Appenzellerlands nicht geeignet sind für das Betreiben von Windrädern. Die Region Oberegg und die Krete vom Suruggen seien jedoch gesamthaft gesehen noch die unproblematischsten Standorte in der Region. Aus landschaftlicher Sicht ist gemäss des Gutachtens die Verringerung der Grösse der Windräder und des Durchmessers der Rotoren wünschenswert.

Grosses Potenzial zur Stromgewinnung

Gegen eine Festlegung im Richtplan haben zudem die vielen betriebseinschränkenden Massnahmen gesprochen, die zur Erreichung der Umweltverträglichkeit erforderlich wären. Negativ gewichtet wurde zudem die Tatsache, dass im Umkreis von weniger als 700 Metern um die Windkraftanlagen rund 50 Personen wohnen. Andere Bedenken, die oft zu hören waren, teilt die Regierung dagegen nicht. Verneint werden beispielsweise Beeinträchtigungen durch Lärm oder Infraschall. Nicht abschliessend beantwortet werden könne dagegen die Behauptung, wonach Windenergieanlagen zur Entwertung von Liegenschaften führen, heisst es im Bericht. Darin wurden die verschiedenen Interessen dem Energieproduktionspotenzial gegenübergestellt. So könnten mit den beiden 200 Meter hohen Windrädern rund 12 Prozent des Stromverbrauchs in Appenzell Innerrhoden gedeckt werden. Das Potenzial wird als «gross» eingestuft, obschon die Voraussetzungen für eine Anlage von nationalem Interesse fehlen. Dafür wäre eine mittlere erwartete Produktion von jährlich mindestens 20 Gigawattstunden notwendig. Abgesehen davon gebe es keine bundesrechtliche Verpflichtung für einen Beitrag des Kantons an den Ausbau der Windenergie.

Unter dem Strich kommt die Standeskommission zu einer klaren Schlussfolgerung: Ein Eingriff in die Landschaft, wie ihn die geplante Anlage bringen würde, ist nur unter zwei Bedingungen denkbar. Als eine Voraussetzung wird eine massive Verschlechterung der Stromversorgung genannt. Zudem hält die Regierung die Entwicklung des Windkraftstandorts Honegg-Oberfeld nur dann für vertretbar, wenn auch der benachbarte Suruggen in die Planungen mit einbezogen wird. Dafür fehlt zurzeit das Einverständnis des Ausserrhoder Regierungsrates. Dieser hatte sich im Einwendungsverfahren gegen das Vorhaben ausgesprochen. In diesem Verfahren sind insgesamt 500 ablehnende und 60 befürwortende Stellungnahmen eingegangen.

Standort bleibt provisorisch im Richtplan

Die Windenergie könnte in Innerrhoden zu einem späteren Zeitpunkt doch noch ein Thema werden. Falls sich die Rahmenbedingungen ändern werden, könne auf den ablehnenden Entscheid zurückgekommen werden, schreibt die Regierung. Aus diesem Grund soll Honegg-Oberfeld als provisorischer Standort im Richtplan bleiben. Der Grosse Rat wird sich am kommenden 4. Februar mit dem Bericht beschäftigen.