Zu ordentlich für die Natur

Im Winterhalbjahr führt die Appenzellisch Naturwissenschaftliche Gesellschaft (ANG) traditionell einen fünfteiligen Vortragszyklus durch. Diesmal wird das Thema Biodiversität besprochen. Zu erfahren ist auch, warum die «saubere» Schweiz ein Problem ist.

Mea Mc Ghee
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Das Urnäscher Burketmoos ist ein Hotspot der Artenvielfalt im Appenzellerland. (Bild: pd)

Das Urnäscher Burketmoos ist ein Hotspot der Artenvielfalt im Appenzellerland. (Bild: pd)

APPENZELLERLAND. Wissenschaftliche Themen runterbrechen für ein nicht zwingend akademisches, aber doch an der Naturwissenschaft interessiertes Publikum, dies bezweckt die Appenzellisch Naturwissenschaftliche Gesellschaft (ANG). Jeweils im Winterhalbjahr und im Monatsrhythmus lädt die ANG zu Vorträgen zu einem bestimmten Themenkreis. Diesmal steht der fünfteilige Zyklus unter dem Motto «Biodiversität – ein unbekannter Wert?» Zum Auftakt blickt Andres Scholl, Leiter Ausserrhoder Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz sowie ANG-Vizepräsident, vor seine Haustüre: Wie schneidet die Biodiversität im Appenzellerland im nationalen Vergleich ab? Welches sind in unserer Region die Hotspots der Artenvielfalt? Als «Perlen der Biodiversität» nennt Scholl das Gaiser Kleckelmoos oder das Urnäscher Burketmoos. Weiter geht er am kommenden Montag, 9. November, in seinem Referat auf die Entwicklung unserer wichtigsten Naturwerte ein.

Die Schweiz ist zu sauber

Doch warum das Thema Biodiversität? Der Bund versuche mit grossen Aufwand auf die Bedeutung der Biodiversität aufmerksam zu machen. Gemäss eines OECD-Berichtes schneide die Schweiz in Sachen Artenvielfalt im europäischen Vergleich schlecht ab, so Andres Scholl. «Die Schweiz ist fast zu sauber und aufgeräumt.» Wer seine Wiese nicht bis ins äusserste Eck mähe, gelte schnell als faul. Ziel der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft sei es auch, naturwissenschaftliche Inhalte aufzugreifen, die in absehbarer Zukunft zum Thema werden, so ANG-Präsident Louis Slongo. «Wir versuchen auch stets lokale Aspekte eines Themas zu beachten.»

Volkswirtschaftlich wertvoll

Im zweiten Referat (14. Dezember) spricht Rolf Holderegger von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf, über die genetischen Werte der Biodiversität. Anhand von Fallbeispielen werde der Nutzen der Landschaftsgenetik aufgezeigt. Diese ermögliche etwa Aussagen zur Qualität von Lebensräumen. Weitere Referate sind: «Biodiversität – unerwünschte Werte» und «Biodiversität – unersetzbar wertvoll».

Gespannt ist Andres Scholl auf den vierten Themenabend, der den volkswirtschaftlichen Wert der Biodiversität aufgreift. «Wir wollen aufzeigen, dass Biodiversität nicht nur ein so genannt grünes Thema ist», sagt Scholl. Artenvielfalt sei schnell und einfach ge- oder zerstört, mit kleinen Auswirkungen für den Verursacher, aber grossen für die Natur. Scholl hat das diesjährige Programm mit Vorstandskollege Robert Meier vom Herisauer Büro Arnal zusammengestellt.

Die Vorträge finden jeweils am Montagabend im Berufsbildungszentrum Herisau, um 19.30 Uhr, bei freiem Eintritt statt. Der Auftakt ist am Montag, 9. November.