Zu Besuch in der Vegi-Metzg

Brosmete

Jesko Calderara
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Kürzlich unternahm ich einen Ausflug nach Zürich. Zu Mittag ass ich im ältesten vegetarischen Restaurant der Welt. Dessen Besuch ist auch für einen moderaten Fleischesser oder neudeutsch Flexitarier wie mich jedes Mal wieder ein Genuss. Vor dem Gehen schlenderte ich noch kurz durch die angrenzende erste Vegi-Metzg der Schweiz. Ja genau, so was gibt es heutzutage! Nur schon Quorn gibt es dort in allen möglichen Formen: als Wurst, als Grillsteak, als Gehacktes, als Cordon bleu und weiss Gott noch als was alles. Eines haben diese Fleischersatzwaren aus Tofu, Seitan, Lupine, Quorn oder Tempeh gemeinsam. Sie wurden optisch und vom Namen her einem Fleischprodukt nachgemacht. ­Etwas ratlos verlasse ich die Vegi-Metzg, denn eines verstehe ich nicht. Wieso gibt es für Leute, die explizit kein Fleisch essen wollen, Produkte, die explizit an Fleisch erinnern sollen? Fühlen sich ­Vegetarier beim Grillieren sonst ausgeschlossen? Werden sie gemobbt, wenn sie ohne Fleisch zur Grillparty auftauchen? Oder träumt jeder Vegetarier doch heimlich von saftigen Steaks?

Sei es drum, Vegi-Fleisch ist ein Widerspruch in sich. Es ergibt nur dann einen Sinn, wenn man einem Fleischesser verheimlichen will, dass er gar kein Fleisch auf dem Teller hat. Genau dies ist das Geschäftsmodell von «Impossible Foods». Das Start-up-Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley hat einen Vegi-Burger entwickelt, der blutet wie ein normaler mit Fleisch. Um es kurz zu machen: Bei aller Toleranz und Liebe zur vegetarischen Küche, ich mag dieses Zeug aus Tofu und Ähnlichem nicht. Ein Züri-Geschnetzeltes ohne Rindfleisch ist ein Etikettenschwindel. Und schon gar nicht gehört ein Vegi-Schnitzel auf den Teller. En Guete!

Jesko Calderara