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Zu Gast sein bei Fremden

Am Samstagnachmittag lud das Zentrum für Asylsuchende Chrüzweg zum Tag der offenen Tür ein. Geschätzte 40 Personen nahmen diese Einladung wahr und gewannen interessante Einblicke.
Alexandra Scherrer
Die Nähmaschinen sind bei den gelernten Schneidern sehr beliebt.

Die Nähmaschinen sind bei den gelernten Schneidern sehr beliebt.

BRUNNADERN. Eine Tasse heisser Tee, eifrig serviert von einem jungen Mann: Mit dieser Geste werden die Besucher am Tag der offenen Tür der Notunterkunft Chrüzweg begrüsst. Der junge Mann ist ein Asylsuchender. Fast schüchtern macht er auf den Zucker neben der Thermoskanne aufmerksam. «Do you want a coffee? The coffee is very good, too», offeriert sein Kollege. Den beiden macht es sichtlich Freude, die Gäste zu verwöhnen.

«Es ist eine Pflicht, etwas zu tun»

Der grosse Aufenthaltsraum der Zivilschutzanlage ist wie ein grosses Wohnzimmer. An diesem Samstag halten sich ausnahmsweise nicht wie sonst die rund 80 Asylsuchenden darin auf, sondern viele Interessierte aus dem Tal. Eine davon ist Caroline Bosshard aus Ebersol. Die gebürtige Irin unterhält sich mit einem Bewohner der Unterkunft auf Englisch. «Wir sollten Deutsch sprechen», sagt sie plötzlich und lacht, wohlwissend, dass sich Amir, ihr Gegenüber, in Englisch sicherer fühlt. Caroline Bosshard nimmt den Tag der offenen Tür wahr, um herauszufinden, wie sie helfen kann. Sie sagt: «Es ist eine Pflicht, etwas für die Menschen hier zu tun.» Zusammen mit etwa acht anderen Personen nimmt sie an der Führung durch die Unterkunft teil, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Zentrumsleiter Christof Schönenberger erläutert kurz einige Fakten, bevor er die Teilnehmer durch die Räumlichkeiten führt. «Rund 80 Asylsuchende wohnen zurzeit hier. Das sind 15 Nationalitäten unter einem Dach.» Ausserdem betont er, dass es sich nur um eine vorübergehende Notunterkunft handle: «Mitte Juli endet dieses Projekt wieder.» Anders als im Asylzentrum Neckermühle werden viele von der Notunterkunft nicht in der Schweiz bleiben können. Dies etwa, weil sie sogenannte Dublin-Fälle sind und bereits in einem anderen sicheren Land erfasst wurden, in das sie zurückgeschickt werden.

H & M im Bunker

«Wie damals im Militär», sagt ein älterer Herr, als Christof Schönenberger den Rundgang im Bunker beginnt. Im ersten Raum, den er als «Spielraum» vorstellt, stehen ein Billardtisch und ein Töggelikasten. Zwei Teppiche liegen ebenfalls am Boden. «Hier wird auch gebetet», erklärt Christof Schönenberger. In zwei grossen Schlafsälen im ersten Untergeschoss sind jeweils 40 Männer untergebracht. Im Stock darunter schlafen die drei Frauen. Da die Unterkunft nicht für Kinder und somit auch nicht für Familien vorgesehen sei, würden auch viel mehr Männer als Frauen hier wohnen, sagt der Zentrumsleiter. Damit sich die Frauen dennoch wohl fühlen, wurde speziell für sie eine Ecke eingerichtet. Ausserdem gibt es einen Waschraum, einen Bereich, den die Asylsuchenden bei gesundheitlichen Beschwerden aufsuchen können sowie ein Zimmer für die Mitarbeitenden des Migrationsamtes. «Zum Schluss zeige ich noch unseren H & M», sagt Christof Schönenberger und lacht. Beim H & M handelt es sich um einen Raum mit Regalen und Kleiderständern. Die Kleidungsstücke, wie Jacken, Hosen aber auch Gürtel oder Schuhe, sind alle aus zweiter Hand, beispielsweise von der Caritas aber auch von Privatpersonen. Jeden Freitagnachmittag sei der «Shop» geöffnet, erklärt Christof Schönenberger. Gegen einen symbolischen Preis von ein bis zwei Franken könnten sich die Asylsuchenden hier Kleidung kaufen. «Wir verkaufen die Stücke nicht, um damit Geld zu machen», versichert er, «allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Sinn macht, damit die Dinge so einen Wert bekommen.»

Weg von negativen Gedanken

Kleider bleiben auch ein interessantes Thema im Aufenthaltsraum: An einem Tisch sitzen drei Männer an Nähmaschinen und flicken Jacken oder verengen Hosen für ihre Kollegen. «In ihren Herkunftsländern waren viele von ihnen Schneider, sie kennen sich also aus», weiss Vreni Bollinger, welche die Nähmaschinen mitgebracht hat und jede Woche zum Nähen vorbeikommt. Es sind diese Aktivitäten, wie das Nähen oder auch der Yoga-Kurs, den Freiwillige ins Leben gerufen haben, die gemäss Christof Schönenberger so wichtig sind für das Zentrum und dessen Bewohner: «Solche Initiativen von Freiwilligen sind sehr erwünscht. Das kann etwas ganz Einfaches sein, das von negativen, traumatisierenden Gedanken abbringt, ein Spieleabend zum Beispiel.»

Die Asylsuchenden haben Spass daran, Gastgeber zu sein.

Die Asylsuchenden haben Spass daran, Gastgeber zu sein.

Christof Schönenberger zeigt der Gruppe bei der Führung einer der Schlafsäle. (Bilder: Alexandra Scherrer)

Christof Schönenberger zeigt der Gruppe bei der Führung einer der Schlafsäle. (Bilder: Alexandra Scherrer)

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