Zonenplan soll Bauen vereinfachen

Während der vergangenen sechs Jahre hat Lichtensteig die Ortsplanung in der Altstadt umfassend erneuert. Die Revision beinhaltet unter anderem den Teilzonenplan, die Schutzverordnung sowie Änderungen im Baureglement. Die Pläne lagen bis letzten Donnerstag zur Einsicht auf.

Olivia Hug
Merken
Drucken
Teilen

LICHTENSTEIG. Es sei ein im Kanton einmaliges Projekt, das dafür sorgen soll, dass im Städtli Aufschwung herrscht, dass «Altstadt Lichtensteig» eine Marke wird, erklärt der Gemeinderatsschreiber Mathias Müller. Er sieht Lichtensteigs Zukunft so, dass Läden und Geschäfte Einzug halten, Neuzuzüger gewonnen werden, Häuser in ihrem Städtli-Charme glänzen und Kinder in den autofreien Gassen spielen. Und all dies genau dort, wo es hin passt, konzentriert und mit viel Raum für Kultur dazwischen.

Eine revidierte Ortsplanung in der Altstadt soll dies nun verbindlich festhalten. Die Planungsgrundlagen dazu hat der Gemeinderat bereits im August vergangenen Jahres verabschiedet. Teil davon sind ein Teilzonenplan, die Schutzverordnung Kulturschutz, ein Überbauungsplan Gewerbeerschliessung Altstadt, ein geändertes Baureglement und eine geänderte Natur- und Landschaftsschutzverordnung. Nach der erfolgten Vorprüfung durch den Kanton lagen die Unterlagen während 30 Tagen bis vergangenen Donnerstag im Rathaus auf. Einsprachen gab es keine, weshalb jetzt nur noch die Genehmigung des Kantones aussteht, ehe die revidierte Zonenplanung in Kraft tritt.

Leben ins Städtli

Vor sechs Jahren hat sich die Gemeinde Lichtensteig mit dem Projekt «Netzwerk Altstadt» viel vorgenommen. Damals liefen die Vermietungen von Wohnungen schleppend, die Immobilienpreise sackten in ein Loch und die Laden-Nutzung war rückläufig. «Zeit für einen Strukturwandel», sagt Gemeinderatsschreiber Mathias Müller, «denn Lichtensteigs Altstadt hat Potenzial: dank der tiefen Mietzinse und der guten Verbindungen im öffentlichen Verkehr.» Der Strukturwandel sollte dann wenn möglich mit eigenen Kräften – den Einwohnerinnen und Einwohnern selbst – und der professionellen Unterstützung durch Fachkräfte geschehen. «Wichtig war es, den Leuten aufzuzeigen, dass es auch Möglichkeiten gibt, das Städtli zu beleben.»

Nutzungskonzept Altstadt

Damit dies geschehen konnte, bedurfte es eines Nutzungskonzeptes, welches sich spezifisch auf die Altstadt beziehen soll. Was auch heisst: Auf jedes einzelne Gebäude, jede Fassade, jedes Gässlein, jeden Baum. Schnell war klar, es lässt sich keine allumfassende Zone schaffen – es muss quasi Zonen innerhalb der Zone geben. Also löst der revidierte Teilzonenplan die bisherigen Kernzonen A und B auf – und damit auch die besonderen Bestimmungen, die bisher in Sachen Überbauung und Gestaltung in diesen Zonen galten. Neu ist die Altstadt und einige umliegenden Gebiete als «Kernzone» definiert, in der pro Liegenschaft unterschiedliche Bestimmungen bezüglich der Schutzwürdigkeit gelten – gemessen an der Bedeutung jeder Liegenschaft für den Erhalt des Ortsbildes. So kann es sein, dass heute ein Haus als «Kulturobjekt integral» geschützt ist, das gleich nebenan als «teilintegral». Je nachdem, ob die Liegenschaft integral oder teilintegral geschützt ist oder ob sie über eine «repräsentative Fassade» verfügt, können unterschiedliche bauliche Massnahmen getroffen werden. Die neue Schutzverordnung sieht vor, dass Neu- und Umbauten unter Berücksichtigung der Fassaden-Eingliederung, Form, Farbe oder Proportion mit besonderer Sorgfalt gestaltet werden. Und dies heisst auch, dass künftig die Installation von Solaranlagen im Städtli möglich sein kann. «Solarkollektoren sind auf Nebengebäuden sowie untergeordneten Dachflächen anzuordnen und sollen vom öffentlichen Raum möglichst nicht einsehbar sein», heisst es in der Schutzverordnung.

Transparenz für Eigentümer

Detailliert festgehalten wird das Thema Bau im geänderten Baureglement. Aus dem bisherigen wurden teils ganze Artikel gestrichen und mit neuen versehen. Das neue Reglement legt klar fest, wo «technisch notwendige Bauteile» wie Antennen, Kamine, Ventilationsanlagen oder Lifte unzulässig oder nach Möglichkeit klein zu halten sind. Bedingung ist jeweils, dass sich die Bauten ins Haus einfügen und dessen Erscheinung nicht verunstalten. Besonders bei «repräsentativen Fassaden» kommt dies zum Tragen: Eine Sanierung habe mit den für die Entstehung authentischen Materialien und Farben zu erfolgen, hält die neue Schutzverordnung fest.

Weiter im Baureglement enthalten sind die nicht bewilligungspflichtigen Änderungen wie Lichtanlagen oder zeitlich beschränkt aufgestellte Kinderspielgeräte. Durch die Neureglementierung wird dem Bauherr vieles vereinfacht, erklärt Ratschreiber Mathias Müller: «Die Einteilung einer Liegenschaft in der Ortsplanung schafft Transparenz.» Bauvorhaben sollten künftig schneller bearbeitet werden können. Für die Beurteilung des Bauvorhabens zuständig ist die Altstadt-Kommission, in welcher nebst dem Gemeindepräsident, dem Ratschreiber und zwei Gemeinderäten ein Denkmalpfleger und ein Professor für Architektur Einsitz haben.

Sonderstellung eines Baumes

In der Ortsplanung verankert hat die Gemeinde Lichtensteig ausserdem die Gewerbeerschliessung: So können Läden nur via Haupt- und Grabengasse erschlossen werden, nicht aber über die Hinter- oder die Löwengasse. Und selbst Pflanzen und Gewässer sind in der geänderten Natur- und Landschaftsschutzverordnung festgehalten: Markante Buchen, Linden oder Trauerweiden (wie beim Friedhof), die eine wichtige Stellung im Quartier geniessen, gelten als schützenswert. Gemessen an dem, was aus dem Projekt generiert werden könne – Neuzuzüger, aufgewertete Wohnungen – haben sich die Investitionen gelohnt, ist Mathias Müller bereits jetzt überzeugt. Weiter hebt er hervor, dass in den vergangenen Jahren auffallend mehr Baueingaben eingegangen seien. Gerade eine «Hausanalyse» (siehe Kasten) berge Vorteile für einen Hauseigentümer, meint er: «Dadurch bekommt er aufgezeigt, wo er sowohl aus finanzieller als auch aus baulicher Sicht eine Wertvermehrung seiner Liegenschaft erzielen kann.»