«Zööslend» unterwegs in die Zukunft

Ob Mitgliederrückgang oder weniger Finanzen – die Kirchen stehen vor grossen Herausforderungen. Mit dem Projekt «Zuekunft zöösle» will die Exekutive der Evangelischen Kirche im Appenzellerland die Zukunft fassbar machen. Der Zeitpunkt für diesen Prozess sei «genau richtig».

Roger Fuchs
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APPENZELLERLAND. Das kommende Jahr soll bei der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell ganz im Zeichen der Zukunft stehen. An der Synode vom kommenden Montag, 3. Dezember, muss das Kirchenparlament darüber befinden, ob man gemeinsam den Zukunftsprozess «Zuekunft zöösle» anpacken will. Für die dazu notwendigen Finanzen schlägt der Kirchenrat eine Änderung des Reglements Projektfonds vor (siehe Kasten).

Komplexer Prozessablauf

«Der Prozess <Zuekunft zöösle> ist so aufgebaut, dass sich möglichst viele Menschen daran beteiligen können», sagt die im Auftrag des Kirchenrates für das Projekt verantwortliche Kirchenrätin Barbara Stehle. Gerecht werden will man der breiten Verankerung im Volk mit einem komplexen Prozessablauf, der unter anderem die Bildung regionaler Konferenzen und Arbeitsgruppen vorsieht. Deren Ergebnisse würden Anfang 2014 zusammengetragen. Was dann alles auf den Tisch kommt, ist zum heutigen Zeitpunkt völlig offen. «Konkrete Projekte sind ebenso gut denkbar wie auch Anträge zuhanden der Synode oder Vorschläge für Gesetzesänderungen», sagt Barbara Stehle. Vielleicht kristallisiere sich aber auch heraus, dass die Zukunft ökumenisch sei.

Agieren statt reagieren

Kirchenratspräsident Kurt Kägi zeigt sich überzeugt, dass der Zeitpunkt, um über die Zukunft nachzudenken, genau richtig ist. «Wir können jetzt noch agieren und müssen nicht reagieren», sagt er. Den vorliegenden Prozessablauf bezeichnet er als Instrument, um die Zukunft begreifbar zu machen. Zweimal wurde dieses Instrument bereits vorgestellt; an einem Abend den Kirchgemeindepräsidien und Synodalen, an einem anderen allen kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bei beiden Veranstaltungen ist gemäss Kurt Kägi und Barbara Stehle eine Aufbruchstimmung spürbar gewesen und es habe sich gezeigt, dass der Zukunftsprozess als notwendig eingestuft werde. Beispielsweise sei die Rede von kleinen Schritten mit grosser Wirkung gewesen. Doch auch Aussagen wie «lustvoll-kritisch» oder «spontan und strukturiert» fielen. Skepsis ausgelöst habe dagegen bei einigen Anwesenden, ob sich die personellen Ressourcen finden liessen.

Der Prozess im Detail

Wird der Prozess «Zuekunft zöösle» noch detaillierter betrachtet, so würde bei grünem Licht durch die Synode als erstes eine zehnköpfige Steuerungsgruppe, in der alle Interessengruppen vertreten sind, gegründet. Diese gleiste sodann die Bildung von regionalen Spurgruppen auf, welche wiederum je eine Grossgruppenkonferenz im Vorder-, Mittel- und Hinterland organisierten. An besagten Konferenzen sollen dann Themen bestimmt werden, die daraufhin von Arbeitsgruppen bearbeitet würden. In der zweiten Jahreshälfte 2013 ist vorgesehen, dass die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse an regionalen Ergebniskonferenzen präsentieren. An einer grossen Delegiertenkonferenz im Januar 2014 sollen die Resultate schliesslich zusammengetragen werden. Was Appenzell Innerrhoden betrifft, so ist vorgesehen, diesen Kanton in den Prozess der Region Mittelland zu integrieren.

«Dieser Prozess ist nichts anderes als die Umsetzung der in der Verfassung stehenden Präambel», sagt Barbara Stehle. So wie dort die Landeskirche als Weggemeinschaft bezeichnet werde, so würden sich auch beim vorliegenden Zukunftsprozess Weggemeinschaften bilden. «Allerdings kann dieser Aufbruch nur geschehen, wenn viele Leute mitziehen.» Der Kirchenrat hoffe darauf, denn die Zukunft sei eine Chance.

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